Hans Leistikow

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Dieser Artikel behandelt den Graphiker. Zum gleichnamigen Offizier, siehe Hans Leistikow (General).

Hans Leistikow (* 4. Mai 1892 in Elbing; † 22. März 1962 in Frankfurt am Main) war ein Grafiker, der ab 1925 am Projekt Neues Frankfurt arbeitete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Leistikow war der Neffe des Malers Walter Leistikow, Grete Leistikow seine jüngere Schwester. Er war ein Student der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau. Während seines Aufenthaltes in Breslau arbeitete er oft mit den bekannten Architekten auf dem Gebiet der Gestaltung von Innenräumen und Farbgebung der Gebäude. 1922 erster Kontakt mit Ernst May, der als Direktor der Schlesischen Heimstätte, Leistikow mit der Farbgestaltung von Siedlungen beauftragte.[1] Er projektierte die Glasfenster für die von Max Berg entworfene Kapelle auf dem Oswitzer Friedhof in Breslau. Er gestaltete mit Adolf Rading zusammen die Innenausstattung der von Rading 1925 zum ersten Mal umgebauten Mohrenapotheke am Blücherplatz (Salzring) in Breslau. Zwei Jahre später arbeiteten sie am Entwurf des Kriebel-Hauses mit. Die Werke von Leistikow zeigten plastische Vielfalt und Inspirationen der abstrakten Malerei.

Ernst May, mittlerweile Stadtbaurat in Frankfurt am Main, machte Leistikow von 1925 bis 1930 zum Leiter des grafischen Büros der Stadtverwaltung und beauftragte ihn mit der Gestaltung sämtlicher städtischer Drucksachen im Stil der Neuen Sachlichkeit. [1]

Leistikows Frankfurter Stadtwappen (von den Nazis 1936 wieder abgeschafft)

Ein sehr bekanntes Werk ist der Frankfurter Adler, eine in der Zeit des neuen Frankfurt viel beachtete, aber zugleich von Traditionalisten umstrittene Gestaltung des Frankfurter Stadtwappens aus den 1920er Jahren, die 1936 von den Nationalsozialisten abgeschafft wurde.

Zusammen mit seiner Schwester Grete Leistikow arbeitete er ab 1926 am Layout und der Titelgestaltung der Zeitschrift "das neue frankfurt". Ebenso nahmen sie Aufträge gemeinsam mit dem Grafiker und Städelprofessor Albert Windisch an.

1927-28 entwarf Leistikow im Auftrag Mays die „Siedlungstapeten“ für die Marburger Tapetenfabrik, diesem Beispiel folgte 1929 das Bauhaus und brachte seine „Bauhaus-Tapeten“ auf den Markt.[2]

Für die Siedlung Praunheim wurde von Hans Leistikow ein Farbkonzept entwickelt. Die zum Flusstal ausgerichteten Hauswände waren in Weiß gehalten, während die dem inneren Siedlungsbereich und den Wohnstraßen zugewandten Wände in Rot und Blau gestrichen waren.[3][4]

1930 folgte Leistikow mit seiner Schwester u.a. Ernst May in die Sowjetunion. 1937 werden die Geschwister als "unerwünschte Ausländer" ausgewiesen und kehren nach Deutschland zurück. Leistikow arbeitete als Maler und Grafiker in Berlin.[1]

1947 bis 1948 wird Leistikow wieder als Stadtgrafiker nach Frankfurt berufen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf Leistikow die bunten Glasfenster im Vestibül des Verwaltungsgebäudes der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein in Offenbach am Main. Diese Gebäude wurden vom Architekten Adolf Bayer in den Jahren 1953 und 1954 errichtet.[5] In Frankfurt am Main war er für einen Teil der Innenausstattung und die Chorfenster der Kirche Maria Hilf in den Jahren 1955 und 1956 verantwortlich. Von Leistikow stammt auch die neue Verglasung des Bartholomäusdoms von 1956 und die Fenster der Westend-Synagoge. Für das Nationaltheater Mannheim schuf Leistikow 1955 einen Mosaik-Figurenfries.

Leistikow war Mitbegründer der „Kasseler Schule“ und von 1948 bis 1959 Leiter der Graphikklasse der Kunstakademie in Kassel, der heutigen Kunsthochschule Kassel.

Leistikows Grab befindet sich auf dem Frankfurter Südfriedhof.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Exemplarisch: Hans Leistikow. Kassel 1995.
  2. Freund oder Feind, die Bauhaus-Tapete. Abgerufen am 28. Juli 2014.
  3. Das Neue Frankfurt. Heft 7/8, 1928.
  4. may-führung praunheim der ernst-may-gesellschaft Text der Führung (PDF).
  5. Keine Architektur von der Stange. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 8. September 2010, S. 47.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Stürzebecher u.a.: Exemplarisch: Hans Leistikow. in Projekt der Universität Gesamthochschule Kassel. Univ. Gesamthochsch., Fachbereich Visuelle Kommunikation, Kassel 1995, OCLC 75629223.
  • Susan R. Henderson: Building Culture: Ernst May and the New Frankfurt Initiative, 1926–1931. Peter Lang, New York 2013, ISBN 978-1-4539-0533-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]