Gideon Botsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gideon Botsch (* 1970 in Berlin) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er ist Privatdozent für Politikwissenschaft an der Universität Potsdam.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gideon Botsch studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und erwarb 1997 sein Diplom mit einer Arbeit zur Kontinuität nationalsozialistischer Europa-Konzepte im frühen Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Ab 1999 war er Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung. 2003 wurde er am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft mit der durch Peter Steinbach und Johannes Tuchel betreuten Dissertation „Politische Wissenschaft“ im Einsatz. Das Deutsche Auslandswissenschaftliche Institut und die Auslandswissenschaftliche Fakultät der Universität Berlin 1940–1945 zum Dr. phil. promoviert.[1]

2000 bis 2004 war er Lehrbeauftragter am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin und 2004/05 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz,[2] wo er eine neue Dauerausstellung mitgestaltete. Seit 2004 ist er Dozent am Touro College Berlin und seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, das der Universität Potsdam angegliedert ist, an der er auch als Lehrbeauftragter tätig wurde. 2007 wurde er Geschäftsführender Redakteur der Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte. Seit 2010 ist er Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung. 2012 legte er eine umfassende Gesamtdarstellung über die Geschichte der extremen Rechten in der Bundesrepublik vor.[3] 2014 folgte die Habilitation (Professur Heinz Kleger) und die Privatdozentur für Politikwissenschaft an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Seit 2015 ist er überdies Koordination des Ludwig Rosenberg Kollegs „Historische Bezüge zwischen Arbeiterbewegung und Judentum“ des MMZ und der Hans-Böckler-Stiftung.

In einem von zwei Berliner SPD-Kreisverbänden in Auftrag gegebenen Gutachten[4] über Thilo Sarrazins Interview in Lettre International bezeichnete Botsch 2009 Teile von Sarrazins Äußerungen als „rassistisch, elitär und herabwürdigend“.[5] Das Landesschiedsgericht der Berliner SPD entschied jedoch, Sarrazin habe sich nicht rassistisch geäußert; er wurde deshalb nicht aus der Partei ausgeschlossen.[6]

Botsch ist Mitglied in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW), in der Gesellschaft für Geistesgeschichte (GGG) und im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHHD).

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rezension „Politische Wissenschaft“… von Uwe Ullrich, pdf; Rezension online bei Shoa.de
  2. http://www.ghwk.de/newsletter/juli2005/artikel-juli2005.htm
  3. Rezension von Lars Legath: Gideon Botsch: Die extreme Rechte in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis heute, in: Sehepunkte, Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften, Ausgabe 12/2012, Nr. 7/8
  4. Dr. Gideon Botsch: Gutachten vom 22. Dezember 2009 (PDF; 299 kB)
  5. Gutachten zu Thilo Sarrazin "Rassistisch, elitär und herabwürdigend" Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 2010. Abgerufen am 27.September 2012
  6. Martin Klesmann: Schiedsgericht stellt Verfahren ein - ohne Rüge: Die SPD will Sarrazin weiter aushalten. In: Berliner Zeitung. 16. März 2010, abgerufen am 20. September 2015.