Rubikon (Website)

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Rubikon ist ein seit 2017 bestehendes und im Stil eines Internetblogs gehaltenes Onlinemagazin. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit aktuellem politischen Geschehen, das zum Teil in Form von Verschwörungstheorien kommentiert wird. Chefredakteur ist Jens Wernicke.

Wirtschaftliche und rechtliche Grundlage

Rubikon wird von einer gemeinnützigen GmbH mit dem Namen Initiative zur Demokratisierung der Meinungsbildung und mit Sitz in Mainz betrieben. Die Website wird durch Spenden finanziert.[1] Alle Gesellschaftsanteile befinden sich im Alleinbesitz von Chefredakteur Wernicke, der zugleich auch alleiniger Geschäftsführer ist.[2] Der Publizist Wolf Wetzel, der bei Rubikon von der Gründung bis zu seinem Ausstieg 2018 mitschrieb, kritisierte an dieser Konstruktion, dass sie von „einer klaren Hierarchie“ gestimmt sei: „Gesellschafter, Herausgeber, Geschäftsführer, Chefredakteur. Von »unten« gibt es kein Durchkommen, kein Gegengewicht, keine Form der »Gewaltenteilung«, keine Möglichkeit, den Kurs zu beeinflussen. Das Ganze hängt folglich ganz vom Goodwill des Herausgebers und Geschäftsführers ab, der sich gleichzeitig den Posten des Chefredakteurs zugedacht hat“. Auch über das Redaktionsstatut sei kein wirksamer Einfluss möglich.[3]

Selbstverständnis

Nach Eigenangabe sieht sich Rubikon als politische Bewegung und als Magazin der „kritischen Masse“, die erforderlich sei, um tatsächliche Veränderungen herbeizuführen. Man möchte die „herrschenden Zustände analysieren und kritisieren“, da dies „Bedingung für eine erfolgreiche Verbesserung der Weltverhältnisse“ sei.[4] Man wolle dem Mainstream Antithesen gegenüberstellen, etwa gegen die angeblich zu wohlwollende Wahrnehmung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron als „sozialliberalem Politiker“. Ebenso greift „Rubikon“ die Verteidigung der Central European University in Budapest an, die überwiegend dem Einfluss des „global agierenden Kapitalisten“ George Soros diene, gegen die sich Ungarns autokratischer Machthaber Viktor Orbán „zu wehren“ versuche.[5]

Rezeption der Inhalte

Wissenschaftliche Einordnung

Der Amerikanist Michael Butter reiht Rubikon ein in die alternativen Medien wie KenFM, Telepolis oder NachDenkSeiten, die alle eine Gegenöffentlichkeit zu den traditionellen Qualitätsmedien und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bilden würden. Sie bedienten Verschwörungstheorien wie die von der „Lügenpresse“ und verkauften diese als seriöse Nachrichten.[6]

Journalistische Rezeption

Als die Seite 2017 drei Monate am Start war, befand die Journalistin Christiane Enkeler gegenüber dem Deutschlandfunk, das Magazin stelle sich „sehr heterogen“ dar. Gut gelinge das kritische Analysieren von Leitmedien. Insgesamt befinde sich Rubikon noch in der Entwicklung.[7]

Laut einer Analyse von Matthias Holland-Letz in Übermedien hatten von 2017 bis Juni 2020 rund 600 Personen in Rubikon veröffentlicht, davon rund 80 Prozent Männer. Darunter seien auch „überaus lesenswerte Texte“ gewesen. Das Bild vom seriösen Online-Magazin würde jedoch zerbröseln, wenn man genauer hinschaut. „Der Tenor vieler Beiträge: Gegen die USA, gegen Israel, für Russland, gegen Waffenexporte, gegen Angela Merkel.“[1]

Simon Hurtz bezeichnete die Webseite in der Süddeutschen Zeitung 2020 als „Querfront-Magazin“.[8] Roger Schawinski nennt es ein „Internetportal mit Verschwörungstheoretiker-Groove“.[9]

Während der COVID-19-Pandemie wurde Rubikon zu einer Plattform der Verschwörungsszene in Berlin, die die Gefährlichkeit des Virus negiert.[10] Der Spiegel nannte Rubikon „eine Art Hausmedium der Protestler“ um Anselm Lenz, in dem „immer wieder verschwörungsideologische Beiträge“ veröffentlicht würden. Im Beirat säßen „auch Journalisten, die für Weltnetz.tv und RT Deutsch“ arbeiteten. Die Plattform suche „Kontakt zu Fake-News-Verbreitern wie Ken Jebsen, der mit seinem YouTube-Kanal KenFM momentan massiv von der Coronakrise“ profitiere.[11]

Zusammenarbeit mit Ken Jebsen

Texte des Rubikon Chefredakteurs Jens Wernicke werden auf Ken Jebsens Website KenFM weiterverbreitet. Als das Neue Deutschland 2017 schriftlich einige Fragen an Jebsen richtete, antwortete dieser nicht, sondern gab sie Rubikon weiter. Entgegen journalistischen Standards wurden sie dort veröffentlicht und mit abfälligen Kommentaren versehen.[12]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Matthias Holland-Letz: Online-Magazin „Rubikon“: Zweifel in der eigenen Echo-Kammer. In: Übermedien. 25. Juni 2020, abgerufen 18. Juli 2020.
  2. Amtsgericht Mainz Handelsregister HRB 47255, abgerufen am 18. Juli 2020 unter handelsregister.de
  3. Der Rubikon ist überschritten – in sieben Etappen, Wolf Wetzel in „Eyes Wide Shut“ vom 13. Februar 2018
  4. Rubikon – Magazin für die kritische Masse: Selbstverständnis. Abgerufen am 21. Juni 2020.
  5. Schon entdeckt? Rubikon, Susanne Stracke-Neumann in M – Menschen Machen Medien vom 19. Juli 2017
  6. Michael Butter: Verschwörungs(theorie)panik. „Filter Clash“ zweier Öffentlichkeiten. In: Heiner Hastedt (Hrsg.): Deutungsmacht von Zeitdiagnosen. Interdisziplinäre Perspektiven. Transcript Verlag, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4592-7, S. 197–211, hier S. 205 (abgerufen über De Gruyter Online).
  7. Das Magazin „Rubikon“. Journalistischer Grenzgänger. Christiane Enkeler im Gespräch mit Antje Allroggen, Deutschlandfunk, 6. Juli 2017
  8. Simon Hurtz: Falsch, aber faszinierend. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 21. Juni 2020.
  9. Roger Schawinski: Verschwörung! Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt. NZZ Libro, Zürich 2018, S. 50 f.
  10. Erik Peter: Corona und Verschwörungstheoretiker. Mit Grundgesetz gegen den Verstand. In: taz.de, 31. März 2020, abgerufen am 30. Juni 2020.
  11. Maik Baumgärtner, Felix Bohr, Roman Höfner, Timo Lehmann, Ann-Katrin Müller, Sven Röbel, Marcel Rosenbach, Jonas Schaible, Wolf Wiedmann-Schmidt, Steffen Winter: Sturm der Lügen. In: Der Spiegel. 8. Mai 2020, abgerufen am 29. Juni 2020 (Paywall).
  12. Matthias Holland-Letz: Annäherung an ein Internet-Phänomen. Neues Deutschland, 14. Dezember 2017.