Habkirchen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

49.1332222222227.1354166666667212Koordinaten: 49° 8′ 0″ N, 7° 8′ 8″ O

Habkirchen
Gemeinde Mandelbachtal
Ehemaliges Gemeindewappen von Habkirchen
Höhe: 212 m
Einwohner: 630 (2011)
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 66399
Vorwahl: 06804
Habkirchen (Saarland)
Habkirchen

Lage von Habkirchen in Saarland

Habkirchen ist der kleinste Ort in der Gemeinde Mandelbachtal. Der Ort liegt im Saarland in der Bundesrepublik Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Habkirchen, Ortsteil der Gemeinde Mandelbachtal, liegt im südlichen Bliestal im Saarpfalz-Kreis im Saarland. Hier mündet der Mandelbach in die Blies. Die Gemarkung, stark hügelig, trägt landwirtschaftlichen Charakter.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima ist atlantisch beeinflusst. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 786 mm, die regenärmste Zeit liegt in den Frühjahrsmonaten. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9 °C. Das langjährige Temperaturmittel sinkt selbst im Januar nicht unter 0 °C. Die vorherrschende Windrichtung ist West/Südwest. Das Bioklima ist reizmild bis reizschonend.

Habkirchen ist eine ausgesprochene Wohn- und Pendlergemeinde. Die meisten Berufstätigen arbeiten als Auspendler im Raume Saarbrücken.

Geschichte[Bearbeiten]

Das bereits 819 urkundlich genannte Habkirchen besaß im Frühmittelalter mit einer Kirche, Königsgut und Grafensitz zentralörtliche Funktion. Der erstmals 1239 erwähnte Ort Mandelbach an der Einmündung des Mandelbachs in die Blies gehörte kirchlich zur Pfarrei Habkirchen, die Gemarkung wurde 1791 nach Habkirchen eingemeindet. 1525 war auch Habkirchen Schauplatz von Auseinandersetzungen während des Bauernaufstandes, in dem sich der „Billen Nikel“ besonders hervorgetan hat. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten 1651 in Habkirchen nur noch zwei Einwohner, in Mandelbach drei Einwohner. Zur Pfarrei Habkirchen gehörten 1688 die Orte Habkirchen, Mandelbach, Blies-Ébersing mit dem Wiesingerhof, Folpersviller und Frauenberg.

Bis zur französischen Revolution gehörte Habkirchen zum kurtrierischen Amt Blieskastel. Im 19. Jahrhundert erfuhr Habkirchen einen großen Aufschwung, die Industrialisierung veränderte die Lebensumstände. Ein Großteil der Einwohner arbeitete nun in der Porzellanfabrik von Saargemünd und der Halbergerhütte in Brebach. Der Deutsch-Französische Krieg hatte keine einschneidenden Einwirkungen, wogegen im Ersten Weltkrieg 29 Personen fielen. Der Zweite Weltkrieg brachte wie in anderen Ortschaften des Gaus auch herbe Verluste mit sich, und zweimal musste die Bevölkerung während der Freimachung der Roten Zone den Ort verlassen. Im September 1939 wurde die uralte Anna-Kapelle zerstört und 1947 wieder aufgebaut. Im Winter 1944/45 lag der Ort in der Hauptkampfzone, der Besitz wechselte zweimal zwischen den Amerikanern und den Deutschen. Am Ende war kein Gebäude mehr ohne Schaden.

Am 1. Januar 1974 wurde Habkirchen in die neue Gemeinde Mandelbachtal eingegliedert.[1]

Beurkundungen[Bearbeiten]

  • Am 7. August 819 restituierte Kaiser Ludwig der Fromme dem Kloster Hornbach dessen Besitz bei der ecclesia, quae dicitur Apponis (Kirche, die Appos' genannt wird). Der Klosterbesitz war zu Zeiten seines Vaters Karl dem Kloster widerrechtlich entzogen worden.[2]
  • Am 18. Dezember 833 bestätigte Kaiser Lothar I. dem Kloster Hornbach erneut denselben Besitz, der einst dem Kloster widerrechtlich entzogen worden war in loco qui dicitur ecclesia Abbonis (an dem Ort, der Kirche des Abbo genannt wird).[3]
  • Am 28. Juni 888 schenkte König Arnulf dem Edlen Folkwin sechs Hufen nebst fünf Hörigen im Bliesgau, in villis que dicuntur … et Appenchiricha (in den Weilern, die … und Appenchiricha genannt werden).[4]
  • Am 25. Mai 1046 schenkte König Heinrich III. dem Hochstift Metz Besitzungen in villa que dicitur sancti Arnualis … in comitatu Happinchiricha et in pago Rosselegouue (in dem Weiler, der Sankt Arnual genannt wird … in der Grafschaft Happinchiricha und im Gau Rosselgau).[5] Die Urkunde ist nur in später verfälschter Form überliefert. Da St. Arnual im Rosselgau, Habkirchen im Bliesgau lag, hat die nach dem Zentralort Habkirchen benannte Grafschaft zu dieser Zeit Blies- und Rosselgau umfasst.
  • Neun Urkunden der Jahre 1290 bis 1327 behandeln das Patronatsrecht an der Pfarrkirche in Habkirchen.[6]

Religion[Bearbeiten]

Die Bevölkerung von Habkirchen ist größtenteils katholisch. Die Katholiken gehören zur Pfarrei St. Martin, die dem Pfarrverband Blieskastel im Dekanat Saarpfalz zugeordnet ist, das wiederum Teil des Bistums Speyer ist.[7]

Die evangelischen Christen gehören zur protestantischen Kirchengemeinde Ensheim, die auch über eine Kirche in Ormesheim verfügt, in der mindestens einmal im Monat Gottesdienste stattfinden.

Politik[Bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Ortsrat:[8]

(Stand: Juli 2009)

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

  • 1984–1989 Dieter Starck CDU
  • 1994–1999 Manfred Nagel Freie Wählergruppe
  • 1999–2004 Karl Welsch SPD
  • 2004–2008 Clemens Schindler CDU
  • 2008– Wieland Eckardt CDU[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wegekreuz von 1664
Zollmuseum Habkirchen

Sehenswert ist die katholische Pfarrkirche St. Martin von 1768, mit romanischem Turm aus dem 12. Jahrhundert. In der Zweibrücker Straße befindet sich auch der mit einer hohen Mauer umgebene Sommersitz von Leon Jaunez (Saargemünd) aus dem Jahr 1879. An der Hauptstraße befindet sich ein Kreuz, vermutlich das einzig erhaltene Kreuz des einstigen Kreuzweges des Klosters Gräfinthal von 1664. Mitten im Ort steht die katholische Annakapelle, die nach ihrer völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1949/50 in alter Form wieder aufgebaut wurde.

Sehenswert sind ebenfalls das Zollmuseum Habkirchen an der Freundschaftsbrücke und die Burgruine im benachbarten französischen Frauenberg.

Von den Anhöhen zwischen Bebelsheim und Habkirchen hat man einen sehr guten Blick ins Mandelbachtal.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung: Das Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld (Gemarkung Wittersheim), der Optische Telegraf (Gemarkung Bebelsheim), Wallfahrtsort und Naturbühne Gräfinthal (Gemarkung Bliesmengen-Bolchen), das Haus der Dorfgeschichte in Bliesmengen-Bolchen und der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

Fußball[Bearbeiten]

In Habkirchen gab es eine einzigartige Form der Zusammenarbeit des Fußballvereins FC Habkirchen mit dem Fußballclub des benachbarten französischen Frauenberg. 2004 wurde gemeinsam die erste grenzüberschreitende Spielgemeinschaft (SG) eines saarländischen und eines lothringischen Fußballvereins gegründet. Die erste Mannschaft der SG spielte in der deutschen Landesliga, trug aber mit Sondergenehmigung des Saarländischen Fußballverbandes ihre Heimspiele auf dem Rasenplatz des französischen Partnervereins aus. Die deutsch-französische Kooperation FC Habkirchen-Frauenberg ruht ab der Saison 2013/2014 und es wurde keine aktive Mannschaft gemeldet. Der FC Habkirchen-Frauenberg verschwindet damit trotz Klassenverbleib aus der Landesliga Ost und vorerst komplett aus dem saarländischen Fußball.[10][11]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Deutsch-Französisches Brückenfest (alle zwei Jahre an der Freundschaftsbrücke, zuletzt 2013)
  • Kerb (Kirchweihfest) am zweiten Wochenende im November
  • Kapellenfest (jährlich zur Finanzierung der Renovierung der Kapelle)
  • Deutsch-Französischer Ostermarkt an Palmsonntag

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Kindergarten, Dorfgemeinschaftshaus, Friedhof, Einsegnungshalle, Katholische Kirche St. Martin, Feuerwehrhaus, Annakapelle

Verkehr[Bearbeiten]

Die Anbindung erfolgt über die Bundesstraße 423.

Vereine und Verbände[Bearbeiten]

Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Habkirchen e.V., Kolping, Heimat- und Geschichtsverein Mandelbach-Habkirchen, Angelsportverein, Obst und Gartenbauverein,Tischtennisfreunde Habkirchen (TTF).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heimat- und Geschichtsverein Mandelbachtal-Habkirchen (Hrsg.): Habkirchen – wie es war und ist – Einwohner der Pfarrei St. Martin Habkirchen. B. Faber GmbH Verlag, 2006.
  • Verkehrsverein Mandelbachtal e.V. (Hrsg.): Grenzerfahrungen – Das Zollmuseum in Habkirchen, Mandelbachtal, 3. Auflage 2010.
  • Verkehrsverein Mandelbachtal e.V. (Hrsg.): Perle am Wegesrand – Die Sankt Annakapelle in Habkirchen, Mandelbachtal 2011.
  • Verkehrsverein Mandelbachtal e.V. (Hrsg.): Die Wappen der Gemeinde Mandelbachtal und ihrer acht Gemeindebezirke, Mandelbachtal 2009.
  • Verkehrsverein Mandelbachtal e.V. (Hrsg.): Kanutouren auf der Blies, Mandelbachtal, 2. Auflage 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Habkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 809.
  2. Monumenta Boica, Band 31.1, München 1836, S. 43 (Digitalisat), Urkunde Nr. XVII.
  3. Theodor Schieffer (Hrsg.): Diplomata 5: Die Urkunden Lothars I. und Lothars II. (Lotharii I. et Lotharii II. Diplomata). Berlin 1966, S. 84 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat), Urkunde Nr. 16.
  4. Paul Kehr (Hrsg.): Diplomata 10: Die Urkunden Arnolfs (Arnolfi Diplomata). Berlin 1940, S. 49 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat), Urkunde Nr. 33.
  5. Harry Bresslau und Paul Kehr (Hrsg.): Diplomata 16: Die Urkunden Heinrichs III. (Heinrici III. Diplomata). Berlin 1931, S. 195–196 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat), Urkunde Nr. 154.
  6. Franz Xaver Glasschröder: Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, München 1903, S. 284–288, Urkunden Nr. 701, 702, 706, 707, 711, 712, 714, 715, 716. Online
  7. St. Martin, Habkirchen Auf: cms.bistum-speyer.de, abgerufen am 25. Juni 2012
  8. Ortsräte Mandelbachtal (PDF; 263 kB), Auf: www.mandelbachtal.de, abgerufen am 26. Juni 2012
  9. Ortsvorsteher Gemeinde Mandelbachtal (PDF; 176 kB), Auf: www.mandelbachtal.de, abgerufen am 26. Juni 2012
  10. saarbruecker-zeitung.de: Gerüchte um die Zukunft des FC Habkirchen
  11. scbonline.ath.cx: Habkirchen-Frauenberg: Die Gründe für das Aus