Griechisches Referendum 1924

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Das Wappen Griechenlands
(1863–1924)

Das griechische Referendum 1924 war ein am 13. April 1924greg.(Anm.) im Königreich Griechenland abgehaltenes Referendum. Die Abstimmung sollte die Proklamation der Republik vom 25. März 1924greg. bestätigen. Diese Bestätigung erfolgte mit 69,96 % der gültigen Stimmen.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem am 22. September 1922greg. türkische Streitkräfte die griechische Besatzungszone von Smyrna mitsamt der Stadt einnahmen und damit der griechische Kleinasien-Feldzug endete,[1] begann zwei Tage später ein Putsch durch wesentliche Teile der griechischen Streitkräfte (Revolution des 11. September 1922). Diese venizelistischen Kräfte unter Nikolaos Plastiras, Stylianos Gonatas und Theodoros Pangalos zwangen König Konstantin I. am 10. Oktober 1922greg. zur zweiten Abdankung und bildeten ein Revolutionskomitee.[2] Neuer König wurde sein Sohn, Kronprinz Georg.[3]

Am 20. Oktober 1923greg. (Anm.) putschten royalistische Teile der griechischen Streitkräfte unter Beteiligung von Ioannis Metaxas gegen das Revolutionskomitee (Bewegung Leonardopoulos–Gargalidis). Diese Konterrevolution wurde am Folgetag durch venizelistische Militärs unter General Pangalos und Georgios Kondylis niedergeschlagen.[4][5] In Folge dessen boykottierten die royalistischen Parteien die Wahlen vom 16. Dezember 1923 und die venizelistischen Parteien, allen voran die Liberale Partei, gewannen die Wahlen.[6] Drei Tage nach der Wahl, am 19. Dezember, kam König Georg II. der Aufforderung des Revolutionskomitees, das Land zu verlassen, nach – eine Abdankung verweigerte er.[7] Das Komitee ernannte Pavlos Koundouriotis zum Vizekönig, der diese Funktion bereits 1920 ausübte.[5][8]

Nachdem Pangalos und Kondylis offen mit Putsch gedroht hatten, setzte sich in der Liberalen Partei Alexandros Papanastasiou, der Führer des radikalen Parteiflügels, durch und am 25. März 1924 setzte die Nationalversammlung, die sich zuvor in der Frage der Staatsform uneinig war, den König ab, rief die Republik aus und wählte den bisherigen Vizekönig Koundouriotis zum Präsidenten. Außerdem wurde eine Abstimmung für den 13. April 1924 angekündigt, die die Umwandlung in eine Republik bestätigen sollte.[8][9]

Ausgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl Stimmen %
Ja 758.472 69,96
Nein 325.322 30,04
Ungültig/Leer 291
gesamt 1.084.085 100,00
Quelle[10]

Mit Wirkung zum 1. Mai 1924 wurde Griechenland damit zur Republik.[11]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Griechenland übernahm den Gregorianischen Kalender am 1. März 1923 (die letzten 13 Februartage entfielen).[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Neumann-Adrian, Christoph K. Neumann: Die Türkei: Ein Land und seine 9000 Jahre Geschichte. Droemer Knaur, 1994, ISBN 3-426-04851-5, S. 299 f.
  2. Gangolf Hübinger (Hrsg.): Ernst Troeltsch: Kritische Gesamtausgabe. Ernst Troeltsch: Spectatoren-Briefe und Berliner Briefe (1919–1922). 1. Auflage. Band 1. C.H.Beck, ISBN 978-3-11-041151-5, S. 580 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 23. Juli 2015] Fussnote 5).
  3. Elaine Thomopoulos: The History of Greece (Greenwood Histories of the Modern Nations). Greece after the Greek-Turkish War. Greenwood Pub Group, 2011, ISBN 0-313-37511-9, S. 108 f. (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 23. Juli 2015]).
  4. Gregor Manousakis: Hellas - wohin? Das Verhältnis von Militär und Politik in Griechenland seit 1900. Verlag Wiss. Archiv, Godesberg 1967.
    On this day. (Nicht mehr online verfügbar.) In: en.enikos.gr. enikos.gr, 22. Oktober 2014, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 25. Juli 2015 (englisch): „1923 – The royalist Leonardopoulos–Gargalidis coup d'état attempt fails in Greece, discrediting the monarchy and paving the way for the establishment of the Second Hellenic Republic“  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/en.enikos.gr
  5. a b Ioannis Zelepos: Kleine Geschichte Griechenlands: Von der Staatsgründung bis heute. 6. Die Zeit zwischen den Weltkriegen (1923–1940). Verlag C. H. Beck, München 2014, ISBN 3-406-65343-X (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 25. Juli 2015]).
  6. Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hrsg.): Elections in Europe: A Data Handbook. 1. Auflage. Nomos Verlag, 2010, ISBN 3-8329-5609-3, S. 829+857 (englisch).
  7. John Van Der Kiste: Kings of the Hellenes: The Greek Kings 1863-1974. Sutton Publishing, 1994, ISBN 0-7509-2147-1, S. 144 (englisch).
  8. a b Sven C. Stein: Deutschland und Griechenland in der Euro-Krise: Am Abgrund oder einen Schritt weiter? 1. Auflage. disserta Verlag, 2014, ISBN 3-95425-464-6, S. 52.
    History of Athens: The mid-war period: The second Hellenic Republic. In: athensinfoguide.com. Athens Info Guide, abgerufen am 25. Juli 2015 (englisch).
  9. Elaine Thomopoulos: The History of Greece. Second Hellenic Republic. In: Greenwood Histories of the Modern Nations. Greenwood Pub Group Inc, 2011, ISBN 978-0-313-37511-8, S. 110 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 25. Juli 2015]).
    ZeitZeichen: 25. März 1924: Die Ausrufung der griechischen Republik. (MP3) (Nicht mehr online verfügbar.) In: ardmediathek.de. ARD Mediathek, 25. März 2014, archiviert vom Original am 23. September 2015; abgerufen am 25. Juli 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ardmediathek.de
    Hstory of Athens: Greek Heads of State. In: athensinfoguide.com. Athens Info Guide, abgerufen am 26. Juli 2015.
    Charalampis Kyrkos, Georgia Makropoulou: Referendum: A challenge for democratic self - determination. (PDF) In: jus.uio.no. UiO: The Faculty of Law, S. 2, abgerufen am 25. Juli 2015 (englisch): „The third referendum process on April 13, 1924, differs significantly from the previous ones.
    After the Asia Minor Catastrophe and the Treaty of Lausanne (1923) elections were held in December 1923. As the royalist parties abstained from the elections, the antimonarchist majority of the new parliament was more than obvious. So, unsurprisingly, the Fourth Constituent Assembly decided to change the constitution from monarchy to republic and subject its decision to peoples approval. Eventually, for the Republic voted 69.95 %, as 30.05 % voted for crowned Democracy. The result, although there have been complaints from royalists for many cases of double voting in favor of democracy, was characterized genuine. The behavior, however, and the tactics followed by the ardent supporters of democracy, especially in combination with the relatively recent result of the referendum of 22 November 1920, which despite the massive fraud was undoubtedly recorded the existence of strong royalist power, forces us to consider not so much the logic of the referendum of 13 April 1924, as the Resolution of the National Assembly which deposed the royal dynasty, and decided to " join the Hellas in a democracy ." This is because the arguments of the inspirators of the referendum may trigger a totalitarian ideologies containing dangerous content. In any case, however, one of the royalist parties immediately recognized the result, while the largest party of anti-Venizelists recognized republic in 1932.“
  10. Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hrsg.): Elections in Europe: A Data Handbook. 1. Auflage. Nomos Verlag, 2010, ISBN 3-8329-5609-3, S. 839 (englisch).
  11. aikos2309: Prinz Philip, der stille Thronfolger Griechenlands. In: pravda-tv.com. Nikolas Pravda, 10. Juli 2015, abgerufen am 26. Juli 2015: „[...] Am 25. März 1924 proklamierte die griechische Nationalversammlung in Athen die Republik, die per Referendum am 13. April bestätigt wurde. Zum 1. Mai 1924 wurde Griechenland Republik.“
  12. Norbert Weis: Über die Abbildung der Zeit durch Kalendar. Die Einführung des Gregorianischen Kalenders. In: Verwaltung & Management (VM). 12. Jg., Nr. 1. Nomos Verlag, 2006, ISSN 0947-9856, S. 5 (Einführung des Gregorianischer Kalender in Griechenland. [PDF; abgerufen am 19. Juli 2015]).