Hans Sidonius Becker

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Hans Sidonius Becker (* 21. September 1895 in Pula in Istrien; † 16. Dezember 1948 in Santiago de Chile) war ein österreichischer Autor, Maler und Widerstandskämpfer. Er war einer der Mitbegründer der österreichischen Widerstandsgruppe O5.

Leben[Bearbeiten]

Hans Sidonius Becker wurde am 21. September 1895 als Sohn des k.k.Konteradmirals und Leiters der Marineakademie Fiume Alois Ritter von Becker (1842–1900) in Pula geboren[1] und machte 1913 seine Matura am dortigen k.u.k. Staatsgymnasium. Danach studierte er in Wien und inskribierte gleichzeitig an der Universität Wien für Rechtswissenschaften und an der Kunstgewerbeschule für Malerei und Architektur. Es brach jedoch bald der Erste Weltkrieg aus, Hans Sidonius Becker wurde zum Militärdienst eingezogen. Er schaffte es zum Oberleutnant.

Nach dem Krieg wurde er zunächst Bankbeamter. Von 1922 bis 1928 arbeitete er im Auftrag des Bundespressedienstes in Lateinamerika. Zurück in Wien war er von 1930 bis 1935 Mitglied der Künstlervereinigung Hagenbund,[2] der fortschrittlichsten Vertretung bildender Künstler in Österreich. Am 24. März 1929 wurde er in die Loge Zukunft der Großloge von Wien aufgenommen, einer seiner Bürgen war der Facharzt, Karl Kraus Anhänger und bekennende Sozialdemokrat Victor Hammerschlag[3]. Im gleichen Jahr heiratete er Annie Lieser, die Tochter von Henriette Amalie Lieser.[4] Seine Frau und der gemeinsame Sohn mussten 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus Österreich fliehen und konnten in die USA entkommen.[5]

1934 trat Becker der Vaterländische Front bei und wurde Leiter der Propagandaabteilung, er war direkt dem Generalsekretär Walter Adam unterstellt. Er engagierte sich besonders im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Er dürfte kein wirklicher Anhänger des Austrofaschismus gewesen sein und wird als ein eher liberaler Konservativer beschrieben, dafür war er ein entschiedener Gegner der "nazistischen Gefahr".[6] So fühlte er sich in seiner Arbeit und seinem Kampf durch das Juliabkommen 1936 von seiner eigenen Regierung in Stich gelassen, so wie wohl andere auch.

Dass er als wichtiges Mitglied der Vaterländischen Front nicht aus der Freimaurerei[7] austrat, ist ungewöhnlich. Das Verhältnis zwischen Regierung und Großloge war mehr als angespannt, so war es z.B. für einen Staatsbeamten im Ständestaat verboten Freimaurer zu sein. Er wurde noch im Jänner 1938 in den Vorstand der österreichischen Völkerbundliga gewählt[8], der Schwesterorganisation der Deutschen Liga für Völkerbund.

Nachdem am 12. März 1938 die Truppen des Deutschen Reiches in Österreich einmarschiert waren, wurde Hans Sidonius Becker am 14. März verhaftet und mit dem ersten Prominententransport[9] am 1. April 1938 ins KZ Dachau deportiert. Im September 1939 wurde er in das KZ Mauthausen überstellt, im Dezember 1940 entlassen.

Er kehrte nach Wien zurück und studierte Völkerkunde. Um erneut heiraten zu können, ließ er sich 1943 von Annie Lieser scheiden. Er wurde zwar von der Gestapo beobachtet, dieser fiel jedoch nicht auf, dass er sich weiterhin politisch gegen die Nationalsozialisten engagierte und die Widerstandsgruppe O5 mitbegründete. Am 28. Februar 1945 wurde er erneut verhaftet und am 1. April 1945 ins KZ Mauthausen deportiert.

Nach dem Krieg versuchte er vergeblich in der ÖVP Karriere zu machen. In Folge wurde er Diplomat. Nachdem sich die österreichische Freimaurerei nach dem Verbot und der Verfolgung durch den Nationalsozialismus wieder konstituiert hatte, trat er 1945 der Sammelloge Humanitas renata bei, jener Wiener Loge, welche jene 48 Überlebenden Freimaurer versammelte, die von den ca. 800 Wiener Freimaurern von vor 1938 übrig geblieben waren[10]. Nachdem er als Diplomat Wien verlassen musste, wurde er am 20. September 1946 auswärtiges Mitglied der wieder gegründeten Loge Zukunft[11].

Becker wurde im März 1947 österreichischer Generalkonsul in Brasilien und anschließend Geschäftsträger der Republik Österreich in Chile. Am 16. Dezember 1948 wurde er in Santiago de Chile von einem seiner Angestellten ermordet. Die Untersuchungen ergaben, dass es ein Eifersuchtsattentat gewesen sei[12][13].

Werke[Bearbeiten]

  • Hans Becker: Österreichs Freiheitskampf. Die Widerstandsbewegung in ihrer historischen Bedeutung. Wien, 1946.
  • Johannes Sydonius Ritter von Becker: aus seiner Tätigkeit in der Österreichischen demokratischen Widerstandsbewegung. DÖW, Nr.12032/2.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Urbanek: Realitätsverweigerung oder Panikreaktion? Vaterländische Kommunikationspolitik in Österreich. Masterarbeit an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2011, S. 18
  2. Die verlorene Moderne: Der Künstlerbund Hagen 1900–1938 Eine Ausstellung der Österreichischen Galerie Wien in Schloss Halbturn. Ausstellungskatalog, Halbturn 1993 dnb, S. 239
  3. Günter K. Kodek: Unsere Bausteine sind die Menschen. Die Mitglieder der Wiener Freimaurer-Logen 1869–1938. Wien, 2009 ISBN 978-3-85409-512-5, S. 34
  4. Alma Mahler-Werfel Biographie
  5. Norbert Knittler: Der verlorene Koffer. Eine Geschichte der österreichischen Freimaurerei während des Nationalsozialismus. Wien, 2004, S. 39
  6. Gerhard Urbanek: Realitätsverweigerung oder Panikreaktion? Vaterländische Kommunikationspolitik in Österreich. Masterarbeit an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2011, S. 19
  7. Norbert Knittler: Der verlorene Koffer. Eine Geschichte der österreichischen Freimaurerei während des Nationalsozialismus. Wien, 2004, S. 39
  8. Marcus G. Patka: Österreichische Freimaurer im Nationalsozialismus Wien 2010, ISBN 978-3-205-78546-0, S. 116
  9. Abbildung der Transportliste beim Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
  10. Marcus G. Patka: Österreichische Freimaurer im Nationalsozialismus Wien 2010, ISBN 978-3-205-78546-0, S. 173
  11. Günter K. Kodek: Unsere Bausteine sind die Menschen. Die Mitglieder der Wiener Freimaurer-Logen 1869–1938. Wien, 2009 ISBN 978-3-85409-512-5, S. 35
  12. Norbert Knittler: Der verlorene Koffer. Eine Geschichte der österreichischen Freimaurerei während des Nationalsozialismus. Wien, 2004, S. 39
  13. Gerhard Urbanek: Realitätsverweigerung oder Panikreaktion? Vaterländische Kommunikationspolitik in Österreich. Masterarbeit an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2011, S. 20