Georg von Merenberg

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Georg Nikolaus Graf von Merenberg (* 13. Februar 1871 in Wiesbaden; † 31. Mai 1948 ebenda) war eines von drei Kindern des Prinzen Nikolaus Wilhelm zu Nassau – dem Halbbruder des letzten Herzogs von Nassau und späteren Großherzog von Luxemburg, Adolph – und der Gräfin Natalie von Merenberg, geb. Natalia Puschkina (* 4. April 1836; † 23. März 1913), Tochter des russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin. Seine Großeltern väterlicherseits waren Herzog Wilhelm von Nassau und seine zweite Gemahlin Prinzessin Pauline von Württemberg. Bekannt wurde der Name Merenberg Anfang des letzten Jahrhunderts durch die politische „Affäre Merenberg“.

Ehe und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Georg Nikolaus von Merenberg war mit der Prinzessin Olga Alexandrowna Jurjewskaja (* 8. November 1873; † 10. August 1925) – der Tochter des russischen Zaren Alexander II. und seiner zweiten Ehefrau Katharina Dolgorukaja, der er den Titel einer Fürstin Jurjewski verliehen hatte –, verheiratet.

Das Paar hatte folgende Kinder:

1. Alexander Nicolas Adolph Michel Georges Graf von Merenberg (1896–1897)

2. Georg Graf von Merenberg (* 16. Oktober 1897 in Hannover; † 11. Januar 1965 in Mainz)

⚭ 7. Januar 1926 in Budapest Paulette von Koyer de Györgyo-Szent-Miklossy, geschieden 13. Juli 1928,
⚭ 27. Juli 1940 in Schroda Elisabeth Anne Müller-Uri (* 1. Juli 1903 in Wiesbaden; † 18. November 1963 Wiesbaden)
Tochter aus 2. Ehe:
Clotilde Elisabeth Gräfin von Merenberg, verh. von Rintelen (* 14. Mai 1941 in Wiesbaden)
⚭ 25. Mai 1965 in Wiesbaden Enno von Rintelen (* 9. November 1921 in Berlin)
Kinder aus dieser Ehe:
Alexander Enno von Rintelen (* 23. März 1966 in Wiesbaden)
Nikolaus von Rintelen (* 29. Juni 1970 in Wiesbaden)
⚭ 30. Juni 2007 Olivia Minninger (* 27. August 1969 in Köln)
Kinder aus dieser Ehe:
Julian von Rintelen (* 7. Januar 2003 in München)
Nicolai von Rintelen (* 17. November 2006 in München)
Gregor von Rintelen (* 13. August 1972 in Wiesbaden)
⚭ 2002 Jane Gräfin zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda-Prill (* 18. Mai 1973 in Wiesbaden)
Kind aus dieser Ehe:
Frederick von Rintelen (* 11. Dezember 2006)

3. Olga Katharina Adda Gräfin von Merenberg (* 3. Oktober 1898 in Wiesbaden; † 15. September 1983 in Bottmingen bei Basel), ⚭ 14. November 1923 in Wiesbaden Graf Michael Loris-Melikow (* 16. Juni 1900 in Zarskoje Selo; † 2. Oktober 1980 in Bottmingen)

Da keine männlichen Nachkommen mehr leben und die weiblichen Nachkommen andere Namen angenommen haben ist der Adelsname „Graf oder Gräfin von Merenberg“ faktisch nicht mehr vorhanden. Er kann lediglich noch als zusätzlicher Adelsname genannt werden.

Der Fall (Affäre) Merenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es einen hochpolitischen Fall innerhalb der walramischen Linie im Haus Nassau. Von den Kontrahenten, dem Kläger Prinz Nikolaus Wilhelm von Nassau und später seinem Sohn Graf Georg Nikolaus von Merenberg und dem Beklagten Großherzog Adolph I. von Luxemburg und später dessen Sohn Wilhelm IV. von Luxemburg, wurde der Rechtsstreit mit heftiger Leidenschaft und allen Mitteln ausgetragen. Die Auseinandersetzung wurde als "Affäre Merenberg" bekannt. Gutachten, Pressekampagnen, Intrigen und Unterstellungen, Gerichtsklagen und Parlamentsdebatten gehörten zu den Spielregeln dieses Falles. Hierbei ging es um den Thron eines – wenn auch kleinen – europäischen Staates und um viel Geld.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinz Nikolaus Wilhelm von Nassau (* 20. September 1832; † 17. September 1905), der Vater Georg Nikolaus', weilte im Auftrag seines Halbbruders, des damals regierenden Herzog Adolph von Nassau, 1856 am russischen Zarenhof als Vertreter Nassaus bei den Krönungsfeierlichkeiten von Zar Alexander II. Hier lernte er Natalia Alexandrowna (* 4. April 1836; † 23. März 1913), die Tochter des bedeutenden russischen Dichters Puschkin, kennen. Diese war mit einem Flügeladjutanten des Zaren, General Michail Leontiewitsch von Dubelt – mit welchem sie drei Kinder hatte – unglücklich verheiratet. Im Jahre 1867 verließ sie von einem Tag auf den anderen ihre Familie, um dem Prinzen Nikolaus von Nassau in dessen Heimat zu folgen.

Ehe und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer sich anbahnenden ehelichen Verbindung gab der Chef des Hauses Nassau, Herzog Adolph, nicht den nötigen Dispens – was allerdings an der Heirat nichts änderte. Nach der Scheidung am 18. Mai 1868 bewirkte Prinz Nikolaus Wilhelm bei seinem Schwager Georg Viktor von Waldeck-Pyrmont, dass seine künftige Frau einen deutschen Adelstitel verliehen bekam. Dieser Titel „Gräfin von Merenberg“ wurde ihr und ihren leiblichen Kindern am 30. Juni 1868 verliehen. Schon am 1. Juli 1868 folgte die Hochzeit. Die so entstandene morganatische Ehe führte dazu, dass Prinz Nikolaus Wilhelm seine eventuelle Anwartschaft auf den Thron verlor, und dass seine Frau und seine Kinder nicht den Titel Prinz bzw. Prinzessin von Nassau führen durften. Prinz Nikolaus Wilhelm regte sich zunächst nicht sonderlich darüber auf, da erbfolgerechtliche Konsequenzen daraus kaum entstehen konnten. Schließlich war das Herzogtum Nassau zwischen Main, Rhein, Lahn und Sieg 1866 nach einem verlorenen Krieg in das Königreich Preußen als Teil der Provinz Hessen-Nassau eingegliedert worden. Herzog Adolph war zwar immer noch Chef des Hauses, lebte jedoch „ohne Land“ im Exil. Dem Paar wurden 1868 die Tochter Sophie, 1869 die Tochter Alexandra und 1871 der Sohn Georg Nikolaus geboren.

Der Rechtsstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 1890 sein Halbbruder Herzog Adolph von Nassau nach den Bestimmungen des Nassauischen Erbvereins das Großherzogtum Luxemburg aus der ottonischen Linie des Hauses Nassau geerbt hatte, wollte Prinz Nikolaus sich und seinen Kindern die Zukunft sichern. Er wurde nun sehr aktiv, um eine vermeintliche Anwartschaft zu erlangen – da der Thronfolger, Adolphs Sohn Wilhelm, „nur“ vier Töchter hatte und damit die Linie im Mannesstamme auszusterben drohte. Prinz Nikolaus erklärte schon damals, dass er auch als letzter Überlebender der Linie auf alle Rechte an der Krone freiwillig verzichten würde, wenn ihm in männlicher „Deszendenz“ Name und Würde des Hauses Nassau zufallen würde. Somit hätten Grafen und Gräfinnen von Merenberg die Titel Herzog und Herzöge von Nassau führen können. Dies jedoch lehnte Adolf ab, da die Nachkommen aus einer unebenbürtigen Verbindung stammen würden. Unklar blieb bis zu Adolfs Tod, warum für ihn diese Ehe unebenbürtig war. Hierzu gibt es zwei Thesen: • Es könnten Zweifel über die tatsächliche Scheidung bestanden haben, denn eine Scheidungsurkunde war nicht beschaffbar, oder • Für Adolph war das Adelshaus, dem Natalie Puschkin entstammte, nicht hoch genug in der Rangordnung angesiedelt.

Staatsminister Eyschen meinte, dass der Großherzog vielleicht durch seine verweigernde Haltung seinen eigenen Nachkommen die Möglichkeit der Erbfolge versperre. Großherzog Adolph soll damals gesagt haben: „Die Vorsehung wird entscheiden“. Als Prinz Nikolaus von Nassau im Jahre 1905 starb, war er mit seinem Ansinnen noch nicht sehr weit gekommen. Den Widerstand seines Halbbruders hatte er bis dahin nicht zu brechen vermocht. Kurz nach ihm verstarb auch Großherzog Adolph von Luxemburg. Georg von Merenberg, der Sohn des verstorbenen Prinzen Nikolaus von Nassau, inzwischen bereits 34 Jahre alt, trat in die Fußstapfen seines Vaters und setzte sich nun bei seinem Kampf um die luxemburgische Krone mit Großherzog Wilhelm von Luxemburg, dem Sohn des verstorbenen Großherzogs Adolph, auseinander.

Es gab seinerzeit drei Rechtsgutachten: 1. Prof. Dr. Zöpfl und Prof. Dr. Rehm meinten, dass Georg von Merenberg keine Rechte besäße, da die Ehe seines Vaters nicht ebenbürtig war und damals auch der Konsens des Hauschefs, Herzog Adolphs fehlte, somit sei sie morganatisch. 2. Dieser Auffassung war auch die Regierung, gestützt auf ein Gutachten des Staatsrates 3. Justizrat Max Silberstein, beauftragter Gutachter des Grafen Georg Nikolaus von Merenberg, teilte diese Ansichten nicht und behauptete, dass sein Mandant nach dem Nassauischen Erbvertrag als letzter männlicher Abkömmling den „Cognaten“, also der weiblichen Erbfolge, vorgehe.

Gestützt auf das Rechtsgutachten von Max Silberstein klagte Graf Georg Nikolaus von Merenberg vor einem deutschen Gericht um das Verfügungsrecht über das Nassauische Hausvermögen und machte seine Thronfolgeansprüche geltend. Außerdem wendete er sich an das Parlament und die Regierung in Luxemburg und machte dort seine Thronfolgeansprüche geltend. Zustimmung dabei erfuhr er durch die sozialistische Fraktion der Landeskammer, der es jedoch weniger um die Ansprüche des „Merenbergers“, als um die Schwächung der Dynastie ging. Großherzog Wilhelm wollte daher die Erbfolge auf ein „breites Fundament“ für seine Kinder bauen und veranlasste, dass durch Änderung des Nassauischen Hausgesetzes die Thronfolge in der Familie des Großherzogs bliebe und das Nassauische Hausvermögen mit der Krone des Großherzogtums vereint würde.

Die Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Juli 1907 stimmte die luxemburgische Kammer mit 41 zu 7 Stimmen für das nassauische Hausgesetz, womit festgelegt wurde, dass die Thronfolge künftig in der Familie Wilhelms erblich und das nassauische Hausvermögen unzertrennlich mit der Krone Luxemburgs verbunden sei. Hierdurch war die Thronfolge durch seine Töchter endgültig gesichert. Georg von Merenberg musste daraufhin alle seine Hoffnungen begraben und der Name Merenberg verschwand wieder aus den Schlagzeilen der „großen Politik“.

Nachdem Georg von Merenberg auch seine Klage vor dem Wiesbadener Gericht zurückgenommen hatte, war der Fall endgültig „ad acta“ gelegt. Der luxemburgische Hof honorierte dieses Verhalten und erklärte sich bereit, dem bis dahin so hartnäckigen Widersacher eine Jahresrente in Höhe von 40.000 Goldmark zu gewähren. Georg von Merenberg kam noch sehr lange in den Genuss dieser Zuwendung, da er erst 1948 im Alter von 77 Jahren verstarb. Bis dahin hatte er „Renten“ in einer Gesamthöhe von rund 1.600.000 „Goldmark, oder Folgewährungen“ erhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Spielmann: Geschichte der Stadt und der Herrschaft Weilburg, Neuauflage 2005.
  • Hans von Frisch: Die Rechte des Grafen Georg von Merenberg auf den Thron des Großherzogtums Luxemburg, Verlag E. Wertheim 1907.
  • Jean Schoos: Die Herzöge von Nassau als Großherzöge von Luxemburg, Nassauische Annalen 95, 1984.
  • ders.: 175 Jahre Herrschaft des Hauses Nassau – 100 Jahre Nationale Dynastie, Aufsatz in: 150 Joer onofhängeg 25 Joer Grand-Duc-Jean – Chef vun eisem Land, Edition Saint-Paul.
  • Pierre Even: Herzog Adolph von Nassau und das russische Zarenhaus, Bad Emser Hefte Nr. 75, Verein für Geschichte/Denkmal und Landschaftspflege e. V Bad Ems 1989.
  • Francois Mersch: Luxemburg – Seine Dynastie, Band I + II, Edition Francois Mersch, Luxembourg 1981.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Merenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien