Harald Pickert

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Harald Pickert (* 29. Jänner 1901 in Leitmeritz; † 6. September[1] 1983 in Kufstein[2]) war ein österreichischer Grafiker.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harald Pickert wurde 1901 als Sohn des Rechtsanwalts Karl Pickert und dessen Frau Dolores, geb. Blumentritt, in Leitmeritz in Böhmen geboren. 1903 übersiedelte die Familie nach Kufstein, wo Karl Pickert eine Rechtsanwaltskanzlei eröffnete.[3]

Harald Pickert besuchte von 1920 bis 1923 die Kunstgewerbeschule München. 1928 zog er zurück nach Leitmeritz, wo er die 1873 von seinem Großvater erworbene Druckerei mit angeschlossenem Verlag übernahm.[4] 1930/31 studierte er Druckgraphik an der Akademie der bildenden Künste München.[5]

Als Herausgeber und Verleger etlicher regionaler und überregionaler Zeitungen verurteilte er das Regime des Nationalsozialismus und dessen Absicht zur Kriegsführung. Am 15. März 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die „Rest-Tschechei“, am 31. Oktober wurde Pickerts Büro durch Angehörige der SS und der Gestapo gestürmt. Harald Pickert wurde als „politischer Häftling“ zunächst im KZ Mauthausen, dann im KZ Sachsenhausen und zuletzt im KZ Dachau inhaftiert, wo er bis zur Befreiung durch die US-Armee 1945 überlebte.[4]

Nach dem Krieg war Harald Pickert in Kufstein als Grafiker und Maler tätig und schuf Radierungen und Kupferstiche, insbesondere Miniaturen und Exlibris, aber auch Landschaften in Öl und Aquarell. 2015 fanden seine Nachfahren in seinem Nachlass eine mit Pestbeulen Europas betitelte Mappe mit Zeichnungen aus dem KZ Dachau, die Pickert auf der Rückseite von Briefpapieren, auf Kartonstückchen oder Butterpapier angefertigt hatte und die das Grauen im Konzentrationslager dokumentieren.[4] Diese Zeichnungen wurden 2018/19 im Rahmen der Ausstellungen „Kunst 1938–1945“ im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und „Mythen der Diktaturen. Kunst in Faschismus und Nationalsozialismus“ im Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte erstmals öffentlich präsentiert.[6][7]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1980 Ehrenzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Kufstein
  • 1981 Berufstitel Professor
  • 1993 Benennung des Prof.-Harald-Pickert-Wegs in Kufstein[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pickert, Harald. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 3: K–P. E. A. Seemann, Leipzig 1956, S. 588.
  • Christoph Bertsch (Hrsg.): Kunst in Tirol, 20. Jahrhundert: wesentlich erweiterter und neu durchgesehener Bestandskatalog der Sammlung des Institutes für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck samt einer Dokumentation der Legate und Nachlässe in zwei Bänden. Band 2, Innsbruck 1997, S. 528–529 (urn:nbn:at:at-ubi:2-7291)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nach anderen Angaben am 24. Juni
  2. nach anderen Angaben (Bertsch 1997) in Mödling
  3. Hubert Berger: Von Leitmeritz nach Tirol. Die Geschichte der Familie Pickert – Teil 1: Von der Monarchie zum Ständestaat. meinbezirk.at vom 4. März 2015
  4. a b c Hubert Berger: Von Leitmeritz nach Tirol. Die Geschichte der Familie Pickert – Teil 2: Vom Anschluss ins Konzentrationslager und der Weg in die 2. Republik. meinbezirk.at vom 11. März 2015
  5. 00004 Harald Pickert im Matrikelbuch der Akademie der bildenden Künste München 1919–1931.
  6. Jahresprogramm 2018 der Tiroler Landesmuseen. Medieninformation der Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft m.b.H., 16. November 2017
  7. Carl Kraus, Hannes Obermair (Hrsg.): Mythen der Diktaturen. Kunst in Faschismus und Nationalsozialismus – Miti delle dittature. Arte nel fascismo e nazionalsocialismo. Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol, Dorf Tirol 2019, ISBN 978-88-95523-16-3, S. 250–251.
  8. Hubert Berger: Kufsteiner Künstler dokumentierte das Grauen in den Konzentrationslagern. meinbezirk.at vom 3. März 2015