Girlan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Girlan
Italienische Bezeichnung: Cornaiano
Girlanoben.JPG
Girlan von oben (dahinter Bozen)
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Südtirol (BZ)
Gemeinde: Eppan
Koordinaten: 46° 28′ N, 11° 17′ OKoordinaten: 46° 27′ 48″ N, 11° 16′ 52″ O
Höhe: 433 m s.l.m.
Fläche: 7,18 km²
Einwohner: 2.800 (geschätzt)
Bevölkerungsdichte: 390 Einw./km²
Demonym: Girlaner/Girlinger
Patron: Martin von Tours
Kirchtag: 11. November
Telefonvorwahl: 0471 CAP: 39057

Girlan (italienisch Cornaiano) ist eine Fraktion der Gemeinde Eppan in Südtirol (Italien). Sie umfasst ca. 2.200 Einwohner auf 7,18 km², liegt auf 433 m s.l.m. und ist etwa 10 Kilometer von Bozen entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Girlan ist agrarwirtschaftlich genutztes Altsiedelgebiet, begünstigt durch Lage und fruchtbare Böden. Die deutsch gebildeten Namensformen (1085/97 Curilan, 1186 Gurilan, 1265 Gurlan[1], 1316 Gürlan) stehen neben den romanischen (1210 Corneianum).[2] Weinwirtschaft stellte früh den beherrschenden Erwerbssektor der ansässigen Bevölkerung dar, weshalb hier im Mittelalter zahlreiche Grundherrschaften über Besitzungen verfügten, so die Bischöfe von Trient, die Grafen von Eppan-Ulten und das oberbayerische Kloster Steingaden.[2] Bereits 1272 bekam die Nachbarschaft Girlan (communitas de Gurlano) das Präsentationsrecht des von ihr gestifteten Kaplans der örtlichen Kirche zugestanden, jedoch wurde der Streit um pfarrliche Rechte und Einkünfte mit dem Pfarrer von St. Pauls bei Eppan erst im 17. Jahrhundert im Sinne der Girlaner Selbständigkeit bereinigt.[2] Teilweise ansitzartige Häuser mit steingerahmtem Fenstern, Hoftorbogen und Erkern zeugen noch heute vom frühneuzeitlichen Wohlstand des Ortes.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche ist dem Heiligen Martin von Tours geweiht und prägt das historische Ortszentrum. Der in den 1980er Jahren erweiterte Friedhof befindet sich am westlichen Ortsrand. Bemerkenswert ist das Grab eines in der Gegend „ansässigen“ Sinto, Vincenzo Naumann († 1987), genannt Guido, das weiterhin von seinen Angehörigen besucht und gepflegt wird. Das Grab Neumanns ist das letzte neue Grab, das im alten Teil des Friedhofs Platz fand.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Weindorf Girlan liegen zwei mittelgroße Kellereigenossenschaften und mehrere private Kellereien: Kellereigenossenschaft Girlan, Kellereigenossenschaft Schreckbichl, Kellerei Martini & Sohn, Sektkellerei Martini Lorenz, Weingut Alois Warasin, Weingut Josef Weger und Weingut Niedrist.

Jährlich am 11. November findet der Girlaner Martinimarkt statt, der als das „Jüngste Gericht“ bezeichnet wird. Diesen Namen trägt der Markt einerseits auf Grund des Alters und der Zweckbestimmung der Tiere (Schlachtfest), die früher auf den Markt aufgetrieben wurden und andererseits, weil die Lesung vom Jüngsten Gericht in der Messe auf diesen Tag fällt.

Seit 1990 findet alle vier Jahre am ersten Wochenende im September das Girlaner Kellerfest statt.

Kultur und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Girlan bestehen ein Kindergarten und eine Grundschule, beide mit deutscher Unterrichtssprache. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule steht das Vereinshaus Tannerhof. Es gibt in Girlan einen Kirchenchor, einen Männerchor (MGV), eine Musikkapelle, die Freiwillige Feuerwehr Girlan, eine öffentliche Bibliothek und eine Theatergruppe.

Martinimarkt am Dorfplatz

Im Norden von Girlan wurde ein Natur- und Weinlehrpfad angelegt.[3]

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Osten von Girlan befindet sich das 1906 gegründete und heute aus mehreren Gebäuden bestehende Senioren- und Behindertenheim Jesuheim, das seit 2013 von der gemeinnützigen Stiftung St. Elisabeth geführt wird.[4] Dem Jesuheim angeschlossen sind eine Kirche und ein eigener Friedhof.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Innerhofer: Sonne im Schatten. Hundert Jahre Jesuheim in Girlan. 1906–2006. Athesia, Bozen 2006. ISBN 88-8266-364-7
  • Karl Franz Zani (Hrsg.: Pfarrgemeinderat Girlan): 200 Jahre Pfarrei Girlan. Ein Dorfbuch und Quellenwerk. Eigenverlag, Girlan 1987.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 88, Nr. 18.
  2. a b c Franz Huter: Alpenländer mit Südtirol (Handbuch der historischen Stätten Österreich 2). 2. Auflage. Stuttgart: Kröner 1978, ISBN 3-520-27902-9, S. 565–566.
  3. Agentur Südtirol Marketing: Natur- und Weinlehrpfad Girlan
  4. Website des Jesuheims

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Girlan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien