Hans Werner Ohse

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Hans Werner Ohse (* 17. Januar 1898 in Crivitz; † 3. Juli 1991 in Bad Doberan) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienkirche Boizenburg
Grab auf dem Neuen Friedhof in Bad Doberan

Hans Werner Ohse war ein Sohn des Gerichtssekretärs Karl Ohse. Er wuchs in Dargun auf, besuchte Schulen in Demmin, Greifswald und Wismar und studierte Germanistik und Evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen und Greifswald. 1924 trat er als Vikar in Bad Doberan in den Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs; zwei Jahre war er Pastor für Innere Mission in Rostock. 1927 wurde er auf die erste Pfarrstelle der Marienkirche in Boizenburg/Elbe berufen.

Ohse gehörte zu den ersten und schärfsten Kritikern der Machtübernahme der den Nationalsozialisten nahestehenden Deutschen Christen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Im Juni 1934 kam es deswegen zum Schweriner Prozess vor einem Sondergericht, in dem er zusammen mit sechs weiteren Pastoren (seinem jüngeren Boizenburger Kollegen Christian Berg, Gottfried Holtz, Henning Fahrenheim, Johannes Schwartzkopff, Viktor Wittrock aus Schwerin und Walter Pagels aus Rostock) wegen „Herabwürdigung“ des nationalsozialistischen Staates angeklagt war und wegen Verstoßes gegen die Heimtückeverordnung zu einer Geldstrafe von 1000 Reichsmark verurteilt wurde.[1] Im Zuge einer allgemeinen Amnestie wurde die Strafe jedoch erlassen. Ohse wurde nach Federow (heute Ortsteil von Kargow) zwangsversetzt und in Boizenburg durch den zu diesem Zeitpunkt noch den Deutschen Christen angehörenden Walter Wendorf ersetzt.

1937 ging er nach Virchow in Pommern (heute Wierzchowo (Powiat Drawski)), wohin ihn Gottfried Holtz geholt hatte.

1945 gelangte er als Flüchtling nach Großenheidorn, damals Schaumburg-Lippe. 1948 kehrte er nach Mecklenburg zurück und wurde Pastor an der Heiligen-Geist-Kirche (Rostock). Es folgten Pfarrstellen in Dömitz ab 1954 und in Gadebusch ab 1961. 1967/68 war er Propst in Gadebusch.

Ohse war auch in der Ausbildung von Katecheten tätig und Autor der Mecklenburgischen Kirchenzeitung.

Sein Sohn Traugott Ohse (* 1928) wurde ebenfalls Pastor in Mecklenburg und Landessuperintendent in Bad Doberan.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niklot Beste: Der Schweriner Prozess im Juni 1934. In: Heinrich Holze (Hrsg.): Die Theologische Fakultät Rostock unter zwei Diktaturen. Festschrift für Gert Haendler. Lit-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-6887-7
  • Stephan Sehlke: Das geistige Boizenburg: Bildung und Gebildete im und aus dem Raum Boizenburg. Norderstedt: BoD 2011 ISBN 9783844804232, S. 328
  • Uwe Wieben: Hans-Werner Ohse (1898-1991) ein widerständiger Pastor in Boizenburg. In: Streiflichter aus Boizenburg und Umgebung. Leipzig: Universitätsverlag 2016 ISBN 9783960230021, S. 153–157
  • Grete Grewolls: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Das Personenlexikon. Hinstorff Verlag, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01301-6, S. 7241.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beste: Prozess (Lit.)
  2. Zu ihm als Kind des Kirchenkampfes siehe Rahel Frank: Realer, exakter, präziser? Die DDR-Kirchenpolitik gegenüber der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs von 1971 bis 1989. Der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Ehemaligen DDR, 2. überarbeitete Auflage, Schwerin 2008, ISBN 978-3-933255-28-0, S. 198 ff