Haplologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Haplologie (von altgriechisch haploũs „einfach“, und lógos „Wort, Rede“) oder Silbenschichtung, scherzhaft manchmal unter Anwendung des Vorgangs auf sich selbst auch Haplogie, bezeichnet die Verkürzung zweier gleich oder ähnlich lautender Silben oder Phoneme zu einer Silbe oder einem Phonem. Dieser historische phonetische Prozess erleichtert die Aussprache. Eine solche Reduzierung oder Reduktion gilt nicht als Falschschreibung.

Beispiele von Haplologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Personenbezeichnungen auf -erer, also Nomina Agentis zu Verben auf -ern, wird bei der Ableitung der weiblichen Form die zweite Silbe -er ausgetauscht gegen -in, so wird aus Herausforderer nicht Herausfordererin, sondern Herausforderin:[1]

Silbenschichtungen finden sich in vielen Bereichen und Sprachen:

Die Haplologie spielt auch eine Rolle bei der Prägung wissenschaftlicher Organismennamen (Nomenklatur), die einen aus dem Lateinischen oder Altgriechischen abgeleiteten Wortstamm zeigen, etwa thalasso- („Meer[es]-“) + soma („Leib“) → Thalassoma (etwa: „Meerjungfrau“) statt Thalassosoma.

Bei der Benennung von Körperteilen im Rahmen der Nomenklatur (Anatomie) ergeben sich mitunter Probleme, wie etwa bei der Muskelart der Dilatatoren (Erweiterer, Verlängerer), abgeleitet von lateinisch dilatare („erweitern“). So wird im amerikanischen Englisch durch Haplologie das Wort dilatator zu dilator (abgeleitet aus englisch to dilate + -or). Dieses Wort kann aber im klassischen Latein lediglich „Zögerer“ oder „Zauderer“ bedeuten (zu diferre „verzögern“).

Verwandte Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reduplikation, Gegenteil von Haplologie: die Verdoppelung von Silben
  • Dittographie, Gegenteil von Haplographie: beim Schreiben eine der Haplologie ähnliche (auch unbeabsichtigte) Auslassung eines von zwei gleichgeschriebenen, aufeinander folgenden Elementen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willi Mayerthaler: Studien zur theoretischen und zur französischen Morphologie: Reduplikation, Echowörter, morphologische Natürlichkeit, Haplologie, Produktivität, Regeltelescoping, paradigmatischer Ausgleich. Niemeyer, Tübingen 1977, ISBN 3-484-10260-8, S. 53–78: Reduplikationsstrukturen und Haplologie.
  • Frans Plank: Morphologische (Ir-)Regularitäten: Aspekte der Wortstrukturtheorie. Narr, Tübingen 1981, ISBN 3-87808-813-2, S. 149–153: Horror Aequi.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Haplologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden-Sprachwissen: Weibliche Form von Personenbezeichnungen auf „-erer“. In: Duden online. 2006, abgerufen am 22. Januar 2021.