Georg von Dehn-Schmidt

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Georg von Dehn-Schmidt (* 9. November 1876 in Guhrau, Niederschlesien; † 14. Juli 1937 in München) war ein deutscher Diplomat im Deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Kreistierarztes besuchte Schmidt das Comenius-Gymnasium Lissa bei Posen. Ab 1898 studierte er Rechtswissenschaft an der Universität Jena und der Friedrichs-Universität Halle. 1899 wurde er Mitglied des Corps Guestphalia Halle.[1] Als Inaktiver wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Das Referendarexamen machte er 1901 an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau. Er rückte im selben Jahr als Einjährig-Freiwilliger ein und promovierte in Leipzig zum Dr. iur. 1903/04 studierte er Russisch am Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin.

Im Januar 1907 bestand er die Assessorprüfung. Von Caroline Knorr geb. von Dehn im Februar 1907 adoptiert, änderte er 1921 seinen Namen in von Dehn-Schmidt. 1908 wurde er in den Auswärtigen Dienst des Deutschen Reiches einberufen. Seine ersten Auslandseinsätze waren Amsterdam und London. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Leutnant eingezogen, wurde er 1915 zum Generalgouverneur Moritz von Bissing in das besetzte Generalgouvernement Belgien nach Brüssel abgeordnet. 1917 kehrte er in den Auswärtigen Dienst zurück nach Berlin.

Seine ersten Stationen nach Kriegsende waren London und Liverpool. Ab Juni 1923 leitete von Dehn-Schmidt das neu eingerichtete Generalkonsulat in Dublin in der Republik Irland. Mit seiner Umwandlung zur Gesandtschaft wurde er 1930 Gesandter. Von Dehn-Schmidt hatte sich 1934 um die Aufnahme in die NSDAP beworben. Diese wurde von der Dubliner Ortsgruppe der NSDAP/AO, seit Juni 1934 unter der Führung von Adolf Mahr, verhindert. Er wiederholte seinen Aufnahmeantrag im Februar 1937.[2] Im August 1934 wechselte er als Gesandter nach Bukarest. Von Dehn-Schmidt wurde im Februar 1935 in den Ruhestand versetzt, nachdem Mahr ein Pressefoto Dehns in den Stürmer[3] lanciert hatte, das ihn zeigte, wie er dem Apostolischen Nuntius bei seiner Verabschiedung in Dublin den Ring küsste.[4] Der Vorgang wurde auch in einem inoffiziellen Gespräch zwischen dem damaligen irischen Botschafter in Berlin Charles Bewley mit dem Ministerialdirektor Hans-Heinrich Dieckhoff thematisiert.[5]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Schmidt: Wille und Erklärung : ein Beitrag zur Lehre vom Rechtsgeschäft: §§ 116 Satz 2, 117 Abs. 1 und 118 B.G.B. in geschichtlicher und vergleichender Darstellung. Halle a.S. : Kaemmerer, 1902, Diss. Leipzig 1901

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 1: Johannes Hürter: A–F. Schöningh, Paderborn u. a. 2000, ISBN 3-506-71840-1, S. 407f.
  • Christopher Sterzenbach: Die deutsch-irischen Beziehungen während der Weimarer Republik, 1918 – 1933: Politik, Wirtschaft, Kultur. LIT, Münster 2009, ISBN 978-3-8258-1470-0.
  • Horst Dickel: Deutsche Aussenpolitik und die irische Frage von 1932 bis 1944, Steiner, Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-03896-5. Frankfurt (Main), Univ., Diss., 1980
  • John P. Duggan: Neutral Ireland and the Third Reich, Gill and Macmillan, Dublin 1985, ISBN 0-7171-1384-1
  • "Extract from a confidential report from Charles Bewley to Joseph P. Walshe" (Dublin) (43/33) veröffentlicht in "Documents on irish foreign policy" [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 58, 1073
  2. Horst Dickel: Deutsche Aussenpolitik und die irische Frage von 1932 bis 1944, S. 76 Fn 186; auch S. 38
  3. Horst Dickel: Deutsche Aussenpolitik und die irische Frage von 1932 bis 1944, S. 38 Fn 143
  4. John P. Duggan: Neutral Ireland and the Third Reich, S. 28
  5. Extract from a confidential report from Charles Bewley to Joseph P. Walshe