Gerd Reuther

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Gerd Reuther (* 1959 in Neuenmarkt-Hegnabrunn, Landkreis Kulmbach) ist ein deutscher Facharzt und Privatdozent für Radiologie. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine radikale Medizinkritik bekannt, die er vor allem in dem Spiegel-Bestseller Der betrogene Patient publizierte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am MGF-Gymnasium in Kulmbach studierte Reuther Medizin in Erlangen. Er war Leitender Arzt am Klinikum in Saalfeld, zuvor ebenfalls in leitender Stellung in Wiesbaden und Wien tätig sowie Privatdozent an der Universität Wien.[1] Er beendete seine Tätigkeit als Radiologe, auch aus Frustration über das, was er im Buch Der betrogene Patient beschrieben habe. „Ich bin aus dem Medizinbetrieb ausgestiegen, weil meine Zweifel zunehmend gewachsen sind und ich kein Erfüllungsgehilfe mehr für schlechte Medizin sein wollte“.[2]

Seit dem Frühjahr 2020 hat Reuther zahlreiche Artikel im Online-Magazin Rubicon veröffentlicht.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 wurde er mit dem Eugenie-und-Felix-Wachsmann-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft ausgezeichnet.[3]

Der betrogene Patient, 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Publikation mit dem Untertitel Ein Arzt deckt auf, warum Ihr Leben in Gefahr ist, wenn Sie sich medizinisch behandeln lassen, stellt er dar, „dass die Medizin häufig nicht auf das langfristige Wohlergehen der Kranken abzielt, sondern in erster Linie die Kasse der Kliniken und Praxen füllen soll. Eine bessere Medizin müsste mit einer anderen Vergütung medizinischer Dienstleistung beginnen und Geld dürfte nicht mehr über Leben und Tod bestimmen“ – so seine Forderung.[4]

Medizin arbeite ohne ausreichende Evidenz und genügend kritische Selbstkontrolle, nach dem Motto „Was wir verordnen, wirkt auch“ (Kapitel 1), Mediziner seien „Wissenschaftsgaukler“, die Studien wenn nötig „(er)finden“ würden. (Kapitel 2). Ärzte verweigerten die Aufklärung und Investigation von Kunstfehlern und durch die Behandlung induzierte Schäden (Kapitel 3). Sie seien Spezialisten im Verkauf von Medikamenten und Therapien, deren Nutzen fragwürdig sei, verzichteten dabei auch auf hilfreiche Maßnahmen, soweit sie keine Einnahmen generierten. Eine schlechte Therapie oder Übertherapie gelte dem medizinischen „Aktionismus“ als besser als keine; dabei würden die Ärzte zu Erfüllungsgehilfen der Medizinindustrie. Im „Hochrisikobereich Klinik“ sei die Gesundheit oft stärker gefährdet als außerhalb. Die Ärzte arbeiteten in „zynischen Dreiecksbeziehungen“, bei denen Geld in undurchsichtigen Kanälen fließe und Interessenkonflikte zu Ungunsten des Patienten gelöst würden. Im Kapitel 9 stellte Reuther eine Gegen-Medizin dar, die sich als Dienstleister der Patienten sieht. Zuletzt entwirft er ein „20-Punkte-Programm für eine Medizin ohne Verbrechen gegen die Gesundheit“.

Thomas Lempert vom Deutschen Ärzteblatt attestiert Reuther, er erkunde, wie das Patientenwohl immer wieder missachtet wird, er kritisiere "die aktuelle Überbetonung der Genetik bei der Krankheitsentstehung, während Umweltfaktoren aus dem Blick geraten, die viel besser geeignet sind, aktuelle Veränderungen der Krankheitshäufigkeiten zu erklären." An manchen Gegenthesen Reuthers dürfe der Leser zweifeln und sich selbst auf den investigativen Weg machen.[5]

Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin des DÄB empfiehlt das Buch für ein radikales Umdenken. Es wäre der Mühe wert, Reuthers Grundsätze einer Medizinreform zu beherzigen: „Man sollte das Buch getrost lesen, denn es gibt noch zu viele Kolleginnen und Kollegen, die sich mit diesem Buch unabhängig von der Pharmaindustrie informieren könnten – dies gilt natürlich auch für die Gesundheitspolitik.[6]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reuther lebt in Coburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der betrogene Patient. Riva Verlag, Münchner Verlagsgruppe GmbH München, 2017. ISBN 978-3-7423-0071-3
  • Die Kunst, möglichst lange zu leben. Ein Arzt verrät, worauf es wirklich ankommt, Riva Verlag, Münchner Verlagsgruppe GmbH München, 2018 ISBN 978-3-7423-0633-3
  • Heilung Nebensache. Eine kritische Geschichte der europäischen Medizin von Hippokrates bis Corona, Riva Verlag, Münchner Verlagsgruppe GmbH München, 2021 ISBN 978-3742317766

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interview mit dem SWR1 Baden-Württemberg, Di, 9. April 2019

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FOCUS Online: Mediziner klagt an: Ärzte sind mittlerweile die häufigste Todesursache. Abgerufen am 23. August 2020.
  2. Fragwürdige Medikamente und überflüssige Eingriffe. 6. April 2017, abgerufen am 23. August 2020.
  3. Felix-Wachsmann-Preis | Akademie für Fort- und Weiterbildung in der Radiologie. Abgerufen am 23. August 2020.
  4. Reuther, Gerd (Radiologe. Rechnet nach 30 Jahren als Arzt mit seinem Berufsstand ab) | Programm | SWR1 Baden-Württemberg. (PDF) 4. April 2019, abgerufen am 23. August 2020.
  5. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Wissenschaft: Radikale Medizinkritik. 7. April 2017, abgerufen am 23. August 2020.
  6. https://www.aerztinnenbund.de/downloads/5/Aerztin02.2017.S23.pdf