Gerson Stern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stolpersteine in Kiedrich zum Gedenken an Gerson Stern und seine Familie

Gerson Stern (* 7. Juli 1874 in Holzminden; † 15. Januar 1956 in Jerusalem) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stern entstammte einer assimilierten jüdischen Kaufmannsfamilie. Er besuchte die Volksschule in Holzminden. 1884 zog die Familie nach Elberfeld, wo der Vater Teilhaber am Textilunternehmen seines Bruders wurde. Stern besuchte das Gymnasium in Elberfeld bis zur Mittleren Reife, danach war er zumeist kaufmännisch tätig.

1917 heiratete er Erna Schwarz (1894-1967) aus Metz, die Tochter eines wohlhabenden Kaufhausbesitzers. Von 1920 bis 1937 lebte Stern in Kiedrich/Rheingau. Dort kam auch sein einziges Kind, der Sohn Joel Stern (1920-1948), zur Welt. Ab 1936 bemühte sich Stern mit seiner Familie um eine Emigration nach Palästina. Nach zweimaliger Verhaftung wegen angeblicher Devisenvergehen und unter erheblichem Vermögensverlust gelang es ihm, im März 1939 Deutschland zu verlassen.

Stern gehörte in Jerusalem zum Freundeskreis um Schalom Ben-Chorin (1913-1999) und Else Lasker-Schüler (1869-1945), die er bereits in Elberfeld kannte. Sein Schwager war der bekannte israelische Botaniker Michael Evenari (ehm. Walter Schwarz; 1904-1989).

Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen wurden am 16. März 2010 zum Gedenken Sterns und seiner Familie vor dem ehemaligen Wohnhaus in Kiedrich drei Gedenksteine in Form von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig verlegt.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obgleich Stern seit seiner Jugend Gedichte schrieb, scheint er sich lange kaum um eine Veröffentlichung seiner literarischen Arbeiten bemüht zu haben. Erst als er aus Gesundheitsgründen seinen Kaufmannsberuf aufgeben musste, fand er 1934 als Erzähler unter jüdischen Lesern in Deutschland für einige Jahre eine breitere Öffentlichkeit. Sein Roman Weg ohne Ende ist ein bedeutender Beitrag zur lange übersehenen deutsch-jüdischen Literatur zwischen 1933 und 1939. Damals begann Stern, auch einige Lyrik zu veröffentlichen.

Sein Nachlass wird in der Jewish National and University Library in Jerusalem aufbewahrt.

Werke (Auswahl); Erstausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Symphonie. Gedichtfolge, ca. 1915; als chorische Aufführung, Darmstadt 1935
  • Das Ich im Lehnstuhl. Auch ein Totentanz. Eine Szenenfolge. 1920
  • Weg ohne Ende. Ein jüdischer Roman. Berlin 1934; wieder 1999 (siehe unten)
  • Auf drei Dingen steht die Welt. Berlin 1935; wieder 2003, s. u.
  • Stille Wege. Verse. Jerusalem 1945
  • Die Waage der Welt. Roman des Jahres 1932/1933 (hebr.: Mozne ha-'olam, Tel-Aviv 1947), wieder 2007, s. u.

Werkausgabe in Einzelbänden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1999 erscheint im Carl Böschen Verlag, Siegen eine Ausgabe der Werke Sterns, herausgegeben von Friedrich Voit, Günter Helmes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Fenzl: Gerson Stern. Kaufmann und Schriftsteller. Kiedricher Bürger von 1920 bis 1937. In: Rheingau Forum. Jg. 9, H. 3, 2000, S. 22–36
  • Klaus Kieckbusch: Der Schriftsteller Gerson Stern. In: Jahrbuch für den Landkreis Holzminden. Bd. 18 (2000), S. 131–152
  • Saskia Schreuder: Würde im Widerspruch. Jüdische Erzählliteratur im nationalsozialistischen Deutschland 1933–1938. Niemeyer, Tübingen 2002, IDN 965076520
  • Friedrich Voit: Deutsch-jüdische Literatur im Schatten der Shoa. Zum Werk des Schriftstellers und Dichters Gerson Stern 1874–1956. In: Günter Helmes et al.: Literatur und Leben. Anthropologische Aspekte in der Kultur der Moderne. Narr, Tübingen 2002, S. 257–270.
  • Friedrich Voit: Gerson Stern. Zum Leben und Werk des jüdisch-deutschen Schriftstellers 1874–1956. De Gruyter, Berlin 2013 ISBN 978-3-11-031567-7
  • Hans Behrens: Anpassung, Abwehr, Aufbruch. Deutsch-jüdische Literatur zwischen 1935 und 1947 am Beispiel der Erzähltexte "Auf drei Dingen steht die Welt" und "Die Waage der Welt". Igel, Hamburg 2017 ISBN 9783868157161

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Drei Stolpersteine erinnern an die jüdische Familie Stern Homepage des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen e.V.