Gebetshaus Augsburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Gebetshaus Augsburg ist eine private Initiative innerhalb der Charismatischen Erneuerung der römisch-katholischen Kirche. Christen verschiedener Konfessionen beten dort täglich durchgehend 24 Stunden. Das Gebetshaus gilt als ein „Experiment“ des geistlichen Ökumenismus.[1]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde der Gebetshaus Augsburg e. V. von Jutta und Johannes Hartl im Jahr 2005.[2] Vereinszweck ist die Verherrlichung Gottes durch Gebet und Lobpreis rund um die Uhr. Nach eigenen Angaben hat der Verein 15 Mitglieder.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Gebetsnächte fanden in den 1990er-Jahren statt, später folgten u. a. Reisen in Klöster und intensive Beschäftigung mit Literatur über Gebet und Mystik.[4]

Bei einem Besuch im „International House of Prayer“ (IHOP) in Kansas City, nach dessen Vorbild das „Haus des Gebets“ später eingeweiht wurde,[5] gewann die Vision des 24/7-Gebets weiter an Klarheit. Jutta und Johannes Hartl empfanden es als einen Ruf Gottes, „ein Zentrum in Deutschland zu eröffnen, in dem das Gebet bei Tag und bei Nacht nicht verstummt.“[4]

Die katholische Pfarrgemeinde Zu den Hl. Zwölf Aposteln in Augsburg-Hochzoll war die erste Station der Initiative. Die ersten Gebetstreffen fanden in einer Privatwohnung statt, die offenen Vortragsabende in der Pfarrkirche. Ein Gebetsraum wurde angemietet, die ersten Konferenzen und Schulungen folgten. Seit September 2011 wird ununterbrochen im Gebetsraum gebetet. Im Frühjahr 2012 erwarb der Gebetshaus e. V. eine Immobilie in der Pilsener Straße 6 in Augsburg, wo er bis heute ansässig ist.[4]

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelehrt und verkündet wird im Gebetshaus gemäß der Lehre der römisch-katholischen Kirche. Enge Zusammenarbeit besteht mit der Diözese Augsburg.[6] Ein eigens beauftragter Priester nimmt regelmäßig an Team-Sitzungen des Vereins teil.[7] Das Gebetshaus ist keine kirchliche Gemeinde.[8]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative finanziert sich durch Spenden und durch die Einnahmen der Gebetshaus Augsburg Services GmbH.[9][10][11] Diese wurde im Februar 2016 gegründet, um Herstellung und Vertrieb von Medien aller Art (Bücher, CDs, Merchandising etc.), den Betrieb des Gebetshaus-Cafés und Gästehauses („Prayer-Homes“), Durchführung von Seminaren und Jüngerschafts-Schule, damit verbundene Sprecher-Honorare und Einnahmen sowie alle damit zusammenhängenden Tätigkeiten abzuwickeln.[10]

Im Gebetshaus sind derzeit 50 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt[12]. Die Höhe der Gehälter orientiert sich am öffentlichen Dienst.[13] Des Weiteren gehören ca. 100 freiwillige Helfer zum Team.[14] Geschäftsführer für alle kommerziellen Aspekte ist Johannes Buggele.[15]

Konferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die MEHR-Konferenz[16] ist eine bis 2018 jährlich, aktuell alle zwei Jahre stattfindende, ökumenische Glaubenskonferenz, die vom Gebetshaus Augsburg organisiert wird und wachsende Besucherzahlen verzeichnete. 2020 kamen laut Veranstalter circa 12.000 Personen[17].

Erstmals war das Gebetshaus Augsburg im Juni 2018 Veranstalter der „Schøn-Konferenz“. Diese hatte keine deutlich christliche Ausrichtung, es ging inhaltlich um „Schönheit und Inspiration, weniger um Religion“.[18] Mitwirkende Künstler waren u. a. Patrick Kelly, Wim Wenders, Samuel Koch sowie Johannes Hartl selbst.[19][20]

Mission Campus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebetshaus plant bzw. baut unter dem Titel „Mission Campus“[21] auf angrenzendem Baugrund einen Gästetrakt, eine Großküche sowie eine Versammlungshalle für bis zu 1000 Teilnehmer. In diesen Räumlichkeiten sollen zukünftig Seminare, Schulungen und Konferenzen stattfinden.[14] Derzeit pausiert das Spendenprojekt.[21] Beabsichtigt ist auch der Bau einer offiziellen Kapelle.[7] Ein Großspender hat die Kosten hierfür übernommen.[22]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Veröffentlichungen christlich-konservativer Organisationen und Verlage werden Gebetspraxis und Lehren von Johannes Hartl und die Ausrichtung des von ihm geleiteten Gebetshauses kritisiert.

Der Vorsitzende des Bibelbundes, Michael Kotsch, beschäftigte sich z. B. in einem Artikel[23], der am 24. April 2017 in Bibel und Gemeinde[24] erschien, ausführlich mit der Ausrichtung des Gebetshaus sowie dessen Leiter. Er stellt darin die von Hartl reklamierten Gebetserhörungen in Frage, kritisiert die Betonung langer Gebetszeiten und weist auf die durchweg römisch-katholische Ausrichtung des Gebetshauses hin.[23]

Letzteres findet auch in anderen christlich-fundamentalistischen und ökumene-kritischen Medien Niederschlag, in denen Evangelikale davor gewarnt werden, sich durch vertraute fromme Begriffe kritiklos von der römisch-katholischen Lehre blenden zu lassen.[25]

Von römisch-katholisch Gläubigen werden Johannes Hartl und das Gebetshaus insbesondere wegen der charismatischen Ausrichtung kritisch beurteilt.[26][27] Religionssoziologe Armin Nassehi bezeichnete die „Mehr-Konferenz“ als „niederschwellig“. Es finde eine „Reduktion auf Ästhetik und Emotionalität“ statt.[28]

In Artikeln der Augsburger Allgemeinen wurden außerdem kritische Fragen der Finanzierung des Gebetshauses öffentlich thematisiert.[13][29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dip3 Bildungsservice GmbH: Mitteilung Bistum Augsburg kathTube – das katholische Medienportal. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  2. Dr. Johannes Hartl | Über Johannes Hartl. Abgerufen am 17. Oktober 2017 (deutsch).
  3. https://www.kek-online.de/fileadmin/user_upload/KEK/Medienkonzentration/Verfahren/kek826Gebetshaus.pdf
  4. a b c Gebetshaus Website: Gebetshaus. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  5. MEHR Konferenz. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  6. Bistum Augsburg prüfte 'Gebetshaus Augsburg' und gibt grünes Licht! (kath.net [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  7. a b Beten am Rande der Stadt. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  8. FAQ Ist das Gebetshaus eine Kirche? Gebetshaus Website: Gebetshaus. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  9. Handelsregisterauszug von Gebetshaus Augsburg Services GmbH aus Augsburg (HRB 30341). Abgerufen am 12. April 2018.
  10. a b Registerportal. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 17. Oktober 2017 (Über die Suchfunktion (auf der Homepage des Handelsregisters) sind die Daten zur Gebetshaus Augsburg Services GmbH auffindbar. Ein Link für diese Suche kann leider nicht fest gesetzt werden.).@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelsregister.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Gebetshaus Augsburg Services GmbH: Gebetshaus Shop. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  12. Augsburger Allgemeine: Gebetshaus-Gründer: „Wir brauchen einfach eine Pause“. In: Augsburger Allgemeine. (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 5. April 2018]).
  13. a b Jan Kandzora: Was steckt hinter dem umstrittenen Gebetshaus in Göggingen? In: Augsburger Allgemeine. 22. September 2017 (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  14. a b Gebetshaus Augsburg baut Gästetrakt und Versammlungshalle. In: OTS.at. (ots.at [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  15. gogol medien GmbH & Co. KG: 10.000 Halleluja in Augsburg – auch dank Königsbrunner Macher im Hintergrund. In: myheimat.de. (myheimat.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  16. MEHR 2018. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  17. Kirche und Leben, Münster Germany: Glaubenstreffen „Mehr“ endet mit Teilnehmer-Rekord. Abgerufen am 29. Januar 2021.
  18. Schøn Konferenz. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 7. Januar 2018; abgerufen am 7. Januar 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schoenkonferenz.de
  19. Augsburger Allgemeine: Gebetshaus-Gründer: „Wir brauchen einfach eine Pause“. In: Augsburger Allgemeine. (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 5. April 2018]).
  20. Schoenkonferenz. Abgerufen am 5. April 2018.
  21. a b Start. In: Mission Campus. (mission-campus.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  22. Augsburger Allgemeine: Gebetshaus-Gründer: „Wir brauchen einfach eine Pause“. In: Augsburger Allgemeine. (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 5. April 2018]).
  23. a b Werbung für Charismatik und römisch-katholische Kirche. Abgerufen am 17. Oktober 2017 (deutsch).
  24. Bibel und Gemeinde 2-2017 | Bibelbund. Abgerufen am 17. Oktober 2017 (deutsch).
  25. Siehe z. B. Wolfgang Nestvogel: Evangelisch oder Katholisch – längst kein Gegensatz mehr? (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 18. Oktober 2017; abgerufen am 17. Oktober 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wolfgang-nestvogel.de Oder: Artos Verlag: Zeitruf, Zeitschrift für Bekennende Christen, Nr. 2/2017. Archiviert vom Original am 18. Oktober 2017; abgerufen am 17. Oktober 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/artos-verlag.de
  26. Zeitschnur: † zeitschnur : linea temporis †: Die MEHR-Konferenz in Augsburg und die Immaculata. In: † zeitschnur. 9. Januar 2014, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  27. Gebetshaus Augsburg (J. Hartl) | CHRISTLICHES FORUM. Abgerufen am 17. Oktober 2017 (deutsch).
  28. Was Kritiker daran stört: Artikel der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Abgerufen am 7. Januar 2018.
  29. Christian Mühlhause: Christliches Treffen: Wohin fließt das Eintrittsgeld? In: Augsburger Allgemeine. 13. Januar 2017 (augsburger-allgemeine.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).