Geitonogamie

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Als Geitonogamie auch Geitenogamie, oder Nachbarbefruchtung, ungenau auch Nachbarbestäubung, wird die Fremdbestäubung zwischen zwei Blüten einer einzelnen Pflanze bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Fremdbefruchtung (Allogamie) im engeren Sinne, diese geschieht hier auf derselben Pflanze. Der Pollentransport innerhalb derselben Pflanze kann durch Wind, Wasser oder Tiere (z. B. Insekten, Fledermäuse, VögelZoophilie) geschehen.[1] Genetisch gesehen hat sie darum den gleichen Effekt wie die Selbstbefruchtung (Autogamie); Endogamie (autogenetische Bestäubung, Inzucht), führt die Nachbarbestäubung zur Befruchtung nennt man dies Geito(e)nokarpie.

Die Nachbarbestäubung geschieht normalerweise in der geöffneten Blüten (Chasmogamie). Die Geitonogamie und die Autogamie werden unter der Individual- bzw. Eigenbestäubung (Idiogamie, inbreeding) zusammengefasst.[2][3]

Die morphologischen Anpassungen, die die Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte verhindern oder zumindest reduzieren können, wie etwa Herkogamie, Dichogamie, sind bei der Geitonogamie wirkungslos. Hier kann nur eine genetische Selbstinkompatibilität die Befruchtung verhindern.

Der Begriff wurde erstmals 1876 von Anton Kerner von Marilaun verwendet und leitet sich von griechisch geiton = „Nachbar“ und gamein = „heiraten“ ab.

Es kann unterschieden werden zwischen direkter, spontaner Geitonomogamie, dabei kann einerseits ein verlängerter Griffel den Pollen der benachbarten Blüte erreichen, oder Pollen fällt herunter und bestäubt so andere Blüten und indirekten Formen wo z. B. Wind- und Insektenbestäubung zwischen benachbarten Blüten vorliegt.[4]

Eine seltene, spezielle Form bildet die interne Geitonogamie, sie tritt bei den Callitrichaceae auf, wo der Pollenschlauch innerhalb der Anthere keimt und durch das Achsengewebe bis zu den weiblichen Blüten wächst.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K. Giesenhagen: Lehrbuch der Botanik. 9. Auflage, Springer, 1924, ISBN 978-3-663-15325-2 (Reprint), S. 77, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  2. R. Rieger, A. Michaelis: Genetisches und cytogenetisches Wörterbuch. 2. Auflage, Springer, 1958, ISBN 978-3-642-53221-4, S. 12, 264.
  3. Hans Kugler: Blütenökologie. Fischer, 1970, S. 33.
  4. Walter Durka: Blüten- und Reproduktionsbiologie. Schriftenreihe für Vegetationskunde, H. 38, Bundesamt für Naturschutz, Bonn 2002, S. 133–175, online (PDF; 532 kB).
  5. C. Thomas Philbrick und Luis M. Bernardello: Taxonomic and Geographic Distribution of Internal Geitonogamy in New World Callitriche (Callitrichaceae). In: American Journal of Botany. Vol. 79, No. 8, 1992, S. 887–890, JSTOR 2444998.