Volksbezeichnung

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Volksbezeichnung, auch Demonym, ist eine Bezeichnung von einem Volk. In der Linguistik wird unterschieden, ob es eine Selbst- bzw. Eigenbezeichnung Autonym eines Volkes oder eine Fremdbezeichnung (Xenonym) für ein Volk ist.

Bildung und Problematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Eigenbezeichnungen positiv gewertet werden, werden Fremdbezeichnungen oft als abwertend empfunden (Ethnophaulismen, beispielsweise Zigeuner für Sinti und Roma, Juden für Deutsche jüdischen Glaubens). Teilweise werden aber auch eher negativ konnotierte Fremdbezeichnungen beispielsweise polnisch Niemiec von niemy (stumm) für Deutscher in der Mehrheit akzeptiert. Historische deutsche Xenonyme sind z. B. Welsche, Wenden, Raizen und Böhm' für Österreicher mit tschechischen Familiennamen. Ein historisches Autonym ist z. B. Deutschösterreicher. Manche Fremdbezeichnungen beziehen sich nur auf die Sprache, beispielsweise polnisch Niemiec von niemy (stumm) für Deutscher oder die antike griechische Bezeichnung Barbaren.

Ein Phänomen ist die Benennung eines Volkes mit einem Begriff, der mehrere nur bis in die Spätantike bestehende Menschengruppen zusammenfasst, z. B. englisch Germans (Germanen) für Deutsche. Ein Xenonym stimmt nicht immer mit dem Namen eines Landes überein, beispielsweise italienisch Tedeschi und Germania (Deutsche und Deutschland), siehe auch Etymologie des Begriffs Deutsch. Ein häufiges Phänomen ist die Benennung eines Volkes nach nicht mehr existenten Menschengruppen, z. B. französisch Allemands (Deutsche) und spanisch Alemanes nach den Alemannen oder estnisch Sakslased und finnisch Saksalaiset nach den Sachsen. Historische Xenonyme sind die vom römischen Historiker Tacitus erstmals verwendeten lateinischen Bezeichnungen in seiner Schrift De origine et situ Germanorum für Menschengruppen, von denen selbst keine schriftlichen Autonyme existieren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]