Gunter Frank

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Gunter Frank (geboren 1963 in Buchen (Odenwald)) ist ein deutscher Arzt und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank studierte Medizin in Heidelberg und Chicago. Als Allgemeinmediziner betreibt er eine eigene Praxis in Heidelberg.

Frank ist Fachbereichsleiter an der privaten Business School St. Gallen und Autor mehrerer Bücher zu den Themen Gesundheit und Ernährung. Er tritt öffentlich als Kritiker des deutschen Gesundheitssystems auf.[1][2] Frank ist wissenschaftlicher Leiter der 2013 gegründeten Firma Business Health Academy und arbeitet am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar mit olympischen Spitzensportlern zusammen.[3]

Gunter Frank ist Leiter des Heidelberger Präventions- und Gesundheitsnetzes und Vorstandsmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EULE e.V.).[4][5] Er organisierte einen Workshops zu Statistik in medizinischen Studien und korrekter Publikation von Studienergebnissen.[6]

Er publiziert seine Thesen auf dem politischen Blog „Achse des Guten“.[7]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gunter Frank kritisiert die schwache Datengrundlage für viele Ernährungsempfehlungen. Vorwiegend basierten diese auf Beobachtungsstudien, die zwar Korrelationen, nicht aber Kausalitäten deutlich machen könnten.[8] Frank fordert einen „ehrlichen“ Umgang mit Normwerten, Risikofaktoren und Richtlinien. Er sieht die Gefahr, dass Patienten manipuliert werden könnten.[9][10] Ernährung als Faktor für die Gesunderhaltung des menschlichen Körpers sieht er im allgemeinen Diskurs als deutlich überschätzt.[11] Er behauptet, die Schädlichkeit von einem Übermaß an Fett, Salz oder Zucker sei nie erwiesen worden.[12]

Gunter Frank postuliert, dass pflanzenbetonte Kost nicht für den Menschen geeignet sei. Viele Gemüse und Getreide produzierten Abwehrstoffe, die nur durch althergebrachte Verarbeitungsweisen beseitigt werden könnten.[8] Daher befürwortet Frank das Kochen, Schälen und Salzen von Lebensmitteln. Er plädiert für eine Rückkehr zu traditionellen Zubereitungsformen.[8][11] Pommes frites bewertet er als angemessenes Lebensmittel für Kinder, da bei der Zubereitung pflanzliche Giftstoffe zerstört würden.[11] Auch minimale Zuckerzusätze, z. B. in Tomatensuppe, hält er aufgrund der biochemischen Prozesse für empfehlenswert.[11] Frank kritisiert Vegetarismus und Veganismus.[8]

Frank hält die Problematisierung der Adipositas für übertrieben. Übergewicht führe nur in Extremformen zu Gesundheitsschäden.[11] Diäten und Abnehmprogramme lehnt er ab, weil die Evidenz für einen langfristigen Erfolg und Nutzen fehle.[11] Wesentliche Risikofaktoren für Übergewicht seien Stress und die Genetik.[13][14] Relevanter als Überernährung sei in Deutschland das Risiko für Unterernährung und Essstörungen.[15]

Frank empfiehlt einen entspannten Umgang mit der Ernährung und rät, das zu essen, was schmeckt und was man verträgt.[16][17] Der Mensch besitze ein ausreichendes Körpergefühl dafür, welches Essen situativ oder generell das Richtige sei.[11] Gesunde Erwachsene könnten daher beruhigt zu Fast Food greifen, wenn ihre körpereigenen Signale ihnen einen Bedarf danach vermitteln. So sei ein Vorteil von Vollkornprodukten gegenüber Weißmehl nicht nachgewiesen. Gemüse könne man beruhigt kochen, Rohkost sei nicht empfehlenswert.[18][19]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franks Positionen werden in einigen Punkten von anderen Ernährungsexperten geteilt. So teilt Arnd Schweitzer im Spiegel seine Kritik an der problematischen Datengrundlage vieler Empfehlungen, wie auch die Kritik an falschen Anreizen im Gesundheitswesen und in der medizinischen Forschung.[1]

Einige Buchrezensionen schätzen seine Arbeiten als reißerisch ein und werfen ihm vor, industrienahe Positionen zu vertreten. So stellt sich Frank gegen Bio-Lebensmittel mit der Begründung zu hoher Verkeimung, lobt die Ungefährlichkeit moderner Pestizide und verteidigt die industrielle Tierproduktion.[1] Kritisch gesehen wird auch Franks Ansatz, Medien, Wissenschaftler und Politik einer „Generalabrechnung“ zu unterziehen und dabei selbst selektiv aus Studien zu zitieren, die seine Positionen unterstützen.[20]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Arnd Schweitzer: Wutbuch eines Arztes: "Studien-Schwindel im großen Stil". In: Spiegel Online. 5. Juli 2012, abgerufen am 22. September 2019.
  2. Autorenprofil von Gunter Frank bei der Achse des Guten. Abgerufen am 3. April 2019.
  3. Gunter Frank: Executive Health Program – Medizinische Vorsorge, Casemanagement und Gesundheitsberatung für Führungskräfte. (PDF) In: gunterfrank.de. S. 6, abgerufen am 22. September 2019.
  4. Bayerischer Rundfunk: Tele-Akademie: Dr. Gunter Frank. 5. Juni 2019, abgerufen am 20. September 2019.
  5. Voodoo-Master der Ernährungs-Wissenschaft. Abgerufen am 20. September 2019.
  6. 1. Heidelberger Symposium für mehr Sinn und Relevanz in der Medizin. (PDF) Universitätsklinikum Heidelberg, abgerufen am 22. September 2019 (Infoflyer).
  7. Gunter Frank – DIE ACHSE DES GUTEN. ACHGUT.COM. Abgerufen am 20. September 2019.
  8. a b c d Dr. Gunter Frank zum Thema Ernährung und alte wie neue Diät-Mythen - Teil 1. In: pfz.de. Abgerufen am 20. September 2019 (Pressemitteilung).
  9. Bayerischer Rundfunk: Tele-Akademie: Dr. Gunter Frank. 5. Juni 2019, abgerufen am 20. September 2019.
  10. Statistiken, bis der Arzt kommt. 4. April 2012, abgerufen am 20. September 2019.
  11. a b c d e f g Constanze Werry: "Der Körper will sein Fett und kämpft dafür". In: Rhein-Neckar-Zeitung. 11. März 2013, abgerufen am 20. September 2019.
  12. Buch "Karotten lieben Butter": Wenn der Kitaspeiseplan zur Garantie für ein Reizdarmsyndrom wird. Abgerufen am 20. September 2019.
  13. Gunter Frank: Lizenz zum Essen. Warum Ihr Gewicht mehr mit Stress zu tun hat als mit dem, was Sie essen. Abgerufen am 20. September 2019.
  14. Caroline Stern: „Maischberger“: Wenn Peter Altmaier auf die "Diät-Domina" trifft. 12. September 2012 (welt.de [abgerufen am 20. September 2019]).
  15. Business Insider Deutschland: Es gibt einen gefährlichen Ernährungstrend in Deutschland — Ärzte warnen davor. Abgerufen am 20. September 2019.
  16. „Bei der Ernährung einfach entspannen“ - Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Zeitung. Abgerufen am 20. September 2019.
  17. Runter von der Waage. 22. April 2008, abgerufen am 20. September 2019.
  18. Gesund und schnell abnehmen, Schlank werden ohne Stress: Die richtige Ernährung für jeden Körper-Typ. Abgerufen am 20. September 2019.
  19. Anna-Sophia Lang: Gesunde Ernährung: „Pflanzen wollen nicht von uns gefressen werden“. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 20. September 2019]).
  20. Gunter Frank: Lizenz zum Essen. Warum Ihr Gewicht mehr mit Stress zu tun hat als mit dem, was Sie essen. Abgerufen am 20. September 2019.