Rekum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rekum ist ein Ortsteil des Bremer Stadtteils Blumenthal im Stadtbezirk Nord. Am 31. Dezember 2014 hatte das 572 ha große Rekum 2.272 Einwohner.[1] Bis 1923, als Rekum in die Nachbargemeinde Farge eingemeindet wurde, war Rekum eine eigenständige Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in prähistorischen Zeiten wohnten hier Menschen, und zwar auf dem Geest-Gelände (geologisch: Schmelzwassersände aus der Elster-Kaltzeit)[2] unweit des Weserufers. Bei Erdbauarbeiten auf dem Grundstück Rekumer Str. 11 (Kindertagesstätte) sowie auf Grundstücken zwischen Kummerkamp, Pötjerweg und Rekumer Straße, wurden 1887, 1939 und 1973–1976 zufällig Überreste, u. a. Urnen aus Ton, aus der jüngeren Bronzezeit (1100 bis 500 v. Chr.) entdeckt. Bei Ausgrabungen in den 1960er und 1980er Jahren am Mühlenberg wurden unter anderem römische Münzen gefunden und Überreste von Häusern und Tieren aus der Römischen Eisenzeit um 100 n. Chr. [3] Rekum wurde um 1300 Reken oder Rekene genannt, nach der hier im 12. Jahrhundert ansässigen Adelsfamilie von Reken. Die erste schriftliche Überlieferung des Namens Diederich de Reken datiert von 1140, sein Gehöft soll sich an der heutigen Straße Rekumer Wurt befunden haben. Im Jahr 1534 zählte der Ort 16 Hofstellen, um 1580 sind die Namen von zwölf Bauern und 31 kleinen bäuerlichen Anwesen bekannt. Alle Bauernhäuser lagen in unmittelbarer Nähe zum nördlichen Abschnitt der heutigen Rekumer Straße, der alten Dorf- und Landstraße, am Rand einer etwa 500 Meter landeinwärts reichenden Ausbuchtung des Weserufers, die im Zuge der Weserkorrektion beseitigt wurde. Östlich davon steigt das Gelände einige Höhenmeter an, zur Rekumer Geest mit dem Speckberg (22 m über NN) und dem Mühlenberg.

Rekum gehörte über Jahrhunderte wie Neuenkirchen, Vorbruch und Rade zum Kirchspiel Neuenkirchen und ab 1604 zum Kirchspiel Blomendal (Blumenthal).

Rekum war von 1885 bis 1932 eine Gemeinde im Landkreis Blumenthal, gehörte dann zum Landkreis Osterholz und seit 1939 zur Freien Hansestadt Bremen. Seit 1946 ist Rekum Teil des Ortsamtsbereiches Blumenthal.

Im 19. Jahrhundert bestand die Einwohnerschaft aus wenigen Bauernfamilien mit erheblichem Grundbesitz, und Kleinst- und Nebenerwerbslandwirten. Im Jahre 1864 hatte der Ort 140 Häuser. Als Erwerbszweig kam in dieser Zeit die Kahnschifferei hinzu.[4] Der pensionierte Kahnschiffer J. Arfmann schrieb in der Landeszeitung Blumenthal 1938 zur „Entwicklung der Schiffahrt auf der Unterweser von 1880 bis 1936“: „In den 1880er Jahren bestand an der Unterweser eine große Seglerflotte, die große Mengen Kaufmannsgüter von Bremerhaven nach Bremen, Brake, Vegesack und Oldenburg, aber auch in umgekehrter Richtung, brachte. Diese Schiffe wurden Segelkähne genannt und hatten ein bis drei Masten. Von den Segelkähnen war eine größere Zahl in Farge und Rekum beheimatet, da die Schiffe im Besitz der hier wohnenden Kahnschiffer waren. Die zu befördernden Kaufmannsgüter bestanden zur Hauptsache aus Reis, Tabak, Getreide, Zedern- und Mahagoniholz, sowie allen Überseegütern. Ein Teil der Schiffer befuhr auch die Nordsee bis nach Hamburg, andere auch die Ostsee bis nach Königsberg (…) Die Schiffe hatten eine Besatzung von zwei bis vier Mann. Der Proviant wurde größtenteils, sowie Speck und Kartoffeln, von zu Hause mitgenommen. Zu Hause wurde dann von der Frau eine kleine Landwirtschaft geführt.“ Eine kleine Werft wurde 1866 gegründet, die nur drei Kähne baute und einige Jahre nach Ausbaggerung und Uferbegradigung der Weser den Betrieb einstellte. Dadurch, dass die Weser nun eine größere Tiefe hatte, verlor die Kahnschifferei an Bedeutung. Denn die für Bremen bestimmte Ladung der Überseeschiffe musste nicht mehr in Brake oder Bremerhaven auf Weserkähne umgeladen werden, sondern die Überseeschiffe selbst konnten die Häfen von Bremen anlaufen. Die früheren Kahnschiffer und andere Rekumer verdienten fortan ihren Lebensunterhalt als Seeleute, oder aber als Fabrikarbeiter in der 1853 gegründeten Steingut-Fabrik „Witteburg“ im benachbarten Farge. 1902 wurde eine große Dorfschule fertiggestellt, für 30 000 Mark gebaut vom Rekumer Bauunternehmer Johann Dietrich Trüper. 1922 war die Gemeinde Rekum wegen der Wirtschaftskrise in der Nachkriegszeit stark verschuldet und verfügte über wenig Steuereinnahmen. Denn in Rekum gab (und gibt es bis heute [2018]) keine Industriebetriebe, diese waren in der Nachbargemeinde Farge angesiedelt (Stuhlrohrfabrik, Steingutfabrik Witteburg und Farge-Vegesacker Eisenbahn) und erbrachten dort Gewerbesteuer. „Daher kam eine Vereinbarung der Sozialdemokraten von Rekum und Farge zustande“ zwecks Zusammenlegung der beiden Gemeinden. Am 30. Januar 1923 beschloss die Gemeinde Farge „ihren Gemeindeverband durch Aufnahme der Gemeinde Rekum zu erweitern.“[5] Die Eingemeindung nach Farge wurde vom Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover am 28. Juli 1923 mit Wirkung zum 1. August 1923 genehmigt.[6] Rekum verlor damit seine Eigenständigkeit als Gemeinde. Lokale Organisationen, wie der „Verein für Gemeinwohl“, der Rekumer Turnverein von 1890 und der Arbeiterturnverein "Frei Heil" von 1910 bestanden jedoch noch einige Zeit weiter. Ortsbürgermeister der vergrößerten Gemeinde Farge war zu dieser Zeit Richard Taylor.[7]

Rekum als Bremer Ortsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das NS-Regime verfügte, dass Rekum (als Teil der Gemeinde Farge) zusammen mit den Gemeinden Lesum, Grohn, Schönebeck, und Aumund sowie Hemelingen und Mahndorf 1939 aus dem Lande Preußen aus- und in das Land Bremen sowie in die Stadt Bremen eingegliedert wurde.[8][9] Weil ausreichend Fläche auf dem Gelände der Bauern Schnibbe, Gräfing und Morisse zur Verfügung stand, die Bodenbeschaffenheit geeignet erschien, und wegen der nahegelegenen Zuliefer-Werften Deschimag in Blumenthal und Vulkan in Vegesack, die bereits auf Rüstungsproduktion umgestellt hatten, ließ die Hitler-Regierung 1943 den U-Bootbunker 'Valentin' in Rekum errichten.[10] Außerdem existierte bereits seit 1938 in Farge-Rekum eine Infrastruktur von Arbeiter- und Häftlingslagern für den Bau von Treibstoff-Tanklagern,[11] die für den Bau des Bunkers genutzt werden konnte. Nach 1945 wurden zahlreiche Wohnhäuser neu gebaut, besonders an den Straßen Pötjerweg, Kummerkamp und Rekumer Geest, wo seit ca. 1950 der Kleingärtnerverein Einigkeit e.V. eine große Gartenkolonie betreibt (Hermann-Mester-Garten). In den 1980er Jahren wurde das Wohngebiet Reeker Barg entwickelt. Währenddessen verlor der ursprüngliche Ortskern an Bedeutung: die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe (Bauernhöfe) ging bis auf drei zurück, Geschäfte gibt es dort keine mehr.

Im Unterschied zur Kommunalverwaltung, die der Freien Hansestadt Bremen zugeordnet ist, gehört die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Rekum weiterhin zur Ev.-ref. Kirche mit Sitz in Leer und nicht zur Bremischen Evangelischen Kirche. Die meisten Einwohner Rekums waren 1864 evangelisch-reformiert (von 731 Personen waren 635 evangelisch-reformiert und 94 evangelisch-lutherisch). 1956 entstand in Rekum ein eigenes Kirchengebäude. Die Rekumer Gemeinde war bis 1980 Teil der gemeinsamen Kirchengemeinde Neuenkirchen-Rekum, seither ist die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Rekum selbständig.[12]

Das Ehrenmal für die Toten der beiden Weltkriege, am 23. März 1926 eingeweiht und 1953 erweitert, ist Eigentum des Heimatvereins Farge-Rekum e.V..[13] Ein Ehrenmal für die Opfer des NS-Regimes in Rekum und Umgegend wurde 1983 von der Stadt Bremen vor der Ruine des U-Boot-Bunkers Valentin errichtet.[14] 2010, nach dem endgültigen Auszug der Bundeswehr aus dem Bunker Valentin, erfolgte von 2011 bis 2015 der Ausbau der Gedenkstätte Denkort Bunker Valentin im und neben dem Bunker.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1813 hatte Rekum 484 Einwohner,
  • 1858 705 Einwohner,
  • 1864 731 Einwohner,
  • 1905 1.103 Einwohner,
  • 1910 1.118 Einwohner,
  • 1920 1.150 Einwohner,
  • 1924 1.300 Einwohner,
  • 1995 2.395 Einwohner,
  • 2004 2.531 Einwohner (Stand 31. Dezember 2004)

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rekumer Mühle, eine Holländerwindmühle von 1873
  • U-Boot-Bunker Valentin von 1943/45, als Denkort Bunker Valentin seit 2015 Mahnmal gegen Größenwahn und menschenverachtende Ideologie der NS-Zeit.
  • Evangelisch-reformierte Kirche Rekum von 1956
  • Der Schifferchor Rekum von 1978 setzt sich aus ehemaligen Seeleuten zusammen, die das traditionelle Seemannslied pflegen.
  • Kahnschifferhaus Unterm Berg 31, Sitz des Heimatvereins Farge-Rekum und des Schiffervereins Rekum und Umgegend von 1919 e.V.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekum wird von der Buslinie 90 der Bremer Straßenbahn AG erschlossen, nachts ergänzt durch die Nachtbuslinie N7. Sie verbinden Rekum mit Neuenkirchen, Bremen-Blumenthal, Bremen-Vegesack, Bremen-Burg und Bremen-Gröpelingen, die Linie N7 darüber hinaus auch mit der Bremer Innenstadt.[15]

Bis 1938 verlief die später abgebaute Niederweserbahn durch Rekum, dieser Streckenabschnitt wurde für die Marinebahn umgenutzt. Während des Bunkerbaus verlief eine zweite Eisenbahn-Nord-Süd-Verbindung durch Rekum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Johr, Hartmut Roder. Der Bunker. Ein Beispiel nationalsozialistischen Rüstungswahns. Bremen-Farge 1934-45. Edition Temmen, Bremen1989, S. 13 ISBN 3-926958-24-3
  • Aufzeichnungen von Richard Taylor (19.12.1868- 25.1.1953) aus Farge-Rekum. Bürgermeister in Farge seit 1917, in Farge-Rekum von 1923-1937.Handschriftlicher Text. In Druckschrift transkribiert von Arend Wessels, Heimatverein Farge-Rekum e.V., 2004. Unveröffentlicht.
  • Arend Wessels. Farge-Rekum, eine lange Geschichte. Hg. Heimatverein Farge-Rekum e.V. 28777 Bremen, Unterm Berg 31. Broschüre. 2017.
  • Karl Heinz Brandt: Eine Siedlung der Römischen Eisenzeit auf dem Mühlenberg in Bremen-Rekum. In: Bremisches Jahrbuch. Band 62, 1984, S. 172–174 (suub.uni-bremen.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rekum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Bremen: Ausgabe 2015 (pdf,1,1 MB). S. 5-15, abgerufen am 27. März 2018.
  2. Herbert Kuntze, Hans-Christoph Höfle, Hans Kuster, Udo Jürgens und Wilfried Hofmann: Bremen-Nord aus geowissenschaftlicher Sicht. Lebensraum Bremen-Nord. Geschichte und Gegenwart. In: Hanspeter Stabenau (Hrsg.): Jahrbuch der Wittheit zu Bremen. Schriften der Wittheit zu Bremen. Band 31. JH Döll, Bremen 1989, ISBN 3-88808-132-7, S. 47–71, hier 52–53.
  3. Karl Heinz Brandt: Ausgrabungen in Bremen Nord. . Lebensraum Bremen-Nord. Geschichte und Gegenwart. Schriften der Wittheit zu Bremen. In: Hanspeter Stabenau (Hrsg.): Jahrbuch der Wittheit zu Bremen. Band 31. JH Döll Verlag, Bremen 1989, ISBN 3-88808-132-7, S. 89–122.
  4. Schifferverein Rekum und Umgegend von 1919 e.V.: Vereinsgeschichte. In: Homepage. Abgerufen am 22. März 2018 (pdf).
  5. Richard Taylor: Aufzeichnungen von Richard Taylor (19.12.1868- 25.1.1953) aus Farge-Rekum. Bürgermeister in Farge seit 1917, in Farge-Rekum von 1923-1937. Handschriftlicher Text. In Druckschrift transkribiert von Arend Wessels, Heimatverein Farge-Rekum e.V. Bremen-Farge 2004, S. 5–6.
  6. Bezirksregierung Stade (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Stade. Jg. 1923. Stück 30, 28. Juli 1923, ZDB-ID 563938-4, S. 195 (Genehmigung der Eingemeindung der Landgemeinde Rekum in die Landgemeinde Farge).
  7. Heimatverein Farge-Rekum: Richard Taylor
  8. Herbert Schwarzwälder: Das Ringen um die Gebietserneuerung nördlich der Lesum im Rahmen der Reichsreform und der Deutschen Gemeindeordnung 1933-1940. Lebensraum Bremen-Nord. Geschichte und Gegenwart. In: Hanspeter Stabenau (Hrsg.): Jahrbuch der Wittheit zu Bremen. Schriften der Wittheit zu Bremen. Band 31. JH Döll, Bremen 1989, ISBN 3-88808-132-7, S. 9–45.
  9. Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. September 1939
  10. Heinrich Garrn: U-Boot-Bunker 'Valentin', ein Wahrzeichen Rekums. In: Heimatverein Farge-Rekum e.V. (Hrsg.): Heimat- und Vereinsblatt. Nr. 19. Bremen-Farge April 1966, S. 1–4 (heimatverein-farge-rekum.de [PDF; abgerufen am 22. März 2018]).
  11. Heinrich Garrn: Unterirdische Ölbunkeranlage mußte gesprengt werden. In: Heimatverein Farge-Rekum e.V. (Hrsg.): Heimat- und Vereinsblatt. Nr. 26. Bremen-Farge Juni 1967, S. 1–3 (heimatverein-farge-rekum.de [PDF; abgerufen am 22. März 2018]).
  12. http://rekum.reformiert.de/kirchspiel-rekum.html
  13. erinnert an 42 im 1. Weltkrieg und 208 im 2.Weltkrieg als Soldaten getötete Einwohner aus Farge-Rekum
  14. Die Inschriften lauten unter anderem: Die Freie Hansestadt Bremen erinnert mit diesem Mahnmal an die Unmenschlichkeit der deutschen Faschisten. Das Millionenheer der KZ-Häftlinge mußte für die deutsche Kriegsmaschinerie schuften und sterben. Im KZ-Außenlager Farge, das zum Konzentrationslager Neuengamme gehörte, und in anderen Lagern, hielten die deutschen Faschisten zwischen 1943 und 1945 mehr als 10.000 Arbeitssklaven zum Bau des U-Boot-Bunkers 'Valentin'. Die meisten von ihnen kamen aus der Sowjetunion, aus Polen und Frankreich. Auch deutsche Widerstandskämpfer gehörten dazu. Beim Bau des U-Boot-Bunkers fanden Tausende von ihnen den Tod. Misshandlungen, Unterernährung, Krankheit und unmenschliche Arbeitsbedingungen füllten die Massengräber von Farge. Nach dem Ende des Faschismus fanden diese Toten auf dem Osterholzer Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Ehemalige Häftlinge, Angehörige der Toten von Farge, die Vertreter der 'Amicale Internationale de Neuengamme' und Bremer Bürger haben sich Jahre nach Beginn des Bunkerbaus am 17. September 1983 hier versammelt, um vor dem Mahnmal, das der Bremer Künstler Friedrich Stein geschaffen hat, zu geloben: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, jede Anstrengung für den Frieden der Welt.
  15. http://www.bsag.de/pdf/Web_BSAG_Bremen-Nord_Final.pdf

Koordinaten: 53° 13′ N, 8° 31′ O