Lettre International

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Lettre International
Lettre Logo.jpg
Beschreibung Kulturzeitschrift
Verlag Lettre International Verlagsgesellschaft mbH
Erstausgabe 26. Mai 1988
Erscheinungsweise vierteljährlich
Verkaufte Auflage 16.000–23.000 Exemplare
Chefredakteur Frank Berberich
Weblink lettre.de
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ISSN 0945-5167Vorlage:Infobox Publikation/Unspezifische ISSN-Angabe

Lettre International ist die von Frank Berberich als Kulturzeitschrift seit Mai 1988 in Berlin herausgegebene deutsche Ausgabe der 1984 in Paris von Antonin J. Liehm gegründeten, französischen Publikation Lettre Internationale.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ausgabe der deutschen Lettre International wurde am 26. Mai 1988 in West-Berlin auf dem internationalen Schriftstellerkongress Ein Traum von Europa vorgestellt. Seither erscheint die Zeitschrift vierteljährlich mit einer Auflage von 23.000 Exemplaren, bei Sonderausgaben und Themenheften mit bis zu 33.000 Exemplaren.

Als Chefredakteure waren bis zum Herbst 2003 (Heft 62) Frank Berberich und Antonin J. Liehm gemeinsam tätig. Seither ist Berberich alleiniger Chefredakteur und auch Geschäftsführer der Verlags GmbH. Für die ersten zwölf Ausgaben, bis zum Frühjahr 1991, lagen „Werbung und Beratung“ in den Händen der Düsseldorfer Werbe- und Projektagentur von Michael Schirner.[1]

Die Zeitschrift ist zu 100 % Eigentum der Lettre International Verlagsgesellschaft mbH und erscheint im Eigenverlag.[2]

Das Lettre-Netzwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der vierteljährlich erscheinenden Publikation war es, ein Forum für den intellektuellen Austausch zu schaffen, das es erlaubte, wichtige Texte und relevante Themen mittels eines sprach-, grenz- und kulturüberschreitenden Forums einem internationalen Publikum zugänglich zu machen.[3]

Ein wichtiges Thema der Zeitschrift war von Beginn an die des geteilten Europas und des intellektuellen Austauschs über die politischen Grenzen des Kontinents hinweg. Schriftsteller und Intellektuelle aus den Ländern östlich des „Eisernen Vorhangs“, darunter auch zahlreiche Dissidenten und Emigranten, zählten zu den regelmäßigen Mitarbeitern.

Der internationalen Konzeption der Zeitschrift entsprechend wurde 1985 in Rom eine italienische Ausgabe, Lettera Internazionale, gegründet,[4] 1986 folgte in Madrid eine spanische Ausgabe, Letra Internacional.[5] 1988 folgte die deutsche Ausgabe. Die verschiedenen finanziell und organisatorisch unabhängigen Ausgaben arbeiteten in enger Kooperation, aber mit redaktioneller Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Die vier vor 1989 erscheinenden Ausgaben, darunter auch die deutsche, veröffentlichten Analysen zu den Umwälzungen in Europa. Nach dem Ende der Teilung Europas erschienen landessprachliche Ausgaben von Lettre International in der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Russland, Kroatien, Serbien und Mazedonien. Viele dieser Ausgaben wurden aus finanziellen Gründen wieder eingestellt. Neben der deutschen erscheinen 2010 noch die italienische, die rumänische,[6] die spanische und die ungarische Ausgabe regelmäßig.[7] Eine russische Ausgabe[8] gibt es ausschließlich online.

Die deutsche Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Lettre-Mobil“ bei einer Promotion-Kampagne 2009

Die deutsche Ausgabe von Lettre International wurde von Frank Berberich mit einer Anschubfinanzierung der durch ihn mitbegründeten taz ins Leben gerufen.[9]

Auf der Basis des von allen Lettre-Ausgaben geteilten Grundverständnisses entwickelte die deutsche Ausgabe neue konzeptionelle Komponenten und ein eigenständiges Profil. Jede Ausgabe wird in Anlehnung an André Bretons berühmte surrealistische Zeitschrift Minotaure (1933 bis 1939 in Paris) eigens von einem bildenden Künstler gestaltet, die erste Ausgabe von Jörg Immendorff.[10] Auch Reportage-Fotografie ist wichtiger visueller Bestandteil des Heftes.

Die in Lettre International veröffentlichten Beiträge sind überwiegend deutsche Erstveröffentlichungen; etwa 80 Prozent werden aus anderen Sprachen übersetzt. Viele Texte sind bereits in Zeitschriften wie The New York Review of Books, London Review of Books, Esprit (Zeitschrift), New Left Review oder Granta erschienen, als Buch auf englisch bezw. französisch verfügbar oder sie kursieren neuerdings schon seit geraumer Zeit im Internet. So war beispielsweise in der Ausgabe 98 im Herbst 2012 entgegen der in der Verlagswerbung stets behaupteten und hervorgehobenen „Exklusivität“ ein Aufsatz von Hans Kühner Zerschlagt alles Alte in weiten Teilen zuvor in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. [11] Bernard Sèves Essay Mächte der Musik stand in der Originalfassung Pouvoir de la musique im Januar 2003 in der französischen Esprit (Zeitschrift).[12] Selbst bei dem zentralen Text Das Schicksal des modernen Griechenland handelte es sich nur um eine Publikation von Esprit aus dem Jahr 1954.[13] Der Herr der Drohnen von Heathcote Williams war im Internet verfügbar als Lord of Drones.[14] Die Betrachtung von Victoria Newhouse über Architektur von Opernhäusern stammte aus Site and Sound, einer Buchveröffentlichung der Autorin im April 2014.[15]

Weltpolitik und Geschichte, Philosophie und Religion, Literatur und Theater, Film und Oper, Musik und Kunst, Wissenschaft und Forschung, Psychoanalyse und Ethnologie, Ökologie oder Ökonomie gehören ebenso zu den Themen von Lettre International wie Architektur, Astronomie, Sport, Natur, Medien, Erotik, Netzkultur oder life style.

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentlich lehnte der Herausgeber staatliche Subventionen oder finanzielle Förderung ab. Die Subventionierung des Konkurrenzblattes Volltext durch den Deutschen Literaturfonds attackierte Berberich in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung 2006 als „‚unlauteren Wettbewerb durch Marktstörung“. Der Geschäftsführer von Lettre International forderte stattdessen die „Offenlegung“, etwa von „Honorarabrechnungen“.[16] Lettre International allerdings wurde für den Jahrgang 1991 sowie mit zwei Ausgaben 2014 vom Deutschen Literaturfonds gefördert. Weder über die Höhe dieser Subvention noch darüber, ob die Gelder – wie vom Literaturfonds intendiert – direkt den Übersetzern zugutekamen, gab der Herausgeber Auskunft.[17][18]

Große Aufmerksamkeit bescherte der Zeitschrift das in der Sonderausgabe platzierte Interview mit Thilo Sarrazin Interview aufgrund der „Sensationalisierung und Skandalisierung“.[19] Patrick Bahners, damals Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeine Zeitung, monierte, dass der „Bevölkerungspolitiker Sarrazin“ im Lettre-Interview unwidersprochen auf „das angeblich unbestrittene Wissen der Wissenschaft über die Vererbung der Intelligenz und die Verdummung der Großstädte“ verweisen konnte: „Berlin soll sich, wie Sarrazin seinem Interviewer Frank Berberich allen Ernstes erklärte, durch Abdrängung der Nichtintegrierten sanieren. ‚Die Schulen müssen von unten nach oben anders gestaltet werden. Dazu gehört, den Nichtleistungsträgern zu vermitteln, dass sie ebenso gerne woanders nichts leisten sollten.‘“[20] Der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani kam zu dem Schluss, die Kulturzeitschrift habe „mit ihrem vollständig widerspruchsfreien Interview“ einem Wirtschaftsexperten ein Forum gegeben, dessen Äußerungen sich als „wahre Fundgrube für die politische Arbeit der national-identitären Rechten“ entpuppten. Dadurch habe Lettre International „für die Popularisierung des völkischen Nationalismus, dem Uwe Mundlos anhing, mehr bewirkt als der Nationalsozialistische Untergrund“. [21]

Lettre Ulysses Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zusammenarbeit mit der Aventis Foundation und in Kooperation mit dem Goethe-Institut begründete Lettre International 2003 einen jährlich vergebenen Weltpreis für die besten literarischen Reportagen, den Lettre Ulysses Award. Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Preis wurde bis 2006 viermal verliehen und ist seitdem suspendiert. Jurymitglieder aus elf Sprachkreisen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch, Arabisch, Russisch, Hindi, Chinesisch, Japanisch) wählten die besten Leistungen der Reportageliteratur.

  • 2003 wurde der Preis Anna Politkowskaja für ihr Buch Tchétchénie: Le déshonneur russe über den Krieg in Tschetschenien verliehen.
  • 2004 gewann das chinesische Autorenpaar Wu Chuntao und Chen Guidi den mit 50.000 Euro dotierten ersten Preis für das Buch A Survey on Chinese Peasants (zur Lage der chinesischen Bauern).
  • 2005 wurde die britische Autorin Alexandra Fuller für ihr Buch Scribbling the Cat. Travels with an African Soldier mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
  • 2006 erhielt die britische Schriftstellerin Linda Grant den ersten Preis für ihr Buch The People on the Street. A Writer’s View of Israel.

Kunsteditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Verkauf von Kunsteditionen hat der Verlag den Versuch gemacht, die redaktionelle Arbeit finanziell zu unterstützen. So entstanden in den Jahren 1992, 2011, 2012 und 2013 je eine Kunsteditionsausgabe. Trotz intensiver Eigenwerbung hält sich der Erfolg auf dem Kunstmarkt in Grenzen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Verdienste an der internationalen Presselandschaft wurde Lettre International mehrfach ausgezeichnet:

  • 1997 erhielt der Lettre Gründer Antonin J. Liehm stellvertretend für das gesamte Netzwerk den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung der Leipziger Buchmesse.
  • 2010 erhielt Chefredakteur Frank Berberich den Preis Kulturjournalist des Jahres 2009 durch das Medium Magazin.[22]
  • Am 18. März 2010 erhielt Frank Berberich den Will-Grohmann-Preis der Berliner Akademie der Künste.[23]
  • 2012 erhielt Stavros Papadopoulos für sein in Lettre International 95 erschienenes Fotoportfolio „Griechenland“ den LeadAward in Bronze in der Kategorie „Reportagefotografie des Jahres“.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum, in: Lettre international: Europas Kulturzeitung. (Nr. 1 ff.), Berlin 1988–2015.
  2. Sara Hoegen u. a, Friedrichstraße/Ostsee für Lettre International, Berlin 2006, S. 41–51.
  3. Editorial, in: Lettre international: Europas Kulturzeitung. (Nr. 1), Berlin 1988
  4. letterainternazionale.it
  5. revistasculturales.com
  6. icr.ro/bucuresti/reviste/lettre-internationale/
  7. lettre.c3.hu
  8. letterra.org
  9. Publizistischer Wahnsinn. In: taz, 2. Juni 2008
  10. lettre.de
  11. http://www.nzz.ch/es-gibt-keine-teehaeuser-mehr-1.17350843
  12. http://www.esprit.presse.fr/archive/review/article.php?code=8187
  13. http://www.lettre.de/beitrag/axelos-kostas_das-schicksal-des-modernen-griechenland
  14. http://www.counterpunch.org/2012/05/25/the-lord-of-the-drones-by-heathcote-williams/
  15. http://www.penguinrandomhouse.com/books/201881/site-and-sound-by-victoria-newhouse/
  16. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/literaturfonds-bitte-klartext-zum-volltext-1332150.html
  17. http://www.deutscher-literaturfonds.de/?k=7&sk=28
  18. Publizistischer Wahnsinn. In: taz, 2. Juni 2008
  19. Wendelin Hübner: Dilettantismus, Phrasen, Irreführung, Parolen. In: V.i.S.d.P. Magazin für Medienmacher. 23. Oktober 2009.
  20. Patrick Bahners, Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam - Eine Streitschrift, C.H.Beck, München 2011, S. 24. ISBN 978 3 406 61645 7
  21. Navid Kermani, Vergesst Deutschland! Eine patriotische Rede zur Eröffnung der Hamburger Lessingtage 2012. Ullstein, Berlin 2012.
  22. Die Journalisten des Jahres 2009. In: Medium Magazin online am 21. Dezember 2009, abgerufen am 14. Januar 2010.
  23. Akademie der Künste, aufgerufen 1. Februar 2013
  24. LeadAward-Preisträger 2012