Gaflei

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Gaflei ist ein Weiler auf etwa 1500 m ü. M. in der flächenmässig grössten und höchstgelegenen Gemeinde Triesenberg (Dialekt: Trisabäärg) im Oberland des Fürstentums Liechtenstein. Gaflei entwickelte sich aus Streusiedlungen der Walser im Mittelalter zu einem Weiler. Die Gemeinde Triesenberg selbst bildet sich aus den landwirtschaftlich geprägten Weilersiedlungen Silum, Rotenboden, Jonaboden, Wangerberg, Steinort/Lavadina, Masescha, die in den letzten Jahrzehnten teilweise zusammenwachsen und sich um das Gemeindezentrum zu einem Haufendorf entwickeln.

Auf der Alp Bargälla, östlich von Gaflei, liegt circa 120 m südwestlich der saminatalseitigen Alphütte auf 1721 m ü. M. der geografische Mittelpunkt von Liechtenstein.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1615 erstmals erwähnte Gaflei wurde im selben Jahr von Kirchspiel Schaan-Vaduz an einige Triesenberger veräussert. Der Name Gaflei stammt vom alträtoromanischen sulam, sulom (Hofstatt, Bauplatz, Grund, Boden). Bis 1860/1861 blieb die Alp im Besitz von verschiedenen Triesenberger Familien.[3] 1895 kaufte Rudolf Schädler[4] die Alp, um die liechtensteinische Wirtschaft zu fördern und liess dort mit erheblichem Kostenaufwand eine der damaligen Zeit und deren Anforderungen entsprechende Kuranstalt errichten. Gaflei wurde damit zum ersten Kurort von Liechtenstein und ist bis heute ein beliebtes Erholungs- und Ausflugsgebiet. Das Kurhaus wurde 1930 bis um 1955 in der nächsten Generation von Rudolf Schädler geleitet.[5] Rudolf Schädler war wesentlich an der Verfolgung und versuchten Entführung von Alfred Rotter beteiligt.[6] Alfred Rotter war ein deutscher Theaterbetreiber der sogenannten Rotter-Bühnen, Regisseur und Produzent. Rotter stürzte am 5. April 1933 bei Gaflei auf der Flucht vor den Nazi-Schergen mit seiner Gattin Gertrud in den Tod.

Der Maler Adolf Hildenbrand befand sich 1938 zu einem Malaufenthalt in Gaflei.

1976 war Gaflei Etappenort der Tour de Suisse und ist als eine der anspruchsvollsten Etappen in die Tour-de-Suisse-Geschichte eingegangen.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Verkauf von 1860/61 diente Gaflei den Triesenberger Besitzern als Maiensäss. Auch nach dem Aufkommen des Tourismus wurde Gaflei weiterhin als Alp genutzt. Die Bewirtschaftung der Alp mit Sennerei war anfänglich Teil des Kurbetriebs. Seit 1952 ist die die 25,7 ha grosse Alp mit 6,4 ha Weidefläche im Eigentum der Gemeinde Vaduz. 2006 liess die Gemeinde das auf 1483 m ü. M. gelegene Alpgebäude mit Stall und Sennerei abbrechen. Geblieben ist eine extensive Nutzung der Alpweiden.[3]

Marc Risch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Schaan, baut in Gaflei die Privatklinik «Clinicum Alpinum» zur stationären Behandlung von Patientinnen und Patienten mit (schweren) Stressfolgeerkrankungen (Erschöpfungs-Depression)[8] Ein zentraler und naturnaher Standort sei für eine solche Klinik für Stressfolgeerkrankungen wie Depressionen oder Burn-out wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzeptes.[9] Die Privatklinik soll im April 2019 die ersten Patienten aufnehmen.[10]

Wandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaflei ist der Ausgangs- und Zielpunkt für Wanderungen, unter anderem auch auf den Fürstensteig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Triesenberg (Hrsg.): Triesenberg. Masescha-Gaflei-Silum-Steg-Sücka-Malbun. Die Walsergemeinde im Fürstentum Liechtenstein, Verlagsdruckerei, Vaduz 1978.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adulf Peter Goop, Günther Meier, Daniel Quaderer, Brauchtum Lichtenstein, Alte Bräuche und neue Sitten, Alpenland Verlag, Schaan, 2005, ISBN 3-905437-09-0, S. 254
  2. Geographischer Mittelpunkt (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)
  3. a b Alois Ospelt: Gaflei. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. 31. Dezember 2011.
  4. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 5: R–S. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1256-9, S. 182.
  5. Das Kurhaus besteht heute nicht mehr.
  6. e-archiv.li Die Rotter-Attentäter Rudolf Schädler, Peter Rheinberger, Eugen Frommelt und Franz Roeckle werden zu Kerkerstrafen zwischen 4 und 12 Monaten verurteilt.
  7. http://www.verein-isl.li/Rad/Info/LiechtensteinunddieTourdeSuisse.aspx
  8. Liechtensteiner Volksblatt, Ausgabe 3. April 2014.
  9. Liechtensteiner Volksblatt Ausgabe 18. Januar 2014.
  10. Clinicum Alpinum Website Stand 1. Februar 2019.

Koordinaten: 47° 9′ N, 9° 33′ O; CH1903: 759727 / 223467