Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft

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Die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW, bis Ende 2016 Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft) wurde 1951 gegründet. Sie hat die Rechtsform eines nicht rechtsfähigen Vereins.[1] Die DVPW ist ein wissenschaftlicher Fachverband von Politologen, die in Forschung und Lehre tätig sind. Die Vereinigung hat das Ziel, die Weiterentwicklung der Politikwissenschaft zu fördern. Von 2003 bis 2012 vergab sie alle drei Jahre den Theodor-Eschenburg-Preis. 1983 kam es zur Spaltung der Organisation, welche die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft nach sich zog.[2][3] Im September 2015 hatte die DVPW 1790 Mitglieder.[4]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorsitzende der DVPW ist von 2016 bis 2018 Ferdinand Müller-Rommel,[5] (Leuphana Universität Lüneburg) der Geschäftsführer ist Felix W. Wurm (Stand 2017). Sitz der Gesellschaft ist gemäß § 11 der Satzung Berlin; ihre Geschäftsstelle hat ihren Sitz am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück.

Ordentliches Mitglied kann werden, wer lehrend, forschend, publizistisch oder sonst im öffentlichen Leben für die Politische Wissenschaft wirkt. Voraussetzung ist neben einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Nachweis einer wissenschaftlichen Publikation (exklusive grauer Literatur). Im Jahr 2014 hatte die DVPW mehr als 1.700 ordentliche Mitglieder.[6]

Der Verein ist in zehn Sektionen untergliedert:

Neben den Sektionen gibt es mit Stand September 2015 28 Arbeitskreise und sieben „Themengruppen“.[7]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kongresse und Tagungen

Alle drei Jahre organisiert die DVPW einen großen wissenschaftlichen Kongress. Der letzte Kongress zum Thema Vorsicht Sicherheit. Legitimationsprobeme der Ordnung von Freiheit fand vom 21. bis 25. September 2015 in Duisburg statt.[8] Die Sektionen, Arbeitskreise und Ad-hoc-Gruppen treffen sich in der Regel ein bis zwei Mal im Jahr zu kleineren Tagungen. Außerdem veranstalten die drei wissenschaftlichen Fachverbände für Politikwissenschaft DVPW, ÖGPW und SVPW seit 1996 regelmäßig gemeinsame "Drei-Länder-Tagungen".

Publikationen

Zu den Publikationen der DVPW gehört die Fachzeitschrift Politische Vierteljahresschrift (PVS) und der DVPW-Rundbrief, der 2015 eingestellt wurde und von Nr. 125 (2001) bis Nr. 153 (2015) auf der Homepage elektronisch verfügbar ist.[9]

Theodor-Eschenburg-Preis

Von 2003 bis 2012 verlieh die DVPW alle drei Jahre den Theodor-Eschenburg-Preis an Politikwissenschaftler für ihr Lebenswerk.[10] Die Preisverleihung fand im Rahmen ihres großen wissenschaftlichen Kongresses statt. Namensgeber war Theodor Eschenburg, einer der Gründungsväter der bundesrepublikanischen Politikwissenschaft. Auf dem DVPW-Kongress im September 2012 wurde angesichts von Archivfunden, die Eschenburgs Verstrickung in das NS-Regime aufzeigten, diskutiert, ob der Preis nicht unbenannt werden sollte.[11] Die DVPW hatte in diesem Zusammenhang die Erstellung eines entsprechenden Gutachtens bei einer Mitarbeiterin des DVPW-Vorsitzenden in Auftrag gegeben.[12] Am 26. Oktober 2013 beschloss die DPVV, den Preis nicht mehr zu verleihen.[13]

Preisträger:

Nachwuchspreis der DVPW

Die DVPW vergibt seit 2002 jährlich einen zurzeit mit 1000 € dotierten Nachwuchspreis für die beste im Vorjahr veröffentlichte politikwissenschaftliche Dissertation.[14] Die ausgezeichneten Arbeiten werden mit einer Laudatio in der Politischen Vierteljahresschrift gewürdigt. Zu den Preisträgern gehörten Timm Beichelt, Ulrich Schneckener, Nathalie Behnke, Nicole Deitelhoff und Thorsten Faas.

Frauen in der DVPW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Frauenanteil in der DVPW lange Zeit sehr gering war, veränderte sich dies mit steigendem Frauenanteil in der politikwissenschaftlichen Ausbildung seit etwa 1990 langsam. So waren Ende 2008 ca. 26 % aller Mitglieder der Vereinigung Frauen, im September 2015 lag die Quote bei 30,05 %.[15] Diese Zahlen stehen jedoch im Missverhältnis zu dem Anteil der Frauen an den Diplom- und Masterabschlüssen in dieser Disziplin, der 2007 schon bei gut 47 % lag.

Zudem sind unter den vertretenden Frauen weit weniger Professorinnen und Privatdozentinnen auszumachen als unter den Männern. Dies liegt vor allem daran, dass die weiblichen Mitglieder der DVPW erheblich jünger als die männlichen sind, wodurch weitere wissenschaftliche Karriereschritte wie die Habilitation noch nicht durchlaufen wurden.

Es ist für Frauen – und Männer – jedoch nur dann sinnvoll, Mitglied der DVPW zu werden, wenn sie politikwissenschaftlich arbeiten. Deshalb wird darauf hingewiesen, dass es besonders wichtig ist, die Geschlechterzusammensetzung des wissenschaftlichen Personals in den politikwissenschaftlichen Instituten dem der Studierenden anzugleichen und die Promotions- und Habilitationquote der Frauen erneut zu steigern. Der DVPW weist scheinbar eine geringe Attraktivität für junge Wissenschaftlerinnen auf; obgleich die Nachwuchsförderung der Vereinigung engagiert betrieben wird, fällt die Frauenförderung eher bescheiden aus. So wird immer wieder vorgeschlagen, dass gezielt Workshops für Nachwuchswissenschaftlerinnen angeboten, die direkte Betreuung von weiblichen Doktorandinnen und der engere Austausch zwischen Doktorandinnen gefördert werden sollten.[16]

Der Arbeitskreis „Politik und Geschlecht“ entstand 1991. Eine Gruppe von Politologinnen ergriff damals die Initiative, eine Vernetzung zwischen politikwissenschaftlich und politisch arbeitenden Frauen in Wissenschaft, politischen Verbänden, Institutionen und Projekten aufzubauen. Kontakte und Austausch zwischen Hochschulfrauen und nicht-institutionell verankerten Frauen- und Geschlechterforscherinnen sowie mit der theoretischen und praktischen Arbeit von Frauenprojekten waren bis dahin selten. Der Arbeitskreis steht in engem Kontakt zum „Netzwerk politikwissenschaftlich und politisch arbeitender Frauen“, zur femina politica. Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft und zum „Ständigen Ausschuss für Fragen der Frauenförderung“ (StAFF) der DVPW.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung. Abgerufen am 4. Januar 2014.
  2. Wilhelm Bleek: Geschichte der Politikwissenschaft in Deutschland. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47173-0, S. 363.
  3. Tobias Bartels: Eine Disziplin – zwei Fachgesellschaften!? Ursachen und Hintergründe des Verhältnisses von DVPW und DGfP. In: Wilhelm Knelangen, Tine Stein (Hg.): Kontinuität und Kontroverse. Die Geschichte der Politikwissenschaft an der Universität Kiel. Klartext Verlag, Essen 2013, S. 481–519, ISBN 978-3-8375-0763-8.
  4. Rundbrief 153 der DVPW, abgerufen am 12. November 2015
  5. http://www.dvpw.de/
  6. Ziele. Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  7. Rundbrief 153 der DVPW, abgerufen am 12. November 2015
  8. Vgl.: Hartwig Hummel/Wilhelm Knelangen: Vorsicht Sicherheit. Legitimationsprobleme der Ordnung von Freiheit. Bericht vom 26. Wissenschaftlichen Kongress der DVPW an der Universität Duisburg-Essen, 21.-25. September 2015, in: PVS, 57. Jg., Heft 1 2016, S. 1–10.
  9. DVPW-Rundbriefe
  10. Bericht zur Entwicklung der Situation von Frauen in der DVPW 2003–2005, S12 (PDF; 130 kB)
  11. Bericht über die den DVPW-Kongress 2012
  12. https://www.dvpw.de/fileadmin/docs/Kongress2012/Paperroom/Eschenburg-Gutachten.pdf Gutachten zu Theodor Eschenburg als pdf-Datei, abgerufen am 28. September 2012
  13. Pressemitteilung der DVPW vom 27. Oktober 2013, eingesehen am 28. Oktober 2013
  14. http://www.dvpw.de/
  15. Rundbrief 153 der DVPW, abgerufen am 12. November 2015
  16. Helga Ostendorf, 2009, Politikwissenschaftlerinnen – Auf Dauer in der Minderheit? (PDF-Datei; 154 kB),in: gender politik online abgefragt am 26. August 2009.
  17. Arbeitskreis für Politik und Geschlecht des DVPW: Der Arbeitskreis. Abgerufen am 2. Juli 2012.