Gustav Adolf Wislicenus

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Gustav Adolf Wislicenus (* 20. November 1803 in Battaune bei Eilenburg; † 14. Oktober 1875 in Zürich) war ein deutscher evangelischer Theologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war ein Sohn des Pfarrers Magister G. Simon W. († 1808). Schon mit 11 Jahren wurde Wislicenus Vollwaise; Verwandte in Torgau und dann in Merseburg zogen ihn auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er 1821 bis 1824 Theologie an der Friedrichs Universität Halle bei Wilhelm Gesenius und Julius August Ludwig Wegscheider. Er trat 1821 der burschenschaftlichenAllgemeinheit/Quellengesellschaft Halle und dem Jünglingsbund bei. Er wurde deshalb zu zwölfjähriger Festungshaft verurteilt, aber 1829 begnadigt. Er studierte in Berlin zu Ende und wurde 1834 Pfarrer in Kleineichstädt und Gröckstädt bei Querfurt. 1841 wechselte er an St. Laurentius (Halle).

1844 schloss er sich den Lichtfreunden an und hielt am 29. Mai 1844 in Köthen seinen Vortrag „Ob Schrift? Ob Geist?“ vor den rationalistischen Freunden (unter ihnen Leberecht Uhlich) über die Autorität der Bibel. Auf Betreiben des Theologen Ferdinand Guericke wird Wislicenus, gegen den Widerstand des Kirchenvorstandes, seines Amtes enthoben. Seinen Prozess schilderte er in der Schrift Die Amtsentsetzung des Pfarrers Wislicenus in Halle (Leipzig 1846).

Danach lebte er als Prediger der Freien Gemeinde in Halle. Sich in politischen demokratischen Vereinigungen engagierend wurde Wislicenus 1849 eingeladen, als einer der 574 Delegierten an der Konstitution des Vorparlaments in der Paulskirche in Frankfurt teilzunehmen. Wegen seiner Schrift: Die Bibel im Lichte der Bildung unsrer Zeit (Leipzig 1853) hat man ihn im September 1853 wegen Gotteslästerung zu zweijähriger Gefängnisstrafe verurteilt. Der Vollstreckung entzog er sich durch die Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Im Mai 1856 kehrte nach Europa zurück und ließ sich in Fluntern bei Zürich nieder, wo er sein Hauptwerk Die Bibel, für denkende Leser betrachtet veröffentlichte.

Sein Sohn Johannes Wislicenus wurde in Leipzig Chemiker. Sein etwas jüngerer Bruder Adolf Timotheus Wislicenus war ebenso bei den Lichtfreunden als Geistlicher aktiv.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ob Schrift? Ob Geist? Verantwortung gegen meine Ankläger. Leipzig 1845
  • Die Neue Zeit. 2. Blatt. Die alten Landstände und der neue Landtag. Halberstadt 1848 (Flugschrift)
  • Die Bibel im Lichte der Bildung unserer Zeit. Leipzig 1853
  • Die Bibel für denkende Leser betrachtet. Leipzig 1863/64
  • Gegenwart und Zukunft der Religion. Zu der von Strauss angeregten Frage über “den alten und den neuen Glauben.”. Leipzig 1873[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Friedrich Weichsel: Die Berliner Conferenz und Wislicenus. Ein offenes Sendschreiben Wolfenbüttel: Holle'sche Buchhandlung 1846
  • Ferdinand Friedrich Weichsel: Sammelband von Schriften, den Prediger Wislicenus betreffend Wolfenbüttel: Holle'sche Buchhandlung 1846
  • Meyers Kleines Konversations-Lexikon, Bd. 3, Leipzig u. Wien 1893, S. 666.
  • G. Frank: Wislicenus, Gustav Adolf. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 542–545.
  • Walter Nigg: Geschichte des religiösen Liberalismus : Entstehung, Blütezeit, Ausklang. Niehans, Zürich/Leipzig. 1937
  • Martin FriedrichWislicenus, Gustav Adolf. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 1424–1426.
  • Wolfgang Brekle: Warum ein Pfarrerssohn mehrfach zu Haftstrafen verurteilt wurde, in: Leipziger Volkszeitung, Heimatgeschichte (Ausg. Delitzsch/Eilenburg), 20. Mai 1999, S. 29.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Band I Politiker, Teil 6: T–Z, Heidelberg 2005, S. 342–345.
  • Hans-Joachim Böttcher: "Wislicenus, Gustav Adolph", in: Bedeutende historische Persönlichkeiten der Dübener Heide, AMF - Nr. 237, 2012, S. 109.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Gustav Adolf Wislicenus – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. GoogleBooks