Saargemünd

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Sarreguemines
Saargemünd
Wappen von Sarreguemines
Sarreguemines (Frankreich)
Sarreguemines
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Moselle (57)
Arrondissement Sarreguemines
Kanton Sarreguemines (Chef-lieu)
Gemeindeverband Sarreguemines Confluences
Koordinaten 49° 7′ N, 7° 4′ OKoordinaten: 49° 7′ N, 7° 4′ O
Höhe 192–293 m
Fläche 29,96 km²
Einwohner 20.820 (1. Januar 2018)
Bevölkerungsdichte 695 Einw./km²
Postleitzahl 57200
INSEE-Code
Website http://www.sarreguemines.fr/de

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Saargemünd (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i, französisch Sarreguemines, Platt Saargemìnn, Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) ist eine französische Stadt mit 20.820 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Département Moselle in der französischen Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (Arrondissement Sarreguemines) sowie Hauptort des Kantons Sarreguemines. Die Einwohner nennen sich Sarregueminois (im örtlichen rheinfränkischen Dialekt Saagemìnner; deutsch Saargemünder).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordostufer der Saar in Saargemünd, von der Europabrücke aus gesehen

Saargemünd liegt im Nordosten Frankreichs, unmittelbar an der Grenze zum deutschen Bundesland Saarland, auf 222 m ü. NHN. In Saargemünd mündet die Blies in die Saar, die über den Saarkanal mit dem Rhein-Marne-Kanal (Canal de la Marne au Rhin) verbunden ist.

Zu Saargemünd gehören die Ortsteile Neunkirchen, Wölferdingen (beide 1964 eingemeindet) sowie das 1971 eingemeindete Folpersweiler.

Nachbargemeinden von Saargemünd sind Kleinblittersdorf im Norden, Bliesgersweiler und Frauenberg im Nordosten, Bliesebersingen im Osten, Saareinsmingen im Südosten, Remelfingen und Neuscheuern im Süden, Hambach und Wustweiler im Südwesten, Iplingen im Westen sowie Ruhlingen und Großblittersdorf im Nordwesten.

Herkunft des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name ist abgeleitet vom deutschen Wort Gemund (in alten Dokumenten latinisiert gemundia) und bezieht sich auf den Zusammenfluss von Saar und Blies innerhalb des Stadtgebietes.

Alte Namen sind Gumunde (1237), Gemindt/Gemündt (1380), Gemüde (1471), Sargemünt (1577), Saargemünde (1592), Sar-gemünd (1636), Gemünd an der Sar (1645), Sargueminde (1661), Zargueminde (1698).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 706 erstmals als Gaimundas erwähnt, 1577 dann erstmals mit dem Saar-Zusatz (Sargemünt). Eine zu Guemunde französisierte Namensform tauchte 1594 auf. Von 1679 bis 1697 war Saargemünd schon einmal französisch besetzt, bevor es 1766 für 105 Jahre zu Frankreich kam.

Im Jahr 1861 hatte Saargemünd 6075 Einwohner.[2] Von 1871 bis 1919 gehörte Saargemünd als Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen zum Deutschen Kaiserreich. Die Stadt war Verwaltungssitz des Landkreises Saargemünd. Um 1900 hatte Saargemünd eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium[3] mit Realschulklassen, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein ehemaliges Kapuzinerkloster, eine Oberförsterei, Schifffahrt, ein Hauptsteueramt und war Sitz eines Landgerichts.[4]

Zwischen 1919 und 1940 französisch, war es im Zweiten Weltkrieg früh von deutschen Truppen besetzt und ab 1940 von NS-Deutschland annektiert (CdZ-Gebiet Lothringen). Anfang Dezember 1944 wurde Saargemünd von amerikanischen Truppen eingenommen und gehört seither wieder zu Frankreich.

Das Casino am Saarufer
Keramikbild an der Fassade des Casinos

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährliche Bevölkerungszahlen während der Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen (1871–1919)
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1871 6863 in 577 Gebäuden, darunter 685 Protestanten, sechs Mennoniten und 364 Israeliten[5]
1872 6802 [6]
1890 13.076 [2]
1905 14.932 mit der Garnison (vier Eskadrons bayerische Chevaulegers Nr. 5, ein bayerisches Infanterieregiment Nr. 23); meist katholische Einwohner[4] nach anderen Angaben 14.919 Einwohner[2]
1910 15.384 davon 11.495 Katholiken, 3384 Evangelische und 436 Juden; 611 mit französischer Muttersprache und 58 mit italienischer Muttersprache [2][7]
Anzahl Einwohner seit Mitte des 20. Jahrhunderts
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2017
Einwohner 17.866 24.846 25.684 24.763 23.117 23.202 21.835 20.783

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist die Stadt für ihre einst blühende Keramikproduktion. Die um die ehemalige «Wackenmühle» herum an der Blies gelegene Fertigungsstätte der alten Fayencerie (Steingutmanufaktur) ist als Museum hergerichtet und kann besichtigt werden, zudem die Schenkung France und Wolfgang Kermer mit Werken von rund einhundert französischen Keramikern aus dem Zeitraum 1970–2000.[8] Der im ehemaligen Fabrikareal angelegte Garten wurde nach seiner Restrukturierung in das Ensemble der Gärten ohne Grenzen der Großregion SaarLorLux aufgenommen. Insbesondere aus der Epoche des Jugendstils stammen bedeutende Bauwerke. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das Casino am Saarufer. Bei diesem Gebäude handelt es sich um ein Bauwerk, das für die Arbeiter der Fayencerie errichtet wurde. Es enthält einen Saal für kulturelle Veranstaltungen sowie ein Restaurant. Die Fassade wird von Keramikbildern geziert.

Arbeitersiedlung der Keramikfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1868 wurde eine Arbeitersiedlung (Cité ouvrière) rechts der Saar neben der Fabrik, heute Avenue Cité des Faïenceries, gebaut. Zweistöckige Doppelhäuser mit je 4 Wohnungen in 3 Reihen zu je 4 Häusern. In einer 4. und 5. Reihe standen größere Häuser, die in der Zwischenzeit zum Teil abgerissen wurden. Jedes Haus ist von einem Garten umgeben, der der Selbstversorgung diente. Die Fabrik am Saarufer war fußläufig erreichbar. Die Siedlung entsprach dem Gartenstadt Modell: kleine Wohneinheiten mit viel Platz für Licht und Luft. Die Belegung der Wohnungen entsprach der Hierarchie in der Fabrik: die höheren Angestellten (cadres) bewohnten die erste Reihe, dann kamen die Vorarbeiter (chefs d'équipe) und schließlich die einfachen Arbeiter. Es gab größere Wohnungen für kinderreiche Familien. Die Mieten waren so niedrig, das die Fabrik immer Verluste ausgleichen musste.[9] Auch nach dem Niedergang ab 1978 und der Schließung der Fabrik 2007 blieb die Siedlung bestehen, nach 2000 wurde sie durch neue, moderne Häuser im selben Stil erweitert.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt verfügt über ein reichhaltiges kulturelles Angebot.

  • Seit einem Jahrzehnt wird jährlich das Mundart-Festival „Mir redde platt“ ausgerichtet. Es dient der Erhaltung der regionalen (deutsch-)lothringischen Mundart, die ihre Wurzeln im Rheinfränkischen hat. Das Festival erstreckt sich über mehrere Wochen und verbindet in einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm die Bereiche Kunst, Kultur und Wissenschaft.
  • Im März eines jeden Jahres findet eine Antik-Keramikmesse statt. Sie wird veranstaltet im Hinblick auf die lange Keramiktradition der Stadt, die im 20. Jahrhundert zu den führenden Keramikherstellern Europas gehörte. Angeboten werden kunsthandwerkliche Objekte wie Steingut, Porzellan, Feinsteinzeug, Emaille, Terrakotten und Majoliken.
  • Neben dem Rathaus befindet sich ein Keramik-Museum, dessen ursprünglicher Wintergarten mit künstlerisch wertvollen Keramikwänden ausgestattet ist. Neben einer ständigen Ausstellung keramischer Objekte finden regelmäßig Wechselausstellungen statt.
  • Ende Juni eines jeden Jahres findet über einen Zeitraum von einigen Tagen in der gesamten Innenstadt das Saint Paul Festival statt. Kernpunkt des Festivals ist ein traditioneller Markt, auf dem regionale Produkte jedweder Art angeboten werden. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das „Straßentheater-Festival“, das Bestandteil des St. Paul Festivals ist und mittlerweile zu einem der beliebtesten Festivals seiner Art in Ostfrankreich gehört.
  • An einem August-Wochenende findet die Vélo SaarMoselle statt, eine Veranstaltung, die Radwandern mit Kulturerlebnissen und Kulinarik verbindet. An zahlreichen Orten einer Tages-Rundstrecke, die auch über die Grenze ins benachbarte Saarland führt, werden kulturelle Veranstaltungen wie auch kulinarische Spezialitäten der Region angeboten.
  • Seit einigen Jahren verfügt die Stadt über eine Mediathek, in der auch kulturelle Veranstaltungen wie das oben erwähnte Festival „Mir redde platt“ stattfinden.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Saargemünd sind unter anderem ein großes Reifenwerk der Continental AG und der Packmittelhersteller Essentra angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Route nationale 61 ist die Stadt an die südlich verlaufende Autoroute A4 (Paris-Straßburg) und über die Bundesstraße 51 sowie die N61 an die Autoroute A320 bzw. die Bundesautobahnen 6 und 620 angebunden.

Bahnverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saarbahn an Gleis A

Bis 1945 war die Stadt über die Bliestalbahn über Blieskastel bis Homburg an die Bahnstrecke Mannheim–Saarbrücken angebunden. Der Personenverkehr wurde nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen. Bis 1954 wurde von der SNCF die Strecke bis Bliesbruck betrieben.

Die Stadt war auch bis 1996 durch die Bahnstrecke Haguenau–Falck-Hargarten über Bitsch und Niederbronn mit Haguenau verbunden, sowie bis 2000 durch die Bahnstrecke Berthelming–Sarreguemines über Sarralbe und Sarre-Union mit Sarrebourg. Züge kehrten danach bis 2011 in Bitsch und bis 2018 in Sarre-Union um, und seither werden beide Abschnitte im Schienenersatzverkehr durch Busse bedient. Zeitweise gab es auch direkte Zugverbindungen über Château-Salins mit Nancy durch die Bahnstrecke Champigneulles–Sarralbe und über Creutzwald mit Diedenhofen.

Heute verkehren Züge nur noch auf den Strecken in Richtung Metz, Saarbrücken und Straßburg. Seit 1997 gibt es die Saarbahn, welche Saargemünd über die Bahnstrecke Saarbrücken–Saargemünd direkt mit der Saarbrücker Innenstadt und weiteren saarländischen Gemeinden im Nahverkehr verbindet. Die Züge fahren in den Hauptzeiten im 30 Minuten-Takt.

→ Zur Geschichte des Bahnhofes und seiner Strecken siehe Bahnhof Saargemünd

Radwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saargemünd ist Knotenpunkt verschiedener Radfernwege. Nach Süden führt der Radweg auf dem ehemaligen Leinpfad am Saarkanal entlang bis zum Rhein-Marne-Kanal. Nach Norden begleitet der Radweg die Saar bis zur Mündung in die Mosel bei Konz. Nach Osten führt der Glan-Blies-Radweg an Blies und Glan bis Staudernheim an der Nahe.

Wasserstraßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saargemünd liegt an der Saar, die von hier ab schiffbar ist. Flussaufwärts beginnt der Saarkanal, der mit dem Canal de la Marne au Rhin verbunden ist.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ewald Crusius: Die Veränderungen der Volksdichte in den lothringischen Kreisen Forbach und Saargemünd 1801–1910. Metz 1913.
  • Marianne Haas-Heckel: Wärterbuuch vum Saageminner Platt. Lexique du dialecte de la région de Sarreguemines. Bordeaux 2001.
  • Saargemünd, Lothringen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Saargemünd.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sarreguemines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Sarreguemines – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dictionnaire topographique de l'ancien département de la Moselle – Ernest de Bouteiller (Geschrieben 1868)
  2. a b c d M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  3. : Programm des Kollegiums zu Saargemünd für das Schuljahr 1872–1873 (E-Kopie)
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 351, (online);
  5. Georg Lang: Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 141 (online).
  6. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 53 (online)
  7. Saargemünd, Lothringen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Saargemünd.
  8. Céramique française 1970–2000: Donation France et Wolfgang Kermer. Sarreguemines: Editions Musées de Sarreguemines, 2018, ISBN 978-2-91375-924-4
  9. Hamman Philippe. Le changement de sens des faïenceries de Sarreguemines. In: Les Annales de la recherche urbaine, N°92, 2002. Ce qui demeure. pp. 105–114