Götz George

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George bei der Romyverleihung 2009 in Wien, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde

Götz George (* 23. Juli 1938 in Berlin; bürgerlich Götz Karl August Schulz[1]; † 19. Juni 2016 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler in Theater und Film. Große Popularität erlangte er in Deutschland vor allem ab den 1980er Jahren als Darsteller des Duisburger Kriminalkommissars Horst Schimanski in der Krimireihe Tatort, zu deren beliebtestem Kommissar er 2008 in einer Emnid-Umfrage gewählt wurde.[2] Bereits in den 1960er Jahren war er im Alter von Mitte zwanzig durch mehrere Nebenrollen als Sympathieträger in Karl-May-Verfilmungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, und mehrmals auf der Titelseite der auflagenstärksten westdeutschen Jugendzeitschrift Bravo abgebildet. In seiner späteren Karriere bewies George zunehmend eine darstellerische Vielseitigkeit. Er trat als Charakterschauspieler sowohl in tragischen (z.B: Der Totmacher, 1995) als auch in satirisch-komödiantischen Rollen (z.B. Schtonk!, 1992) auf und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 2013 stellte er im Fernsehfilm George seinen eigenen Vater, den Schauspieler Heinrich George dar.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Götz George als Horst Schimanski (2007)
George mit Janina Stopper während der Dreharbeiten zu Papa allein zu Haus (2009)
Grabstätte von Götz George auf dem Friedhof Zehlendorf

Götz George entstammte einer Schauspielerfamilie. Sein Vater Heinrich George war ein berühmter Film- und Theaterstar seiner Zeit, auch seine Mutter Berta Drews war eine bekannte Schauspielerin. Der Vater, der ihm den Vornamen in Anlehnung an dessen Lieblingsrolle Götz von Berlichingen gab, starb 1946 in dem von der Sowjetunion betriebenen Speziallager Sachsenhausen. Götz wuchs mit seinem älteren Bruder Jan (* 1931) bei der Mutter in Berlin auf, besuchte in Berlin-Lichterfelde die Berthold-Otto-Schule und später bis zur Mittleren Reife das Lyceum Alpinum im schweizerischen Zuoz. Jan George wurde Fotograf, Dokumentar- und Werbefilmer.[3]

Schauspielkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Bühnendebüt hatte Götz George 1950 in William Saroyans Mein Herz ist im Hochland am Berliner Hebbel-Theater. 1953 bekam der 15-jährige George neben Romy Schneider seine erste kleine Filmrolle in Wenn der weiße Flieder wieder blüht. Im selben Jahr spielte er erstmals, wie später noch oft, an der Seite seiner Mutter Berta Drews in Shakespeares Richard III. Von 1955 bis 1958 studierte er am Berliner UFA-Nachwuchsstudio bei Else Bongers. In dem DEFA-Film Alter Kahn und junge Liebe stand er 1956 das erste Mal in einer Hauptrolle vor der Kamera. Mit dem Film Jacqueline gelang George 1959 der Durchbruch bei Kritik und Publikum. Für seine Rolle wurde er mit dem Preis der deutschen Filmkritik und mit dem Deutschen Filmpreis (Bester Nachwuchsschauspieler) ausgezeichnet. Die entscheidende schauspielerische Ausbildung erhielt er in der Zeit von 1958 bis 1963. Auf den Rat seiner Mutter hin spielte er am Deutschen Theater in Göttingen unter der Leitung von Heinz Hilpert. Nach dessen Tod schloss er sich nie wieder einem festen Ensemble an, er stand aber regelmäßig bei Tourneen oder Gastspielen auf der Bühne.

In den 1960er Jahren spielte George in Filmen wie Kirmes und Herrenpartie. Einem breiten Publikum wurde er durch Filme der Karl-May-Reihe bekannt. Er begann sie 1962 mit der Rolle des Farmersohns Fred Engel in Der Schatz im Silbersee und erhielt im gleichen Jahr den Bambi als bester Nachwuchsschauspieler verliehen.[4] George absolvierte seine Stunts alle selbst, auch in seiner Hauptrolle als Sheriff in Sie nannten ihn Gringo.

In den 1970er Jahren spielte er vornehmlich Theater und wirkte in Fernsehproduktionen mit, darunter in vielen Folgen von Der Kommissar, Tatort, Derrick und Der Alte. Hansgünther Heyme verpflichtete ihn 1972 an das Kölner Schauspielhaus, wo er den Martin Luther in Dieter Fortes Martin Luther und Thomas Münzer spielte. Erst 1977 besetzte man ihn für Aus einem deutschen Leben wieder in einer Kinohauptrolle – als Franz Lang, eine Figur, die aus der Biografie des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß entwickelt wurde. 1988 stand er erneut bei der DEFA in Der Bruch gemeinsam mit Rolf Hoppe und Otto Sander vor der Kamera. Im Jahr 1978 spielte er in Die tätowierte Rose von Tennessee Williams an der Seite von Sonja Ziemann. 1981 hatte er die Titelrolle in Büchners Dantons Tod bei den Salzburger Festspielen. 1986/87 inszenierte George, zusammen mit Eberhard Feik und Helmut Stauss, Gogols Revisor. Mit Tschechows Platonov ging George 1990 letztmals auf Theater-Tournee.

Seinen größten Zuschauererfolg hatte George in den 1980er Jahren im Fernsehen: mit den Schimanski-Tatortfolgen des WDR, die von 1981 bis 1991 zu sehen waren. In dieser Rolle trat er 1990 auch in dem Fernseh-Kriminalfilm Unter Brüdern auf, dem einzigen Crossover der bundesdeutschen Krimireihe Tatort und der DDR-Krimireihe Polizeiruf 110.

In den 1990er Jahren spielte er in Der Sandmann den vermeintlichen Serienmörder und Literaten Henry Kupfer. In Die Bubi-Scholz-Story stellte George den gealterten, gebrochenen Boxer dar. In Der Totmacher war er der Serienmörder Fritz Haarmann, was ihm unter anderem den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Venedig und den letzten von vier Deutschen Filmpreisen einbrachte. In Nichts als die Wahrheit übernahm er – mit Hilfe einer Latexmaske optisch gealtert – die Rolle des NS-Arztes und Massenmörders Josef Mengele. Komödiantisch angelegt waren seine Rollen in mehreren Filmen von Helmut Dietl: als Hamburger Reporter Hermann Willié in Schtonk!, als Regisseur Uhu Zigeuner in Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief und als todkranker Bundeskanzler in Zettl.

Anlässlich seines Todes bezeichnete Michael Hanfeld ihn in einem Nachruf als schauspielerischen Tausendsassa:

„Tragödie, Komödie, Kammerspiel, Klassiker, Thriller, Action – George hatte sämtliche Genres drauf und in jedes und in jede Rolle begab er sich mit Haut und Haaren, näherte sich seinen Figuren mit jeder Faser in einer Weise an, die seinen Mitspielern, den Regisseuren und Produzenten, alles abverlangte.“

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

George war von 1966 bis 1976 mit der Schauspielerin Loni von Friedl verheiratet. Sie hatten sich 1962 bei ihrer Auszeichnung mit dem Bambi als beste Nachwuchsschauspieler und -spielerin kennengelernt.[4] Der Ehe entstammt die 1967 geborene Tochter Tanja George, die von 1991 bis 1995 bei einigen Kurzfilmen Regie führte.[6][7][8]

Seit 1998 lebte der Schauspieler mit der Hamburger Journalistin Marika Ullrich zusammen; das Paar heiratete 2014.[9] Seit 1986 war er Mitglied des TSV 1860 München.[10][11] Er hatte eine Villa in Berlin-Zehlendorf und eine Dachgeschosswohnung in Hamburg-St. Georg, weil seine Frau Marika aus der Hansestadt stammt. Er besaß auch im Nordosten Sardiniens ein Haus.[12]

Götz George starb am 19. Juni 2016 im Alter von 77 Jahren in Hamburg. Er wurde im engsten Familienkreis in seiner Geburtsstadt Berlin auf dem Friedhof Zehlendorf wenige Meter neben der Grabstelle seines Vaters beigesetzt.[13][14]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2010 engagierte sich Götz George für die Deutsche Krebshilfe sowie der Bekämpfung von Krebskrankheiten und wirkte unentgeltlich an dem Benefiz-Projekt „Rainer Wahnsinn“ mit.[15] Außerdem nahm er an einer Kampagne des Weißen Rings teil.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinofilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehfilme und Serien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Götz George (2001)
Stern von Götz George auf dem Boulevard der Stars in Berlin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Götz George: Das Leben, die Kunst und ein deutscher Mime. Gespräch, 7:49 Min., ttt – titel, thesen, temperamente, Erstsendung: 4. Mai 2008
  • Beckmann im Gespräch mit Götz George. NDR, Erstausstrahlung: 12. Mai 2008
  • Alles Gute, Götz George! Dokumentation, 45 Min., Erstausstrahlung: 23. Juli 2008
  • Nicht reden, machen – Eine Begegnung mit Götz George zum 70. Geburtstag. WDR, 45 Min., Buch und Regie: Marika Ullrich, Erstausstrahlung: 25. Juli 2008, Inhaltsangabe der ARD
  • Der will doch nur spielen – Götz George. WDR, 44 Min., Buch und Regie: Frank Bürgin, Erstsendung: 19. Juli 2013, Inhaltsangabe der ARD

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Götz George – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marc Hairapetian: Ungestühme Jugend. film-dienst, Nr. 15, 2003, 2003, abgerufen am 16. Dezember 2016.
  2. Tatort-Hitliste. Schimanski bleibt der Beste, Spiegel Online, 13. Mai 2008
  3. In: Nicht reden, machen – Eine Begegnung mit Götz George zum 70. Geburtstag. (Memento vom 22. Juli 2008 im Internet Archive)
    Dokumentation, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Marika Ullrich, Produktion: WDR, Erstausstrahlung: 25. Juli 2008
  4. a b bambi.de: BAMBIs Waldgeflüster
  5. Michael Hanfeld: Hart auf hart, in: FAZ.net vom 27. Juni 2016, abgerufen am 27. Juni 2016
  6. Tanja George - The Screen Guide - Screen Australia. In: screenaustralia.gov.au. Abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch).
  7. Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Götz George wird 65. In: Süddeutsche.de. Abgerufen am 26. Juni 2016.
  8. Late Night: Horst Schimanski bleibt bei Beckmann knallhart - DIE WELT. In: welt.de. Abgerufen am 28. Juni 2016.
  9. Götz George will nicht mehr: „Ich hab genug gestrampelt“. Hamburger Abendblatt online, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  10. Warum der TSV 1860 Götz George gratuliert In: TZ München, 23. Juli 2013, abgerufen am 26. Juni 2016.
  11. „Gong“-Notiz im Löwenbomber-Archiv. 13.8.1986 – Sardinien und 1860 Mark – Heckl spendierte zur Feier des Tages eine Runde Champagner.
  12. sueddeutsche.de: Götz George - Schatzl
  13. tagesspiegel.de: Götz George in Zehlendorf beerdigt - Nahe seinem Vater Heinrich George Artikel vom 12. Juli 2016
  14. knerger.de: Das Grab von Götz George mit Stein
  15. www.krebshilfe.de 27. April 2011