Rubikon (Website)

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Rubikon
„Magazin für die kritische Masse“
Politisches Blog mit Inhalten auf der Basis von Verschwörungstheorien
Sprachen deutsch
Betreiber Initiative zur Demokratisierung der Meinungsbildung gGmbH
Redaktion Jens Wernicke
Online 2017
(aktualisiert 18. Feb. 2021)
https://www.rubikon.news/

Rubikon ist ein seit 2017 bestehendes und im Stil eines Internetblogs gehaltenes Onlinemagazin. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit aktuellem politischen Geschehen, das zum Teil in Form von Verschwörungstheorien kommentiert wird. Besitzer, Herausgeber und Chefredakteur ist Jens Wernicke.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubikon wird von einer gemeinnützigen GmbH mit dem Namen Initiative zur Demokratisierung der Meinungsbildung und mit Sitz in Mainz betrieben. Die Website wird durch Spenden finanziert.[1] Alle Gesellschaftsanteile befinden sich im Alleinbesitz des Chefredakteurs, des Kulturwissenschaftlers Jens Wernicke, der zugleich alleiniger Geschäftsführer ist.[2] Wernicke war zuvor bei den NachDenkSeiten aktiv und ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Daniele Ganser.[3]

Im Beirat von Wernickes Website sitzen u. a. Daniele Ganser, Matthias Burchardt, Arnulf Rating, Jean Ziegler und Daniela Dahn.[3][1]

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Eigenangabe sieht sich Rubikon als politische Bewegung und als Magazin der „kritischen Masse“, die erforderlich sei, um tatsächliche Veränderungen herbeizuführen. Man möchte die „herrschenden Zustände analysieren und kritisieren“, da dies „Bedingung für eine erfolgreiche Verbesserung der Weltverhältnisse“ sei.[4] Man wolle dem Mainstream Antithesen gegenüberstellen, etwa gegen die angeblich zu wohlwollende Wahrnehmung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron als „sozialliberalen Politikers“. Ebenso greift Rubikon die Verteidigung der Central European University in Budapest an, die überwiegend dem Einfluss des „global agierenden Kapitalisten“ George Soros diene, gegen die sich Ungarns autokratischer Machthaber Viktor Orbán „zu wehren“ versuche.[5]

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Juni 2020 veröffentlichten mehr als 600 Menschen, davon rund 80 Prozent Männer, in Rubikon, darunter Konstantin Wecker (Musiker), Christoph Butterwegge (Politologe), Elias Davidsson (Komponist), Ivan Rodinov (Leiter von RT Deutsch) und Gabriele Krone-Schmalz (Publizistin).[1]

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie konzentrierte sich die Website auf dieses Themenfeld. Rubikon druckte 2020 eine lange Rechtfertigung von Anselm Lenz für seine Hygienedemos während der Corona-Pandemie. Jens Wernicke selbst sprach in einem Artikel vom 29. April 2020 von „Desinformation“ und der „relativen Gefahrlosigkeit des Erregers“. Dieser Text zeige beispielhaft, „dass ‚Rubikon‘ gerne unabhängig von seriösen Quellen durch die Gegend schippert“, so Holland-Letz. Im Text wird auf das Schweizer Webangebot Swiss Policy Research (SPR) verlinkt, das sich jedoch lediglich auf nicht näher quantifizierte Augenzeugenberichte aus Italien berief.[1]

Rubikon-Chef Wernicke verkündete am 29. April 2020, er habe gegen die rheinland-pfälzische Pandemie-Notstandsverordnung Klage eingereicht. Es handele sich um ein „menschenverachtendes und verfassungswidriges Notstands-Regime“; er verwies auf den Mediziner Bodo Schiffmann, nach dem eine „neue Monarchie“ im Entstehen sei.[1]

Zusammenarbeit mit Ken Jebsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Texte des Rubikon-Chefredakteurs Jens Wernicke werden auf Ken Jebsens Website KenFM weiterverbreitet. Als das Neue Deutschland 2017 schriftlich einige Fragen an Jebsen richtete, antwortete dieser nicht, sondern gab sie an Rubikon weiter. Entgegen journalistischen Standards wurden sie dort veröffentlicht und mit abfälligen Kommentaren versehen.[6]

Rezeption der Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amerikanist Michael Butter reiht Rubikon ein in die alternativen Medien wie KenFM, Telepolis oder NachDenkSeiten, die alle eine Gegenöffentlichkeit zu den traditionellen Qualitätsmedien und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bilden würden. Sie bedienten Verschwörungstheorien wie die von der „Lügenpresse“ und verkauften diese als seriöse Nachrichten.[7]

Journalistische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Rubikon 2017 drei Monate am Start war, befand die Journalistin Christiane Enkeler gegenüber dem Deutschlandfunk, das Magazin stelle sich „sehr heterogen“ dar. Gut gelinge das kritische Analysieren von Leitmedien. Insgesamt befinde sich Rubikon noch in der Entwicklung.[8]

Laut einer Analyse von Matthias Holland-Letz in Übermedien sind unter den Veröffentlichungen „überaus lesenswerte Texte“ gewesen. Das Bild vom seriösen Online-Magazin zerbrösele jedoch bei genauerem Hinschauen. „Der Tenor vieler Beiträge: Gegen die USA, gegen Israel, für Russland, gegen Waffenexporte, gegen Angela Merkel.“[1]

Simon Hurtz bezeichnete die Website in der Süddeutschen Zeitung 2020 als „Querfront-Magazin“.[9] Roger Schawinski nennt es in seinem Buch über Verschwörungstheorien ein „Internetportal mit Verschwörungstheoretiker-Groove“.[10]

Während der COVID-19-Pandemie wurde Rubikon zu einer Plattform der Verschwörungsszene in Berlin, die die Gefährlichkeit des Virus negiert.[11] Der Spiegel nannte Rubikon „eine Art Hausmedium der Protestler“ um Anselm Lenz, in dem „immer wieder verschwörungsideologische Beiträge“ veröffentlicht würden. Im Beirat säßen „auch Journalisten, die für Weltnetz.tv und RT Deutsch“ arbeiteten. Die Plattform suche „Kontakt zu Fake-News-Verbreitern wie Ken Jebsen, der mit seinem YouTube-Kanal KenFM momentan massiv von der Coronakrise“ profitiere.[12] Im November 2020 löschte Youtube Rubikons Kanal aufgrund von Verstößen gegen die YouTube-Community-Richtlinien zu medizinischen Fehlinformationen über COVID-19.[13][14]

Laut dem Unternehmen NewsGuard, das Nachrichtenportale nach Desinformation und Vertrauenswürdigkeit bewertet, ist Rubikon eine Webseite, die hauptsächlich über deutsche Politik berichtet, dabei Narrative der russischen Regierung unterstützt und Verschwörungsmythen sowie falsche und irreführende Behauptungen veröffentlicht, unter anderem auch über das neuartige Coronavirus.[15]

Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuerdings (Stand: Juni 2021) gibt Rubikon auch Bücher heraus, zum Beispiel eines des Arztes und Politikers Wolfgang Wodarg über dessen Ansichten zur Corona-Pandemie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Matthias Holland-Letz: Online-Magazin „Rubikon“: Zweifel in der eigenen Echo-Kammer. In: Übermedien. 25. Juni 2020, abgerufen 18. Juli 2020.
  2. Amtsgericht Mainz Handelsregister HRB 47255, abgerufen am 18. Juli 2020 unter handelsregister.de
  3. a b belltower.news - Coronavirus-Querfront: Keine Abgrenzung nach rechtsaußen. 16. April 2020, abgerufen am 20. Februar 2021.
  4. Rubikon – Magazin für die kritische Masse: Selbstverständnis. Abgerufen am 21. Juni 2020.
  5. Schon entdeckt? Rubikon, Susanne Stracke-Neumann in M – Menschen Machen Medien vom 19. Juli 2017
  6. Matthias Holland-Letz: Annäherung an ein Internet-Phänomen. In: Neues Deutschland, 14. Dezember 2017.
  7. Michael Butter: Verschwörungs(theorie)panik. „Filter Clash“ zweier Öffentlichkeiten. In: Heiner Hastedt (Hrsg.): Deutungsmacht von Zeitdiagnosen. Interdisziplinäre Perspektiven. Transcript Verlag, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4592-7, S. 197–211, hier S. 205 (abgerufen über De Gruyter Online).
  8. Das Magazin „Rubikon“. Journalistischer Grenzgänger. Christiane Enkeler im Gespräch mit Antje Allroggen, Deutschlandfunk, 6. Juli 2017
  9. Simon Hurtz: Falsch, aber faszinierend. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 21. Juni 2020.
  10. Roger Schawinski: Verschwörung! Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt. NZZ Libro, Zürich 2018, S. 50 f.
  11. Erik Peter: Corona und Verschwörungstheoretiker. Mit Grundgesetz gegen den Verstand. In: taz.de, 31. März 2020, abgerufen am 30. Juni 2020.
  12. Maik Baumgärtner, Felix Bohr, Roman Höfner, Timo Lehmann, Ann-Katrin Müller, Sven Röbel, Marcel Rosenbach, Jonas Schaible, Wolf Wiedmann-Schmidt, Steffen Winter: Sturm der Lügen. In: Der Spiegel. 8. Mai 2020, abgerufen am 29. Juni 2020 (Paywall).
  13. Kai Schmerer: COVID-19: Youtube sperrt zahlreiche Videos und Konten von Regierungskritikern. In: ZDnet.de, 28. November 2020.
  14. Richtlinie zu medizinischen Fehlinformationen über COVID-19. In: YouTube, abgerufen am 28. Januar 2021.
  15. rubikon.news. In: NewsGuard, Oktober 2020, abgerufen am 16. März 2021 (Archiv).