Gerard van Swieten

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Gerard van Swieten, Porträt vom Kaiserbild im NHM Wien
Gerard van Swieten in späteren Jahren
Van Swieten am Maria-Theresien-Denkmal, Wien

Gerard van Swieten, deutsch auch Gerhard von Swieten (später Freiherr van Swieten; * 7. Mai 1700 in Leiden; † 18. Juni 1772 in Schönbrunn/Wien), war ein Mediziner niederländischer Herkunft, Leibarzt und Reformer in der Zeit der Aufklärung.

Van Swietens Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Van Swieten begann zunächst ein Studium an der Universität Löwen, wechselte dann aber 1718 an die Universität in seiner Heimatstadt Leiden, wo er Chemie, Pharmazie und Medizin studierte und Schüler von Herman Boerhaave war. Er wurde 1725 mit einer Arbeit über die Struktur und Funktion der Arterien (Dissertatio de arteriae fabrica et efficacia in corpore humano) promoviert und ließ sich zunächst als Arzt in Leiden nieder. Er wirkte auch als Privatlehrer und vertrat Boerhaave in dessen Abwesenheit an der Universität. Als Katholik war es van Swieten jedoch unmöglich, der Nachfolger Boerhaaves nach dessen Tod im Jahr 1738 an der protestantischen Universität Leiden zu werden. Ab 1742 erschien sein ihn bekanntmachendes Werk Commentaria. Als Anna von Lothringen, eine Schwester der oesterreichischen Kaiserin Maria Theresia, am Kindbettfieber erkrankte, ließ man van Swieten, der mit der Kaiserin in Briefaustausch stand, rufen. Obwohl er der Schwester nicht mehr helfen konnte, war die Kaiserin sehr beeindruckt.[1] Im Jahr 1745 wurde van Swieten deshalb Nachfolger des bisherigen Leibarztes Jean Baptiste Bassand (1680–1742) der Kaiserin Maria Theresia in Wien. In dieser Position setzte er eine Umgestaltung des österreichischen Gesundheitswesens und der medizinischen Hochschulausbildung durch. Auf seine Initiative gehen die Einrichtung eines botanischen Gartens, eines Theatrum anatomicum, eines chemischen Labors und die Einführung des klinischen Unterrichts zurück. Die Summe seiner Aktivitäten machte ihn zum Gründer der Älteren Wiener Medizinischen Schule.

Van Swietens Rolle im Kampf gegen den Aberglauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders wichtig ist die Rolle van Swietens im Kampf der Aufklärer gegen den „Aberglauben“, insbesondere im Fall der Vampire, von denen ab etwa 1720 immer wieder aus Dörfern in Südosteuropa berichtet wurde.

Nach dem Ende des letzten Türkenkrieges 1718 waren einige Regionen – zum Beispiel Nordserbien und ein Teil Bosniens – Österreich zugefallen. Diese Landteile wurden mit Flüchtlingen besiedelt. Sie erhielten den Sonderstatus abgabefreier Wehrbauern. Als Gegenleistung hatten sie für die landwirtschaftliche Erschließung sowie für die Grenzsicherung zu sorgen. Über diese Siedler gelangten die Vampirberichte erstmals in den deutschsprachigen Raum.

Maria Theresia sandte Gerard van Swieten im Jahre 1755 nach Mähren, um die dortige Vampirlage zu klären. Er selbst bezeichnete den Vampirmythos als „Barbarei der Unwissenheit“, die er unbedingt mit allen Mitteln ausmerzen wollte. Er untersuchte die angeblichen Vampirfälle gründlich und verfasste zu diesem Thema einen nüchternen Bericht, der unter dem Titel Abhandlung des Daseyns der Gespenster veröffentlicht wurde und bei dem er natürliche Ursachen als Erklärung für den Vampirglauben heranzog. So führte er den ungewöhnlichen Zustand der als angebliche Vampire exhumierten Leichen, die zum Teil aus dem Mund tretendes Blut, füllige Leiber oder rosige Haut aufwiesen, auf natürliche Ursachen zurück: auf Gärungsprozesse sowie Luftmangel, der die Verwesung verhinderte. In der Vorrede seines Berichtes von 1768 schrieb er, „daß der ganze Lärm von nichts andern herkömme, als von einer eitlen Furcht, von einer aberglaubischen Leichtglaubigkeit, von einer dunklen und bewegten Phantasey, Einfalt und Unwissenheit bei jenem Volke.“

Andere Mediziner stützten seine Theorie oder identifizierten andere Ursachen für das vermehrte Sterben in den Dörfern, zum Beispiel Seuchen. Somit zählte van Swieten wohl zu den wichtigsten Kämpfern gegen den Aberglauben des „einfachen“ Volkes. Aufgrund seines Berichtes erließ Maria Theresia einen Erlass, der alle traditionellen Abwehrmaßnahmen gegen Vampire wie das Pfählen, Köpfen und Verbrennen verbot.

Van Swieten war eine Vorlage für Bram Stokers Romanfigur des Vampirjägers Van Helsing in seinem berühmten Roman Dracula.

Van Swieten als Reformer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seinen medizinischen Aktivitäten war van Swieten auch als Reformer aktiv. Vor allem das Zensurwesen ordnete er neu. So verdrängte er die Jesuiten, die bisher die Zensur durchführten und zentralisierte es nur teilweise erfolgreich. Auch versuchte er, rationale und wissenschaftliche Aspekte für die Beurteilung der Bücher zu verwenden. Er war Mitglied der Olmützer Gelehrtengesellschaft Societas incognitorum.

Gerard von Swieten wurde in Österreich in den Freiherrenstand erhoben. Sein Grab befindet sich in der Wiener Augustinerkirche.

Er war der Vater von Gottfried van Swieten, der vor allem als Gönner Wolfgang Amadeus Mozarts bekannt wurde.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1754 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.[2]

Nach Gerard von Swieten ist eine Gattung der Mahagonigewächse benannt, die Swietenia.

Im Jahr 1862 wurde in Wien Alsergrund (9. Bezirk) die Van-Swieten-Gasse nach ihm benannt. Ebenfalls in Wien ist nach ihm Van-Swieten-Kaserne des österreichischen Bundesheeres benannt; sie beherbergt das Militärmedizinische Zentrum. Im 10. Bezirk trägt eine Dienststelle des Wiener Roten Kreuzes, die Bezirksstelle Van Swieten in der Landgutgasse, seinen Namen

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medaille von 1772

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerard van Swieten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Gerard van Swieten – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sonia Horn: Gerhard van Swieten. In: Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann: Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 1. Auflage. C.H. Beck, München 1995, S. 347+348. (2. Auflage. mit dem Titel: von der Antike bis zur Gegenwart. Springer, Berlin u. a. 2001, S. 303+304; 3. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-540-29584-4, S. 315+316)
  2. Mitgliedseintrag von Gerard Frhr. van Swieten bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 20. Juni 2016.