Gerd Heidemann

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Gerd Heidemann (* 4. Dezember 1931 in Altona) ist ein ehemaliger Reporter der Zeitschrift Stern. Er wurde weithin bekannt, nachdem er im Auftrag der Zeitschrift Stern die „Hitler-Tagebücher“ erworben hatte, die, wie sich bald nach der sensationellen Publikation durch den Stern herausstellte, vom Kunstfälscher Konrad Kujau hergestellt worden waren.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heidemann berichtete für den Stern von vielen Kriegsschauplätzen (Biafra, Angola, Mosambik, Burundi, Guinea-Bissau, Uganda, Kongo) und rettete dem Kriegsreporter Randolph Braumann und sechzehn weiteren Geiseln 1970 beim Schwarzen-September-Aufstand in Amman das Leben.[1] Über seine – mittlerweile umstrittenen[2] – Recherchen zu B. Traven publizierte er 1977 das Buch Postlagernd Tampico. Aus den Recherchen heraus entstand bereits 1967 das fünfteilige Fernseh-Doku-Drama Im Busch von Mexiko – Das Rätsel B. Traven (Regie Jürgen Goslar), in dem Heidemann sich selbst spielt.

Bekannt wurde Heidemann durch die Berichterstattung über Siegfried Müller, bekannt als Kongo-Müller, während der Operation Tshuapa zusammen mit dem Stern-Reporter Ernst Petry; die Tonbandaufnahmen wurden zuerst für eine Artikelserie im Stern genutzt und später an den DDR-Filmemacher Walter Heynowski verkauft, der aus dem Material den Dokumentarfilm „Kommando 52“ montierte, der am 15. November 1965 in Leipzig auf dem Internationalen Filmfestival uraufgeführt wurde.

Heidemann hatte fünf Jahre lang, von 1976 bis 1981, eine Beziehung mit Edda Göring, der Tochter des NS-Reichsmarschalls Hermann Göring.[3]

Hitler-Tagebücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hitler-Tagebücher

Gerd Heidemann – er verdiente Anfang der achtziger Jahre 10.500 Mark (heute ca. 11.600 €) im Monat beim Stern[4] – präsentierte am 25. April 1983 auf einer Pressekonferenz seinen „Sensationsfund“. Drei Tage später begann der Stern mit dem Teilabdruck der Tagebücher. Heidemann hatte die Tagebücher von Konrad Kujau bekommen. Nach Aufdeckung des Skandals um die gefälschten Hitler-Tagebücher wurde Heidemann vom Stern entlassen und nach einer Strafanzeige des Stern-Gründers Henri Nannen unter dem Verdacht des Betruges verhaftet. Er wurde im Juli 1985 vom Hamburger Landgericht zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts hatte er mehrere Millionen DM unterschlagen. Der Verlag Gruner + Jahr, in dem der Stern erscheint, hatte Heidemann für den Erwerb der Tagebücher 9,3 Millionen DM überlassen. Konrad Kujau behauptete vor Gericht jedoch, nur einen Teil des Geldes von Gerd Heidemann erhalten zu haben. Tonbänder, die Heidemann entlasten sollten, durften vor Gericht nicht abgespielt werden, da für die Telefonmitschnitte keine richterliche Genehmigung vorlag. Sein Antrag auf Revision wurde 1986 ohne Begründung abgelehnt.[5] Die Haftzeit verbrachte Heidemann im offenen Vollzug.

Die Nichte Kujaus hat später ihre Annahme bekundet, dass Heidemann wohl kein Geld unterschlagen habe.[6]

In der satirischen Verfilmung Schtonk! wird die Gerd Heidemann entsprechende Rolle des Skandalreporters Hermann Willié von Götz George gespielt. Gerd Heidemann selbst übernahm zwei Statistenrollen. In der britischen Fernsehserie Hitler zu verkaufen, die auf dem Sachbuch von Robert Harris basiert, wird Heidemann von Jonathan Pryce dargestellt.

Carin II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Januar 1973 kaufte Heidemann die Luxusyacht Carin II (damals Theresia), die früher Hermann Göring gehört hatte. Heidemann versuchte, sie mit erheblichem finanziellen Aufwand bei gleichzeitiger Modernisierung wieder in ihren ursprünglichen Bauzustand zu versetzen. Bis 1985 investierte Heidemann gut eine Million DM.

Auf ihr empfing er zahlreiche prominente Künstler, Politiker, Persönlichkeiten der Zeitgeschichte und Journalisten. Die letzten Gäste an Bord waren Anfang April 1981 Vertreter des Verlags Gruner + Jahr sowie der Ressortleiter des Stern für Zeitgeschichte, Thomas Walde. Hintergrund des Treffens war der Fund der angeblichen Hitler-Tagebücher und ihre geplante Veröffentlichung. Nach seiner Verurteilung war Heidemann finanziell nicht mehr in der Lage, die Yacht zu unterhalten. Sie wurde daher im August 1985 von der Deutschen Bank zwangsversteigert und für 270.000 DM an den ägyptischen Geschäftsmann Mustafa Karim verkauft.

Stasi-Beschuldigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurden im Nachrichtenmagazin Der Spiegel gegen Heidemann Vorwürfe erhoben, er sei unter dem Decknamen „Gerhard“ 33 Jahre lang Informant des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen.[4][7] Heidemann räumte ein, dass er 1953 von einem Stasi-Offizier angesprochen wurde, als er in Ost-Berlin ein Visum zu den Weltjugendfestspielen in Bukarest beantragte. Nach seiner Rückkehr in Hamburg habe er diesen Vorgang dort sofort dem Verfassungsschutz gemeldet. „Der Präsident des Landesamtes bat mich, die Verbindung zur Stasi zu halten. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde hinzugezogen sowie die Engländer“.[8]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Postlagernd Tampico – Die abenteuerliche Suche nach B. Traven. Blanvalet, München 1977, ISBN 3-7645-0591-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. jungemedienhamburg.wordpress.com: Gerd Heidemann der Spürhund / Ein ehemaliger Kriegs- und Starreporter beim Stern (Teil 3)
  2. Ulrich Schnappauf: „Wir wollten, dass es echt ist“. In: FAZ. 24. April 2008, S. 40, abgerufen am 17. Juni 2015.
  3. Ehemaliger Celler Chefärztin 12 Tötungen zur Last gelegt. In: Cellesche Zeitung. 2. Juni 2010, abgerufen am 17. Juni 2015.
  4. a b Klaus Brinkbäumer, Steffen Winter: Journalisten: Dann bist Du erledigt. In: Der Spiegel. Nr. 31, 2002, S. 78–83 (online).
  5. Gisela Sonneburg: Das schwarze Schaf im Wolfspelz. In: die tageszeitung. 7. Juni 2003, abgerufen am 17. Juni 2015.
  6. Onkel Konrads letzter Knüller. In: Berliner Morgenpost. 5. Juni 2003, abgerufen am 17. Juni 2015.
  7. Vgl. Michael Seuffert: Der Skandal um die Hitler-Tagebücher, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-502-15119-7, S. 307
  8. Andreas Förster: Wessen Spitzel war der Spitzel? Gerd Heidemann wehrt sich gegen Stasi-Vorwürfe. In: Berliner Zeitung. 21. August 2002, abgerufen am 17. Juni 2015.
  9. World Press Photo Archive

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]