Harry Frommermann

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Harry Frommermann (rechts sitzend) mit den Comedian Harmonists 1930

Harry Frommermann (* 12. Oktober 1906 in Berlin; † 29. Oktober 1975 in Bremen; in der Emigration Harry Frohman) war ein deutscher Sänger. Bekannt geworden ist er als Gründer, Arrangeur und 3. Tenor des Berliner Ensembles Comedian Harmonists.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frommermann stammte aus einer jüdischen Familie, sein Vater war gebürtiger Russe. 1922 beschloss Frommermann, eine Schauspielschule zu besuchen. Darüber zerstritt er sich mit seinem Vater. 1924 flog er von der Schauspielschule. Nach dem Tod seiner Mutter war er nun völlig auf sich allein gestellt.

1927 gab er eine Zeitungsanzeige auf:

„Achtung. Selten. Tenor, Baß (Berufssänger, nicht über 25), sehr musikalisch, schön klingende Stimmen, für einzig dastehendes Ensemble, unter Angabe der täglich verfügbaren Zeit gesucht.“

Berliner Lokal-Anzeiger, 18. Dezember 1927

Auf Grund der wirtschaftsschwachen Zeiten meldeten sich Hunderte von Bewerbern, so angeblich auch Johannes Heesters sowie die damals noch gleichermaßen völlig unbekannte Zarah Leander. Die meisten Bewerber waren jedoch völlig untalentiert. Frommermann war enttäuscht und wollte schon aufgeben, als Robert Biberti auf den Plan trat. Biberti liebte das erfolgreiche amerikanische Vokalensemble The Revelers genauso wie Frommermann. Sie beschlossen, gemeinsam mit Bibertis Kollegen etwas Ähnliches in Deutschland zu gründen: zunächst als „Melody Makers“, welche sich bald darauf Comedian Harmonists nannten. Als Arrangeur verfasste Frommermann die Chorsätze der Lieder.

Ab dem ersten Auftritt 1928 begann eine beispiellose Karriere des Ensembles. Zahlreichen Auftritten in Berlin folgten Schallplattenaufnahmen und mehrere Tourneen durch Deutschland und halb Europa. Wegen des starken Anteils jüdischer Mitglieder waren die Comedian Harmonists auch im nazikritischen Ausland relativ unverdächtig und beliebt. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gefiel der Erfolg der „jüdischen“ Gruppe überhaupt nicht, er setzte im Februar 1935 deren Auftrittsverbot in der Reichskulturkammer durch. Das Abschiedskonzert in Berlin war ein von Wehmut durchzogener letzter Riesenerfolg. Mit dem Verschwinden dieses sehr international orientierten Ensembles gab es in Deutschland keine Unterhaltungsmusik von internationaler Resonanz mehr.

Die drei jüdischen Mitglieder Harry Frommermann, Roman Cycowski und Erich Collin wanderten nach Wien aus, von wo aus sie unter dem Namen „Comedy Harmonists“ weiterhin erfolgreich Tourneen in aller Welt machten. Im Dezember 1941 wurden sie in New York vom Eintritt der USA in den Krieg überrascht, und das Ensemble fiel auseinander. Frommermanns Versuch, in New York mit einem anderen Ensemble neu anzufangen, scheiterte an Geldmangel. Frommermann wurde von der US-Armee eingezogen und änderte seinen Namen in Frohman. Wegen eines Dienstunfalls musste er nicht an die Front, sondern unterhielt als Entertainer die Verwundeten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er zurück nach Berlin und arbeitete als Übersetzer (unter anderem beim Nürnberger Prozess), später als Nachrichtenoffizier. Nach seiner Entlassung aus der Armee ging er nach Zürich und wurde Immobilienmakler. Ein Versuch, mit Collin ein neues Ensemble aufzubauen, missglückte. Daraufhin ging Frommermann 1949 nach Rom und arbeitete als künstlerischer Beirat beim Radio.

1951 kehrte er in die Schweiz zurück, um dort eine Import-Export-Firma aufzubauen. Auch dieser Versuch schlug fehl. Danach versuchte er, in den USA beim Fernsehen eine Anstellung zu bekommen, wurde jedoch nicht eingestellt. Seine Frau verließ ihn, eine neue Ehe wurde 1956 geschieden. Frommermann versuchte, sich als Packer im Hafen von New York über Wasser zu halten, später stellte er in einer Firma Alarmanlagen her. Er jobbte als Hilfsbuchhalter, Taxifahrer und verkaufte Küchenmöbel. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich fortwährend.

Musikalisch startete er ab Herbst 1953 in New York einen neuen Versuch als "Harry M. Frohman - The Vocal Orchestra", bei dem er als Ein-Mann-Orchester mit seiner Stimme Instrumente imitierte und per Tonband zusammenschnitt. Von diesen Experimenten ist nur eine Aufnahme von Rimski-Korsakows "Hummelflug" erhalten geblieben.[1][2]

Bereits während seiner Zeit als amerikanischer Soldat hatte Frommermann die Deutsche Erika von Späth kennengelernt und über Jahre mit ihr Briefkontakt gehalten. 1960 beantragte er auf ihren Rat Entschädigung für den Verlust seiner Existenz durch die Nürnberger Rassengesetze des Dritten Reichs. 1962 erhielt er eine lebenslange Rente zugesprochen, kehrte nach Deutschland zurück und zog mit Erika von Späth zusammen. Er war nun ständig krank und starb 1975 mit 69 Jahren in Bremen. Er liegt dort auf dem Riensberger Friedhof, Grabstelle T299.

Ebenfalls 1975 drehte Eberhard Fechner seinen bekannten Dokumentarfilm über die Comedian Harmonists. Es hatten auch bereits Vorgespräche für das Interview mit Frommermann stattgefunden, er starb jedoch 14 Tage vor Beginn der Dreharbeiten. Im Film wurden daher Frommermanns Lebensgefährtin Erika von Späth und seine erste Frau Marion interviewt.

In Joseph Vilsmaiers Film Comedian Harmonists wurde Frommermann von Ulrich Noethen verkörpert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIE STORY DER COMEDIAN HARMONISTS. Abgerufen am 20. September 2017.
  2. Harry Frommermann | Comedian Harmonists. Abgerufen am 20. September 2017 (deutsch).