Grobleben

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Grobleben
Koordinaten: 52° 31′ 34″ N, 11° 53′ 46″ O
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 3,83 km²
Einwohner: 115 (2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39590
Vorwahl: 039322
Grobleben (Sachsen-Anhalt)
Grobleben

Lage von Grobleben in Sachsen-Anhalt

Kirche zu Grobleben (Oktober 2018)
Kirche zu Grobleben (Oktober 2018)

Grobleben ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Stadt Tangermünde im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grobleben, ein Straßendorf mit Kirche,[3] liegt sechs Kilometer südwestlich von Tangermünde und neun Kilometer südlich von Stendal. Südlich des Dorfes beginnt mit der Tangerniederung das das Biosphärenreservat Mittelelbe in dem der Tanger nach Osten in die Elbe fließt.[4]

Das Dorf besteht vor allem aus kleineren Drei- oder Vierseitenhöfen und baulichen Ergänzungen der Vorkriegszeit.[5]

Nachbarorte sind Heeren im Norden, der Viererbenhof im Osten, Bölsdorf im Südosten, Köckte im Süden, Elversdorf und Bahnhof Demker im Südwesten.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1279 wurde ein dominus Johannes Groppleve als Zeuge in Stendal erwähnt.[6]

Die erste Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahre 1345 als ville Gropeleuen, als Markgraf Ludwig an Otto Insel Einnahmen aus der Bede und an die Brüder Gropkin Besitz im Dorf verleiht.[7] Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Gropelebin aufgeführt.[8] Weitere Nennungen sind 1414 gropeleve, 1472 groblefe, 1540 Groplewen, 1687 Grobleben[3] und 1804 Dorf Grobleben mit Windmühle und Krug.[9]

Von 1903 bis 1917 gab es in Grobleben eine Haltestelle der Kleinbahn Tangermünde–Lüderitz.

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde über den Fund eines figürlichen Schlüsselhalters (Gürtelbestandteil) im 20. Jahrhundert in Grobleben berichtet, der im Museum Wolmirstedt aufbewahrt wird.[10]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grobleben gehörte bis zum Jahr 1807 zum Tangermündeschen Kreis, dann bis 1813 zum Kanton Tangermünde. Danach kam die Gemeinde Grobleben zum Kreis Stendal, dem späteren Landkreis Stendal.[3] Ab 25. Juli 1952 gehörte die Gemeinde zum Kreis Tangerhütte. Nach dessen Auflösung wurde sie am 1. Januar 1988 dem Kreis Stendal zugeordnet. Schließlich kam sie am 1. Juli 1994 zum Landkreis Stendal.[11]

Bis zum 31. Dezember 2009 war Grobleben eine selbstständige Gemeinde und gehörte der jetzt aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Tangermünde an.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Grobleben am 9. Juni 2009, dass die Gemeinde Grobleben in die Stadt Tangermünde eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[12]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Grobleben wird Grobleben Ortsteil der Stadt Tangermünde. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Grobleben und künftige Ortsteil Grobleben wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Stadt Tangermünde. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Grobleben wurde ein Ortschaftsrat mit anfangs neun Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 106
1772 030
1790 085
1798 090
1801 095
Jahr Einwohner
1818 086
1840 093
1864 107
1871 095
1885 115
Jahr Einwohner
1892 [00]111[13]
1895 096
1900 [00]092[13]
1905 107
1910 [00]102[13]
Jahr Einwohner
1925 152
1939 143
1946 234
1964 155
1971 150
Jahr Einwohner
1981 111
1993 108
2006 102
2000 [00]107[14]
2014 [00]116[14]
Jahr Einwohner
2015 [00]112[14]
2019 [0]115[1]

Quelle wenn nicht angegeben:[3]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Grobleben gehörte früher zur Pfarrei Ostheeren bei Tangermünde.[15] Sie wird heute betreut vom Pfarrbereich Lüderitz[16] im Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Grobleben stammen aus dem Jahre 1648.[17]

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Elisabeth in Tangermünde im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.[18]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der amtierende Ortsbürgermeister der Ortschaft ist Jens Lücke.[19]

Die letzte Bürgermeisterin und erste Ortsbürgermeisterin der Gemeinde Grobleben war Susanne-Christine Knoblauch.

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 stellte sich die „Wählergruppe Grobleben“ zur Wahl. Sie erreichte alle 9 möglichen Sitze.[20]

Gewählt wurden zwei Ortschaftsrätinnen und 7 Ortschaftsräte. Der Rat mit der zweithöchsten Stimmenzahl, Jens Lücke, wurde Ortsbürgermeister.[19]

Die Wahlbeteiligung betrug 70,9 Prozent.[21]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Grobleben, eine in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichteter zweiteiliger Feldsteinbau, der durch Umbauten im 18. Jahrhundert den Charakter einer Barockkirche erhalten hat, ist von einem Friedhof umgeben.[22]
  • Im Dorf gibt ein Dorfgemeinschaftshaus mit Saal und Küche, eine Freiwillige Feuerwehr mit Feuerwehrhaus, einen Festplatz und einen Spielplatz.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grobleben liegt an der Landstraße zwischen Tangermünde und Lüderitz – hier besteht Anschluss an die Bundesstraße 189. Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus. Der etwa zwei Kilometer entfernte Bahnhof Demker liegt an der Strecke StendalMagdeburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grobleben – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Anke Hoffmeister: Stadt registriert ein Plus von 36. In: Stendaler Volksstimme. 11. Januar 2020, S. 20.
  2. Stadt Tangermünde: Hauptsatzung der Stadt Tangermünde. 4. Dezember 2019, §15 Ortschaftsverfassung (tangermuende.de [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 18. Dezember 2020]).
  3. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 849–854, doi:10.35998/9783830522355.
  4. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  5. a b Büro Stephan Westermann: Integriertes Stadtentwicklungskonzept Tangermünde2030. 18. Juni 2019, S. 98, abgerufen am 28. Dezember 2020.
  6. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 307–308, Nr. 1204 (uni-potsdam.de).
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 6. Berlin 1846, S. 464,465, XXXVI. und XXXVII. (Digitalisat).
  8. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 334 (uni-potsdam.de).
  9. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 277 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00299~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  10. Ulrich Kalmbach: Ein spätmittelalterlicher Schlüsselringhalter im Danneil-Museum Salzwedel. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 86. Jahresbericht, 2016, S. 88 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 342.
  12. Landkreis Stendal: Gebietsänderungsvertrag zwischen Stadt Tangermünde und der Gemeinde Grobleben. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 19. Jahrgang, Nr. 19, 9. September 2009, ZDB-ID 2665593-7, S. 246–247 (landkreis-stendal.de [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 18. Dezember 2020]).
  13. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 92.
  14. a b c Anke Hoffmeister: Entwicklung der Einwohnerzahlen in der Stadt Tangermünde. In: Stendaler Volksstimme. 14. Januar 2016, S. 19.
  15. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 117 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  16. Pfarrbereich Lüderitz. Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  17. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 17 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 28. Dezember 2020]).
  18. Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 19. Dezember 2020.
  19. a b Ortschaftsrat Grobleben. In: kitu-genossenschaft.de. Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  20. Stadt Tangermünde: Ergebnis der Wahlen der Ortschaftsräte 2019 (Sitzzuteilung). 31. Mai 2019 (tangermuende.de [PDF; 23 kB; abgerufen am 18. Dezember 2020]).
  21. Anke Hoffmeister: Kleinster Ort mit größtem Rat. In: Stendaler Volksstimme. 29. Mai 2019, S. 21.
  22. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 155.