Hauptstadt der Bewegung

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München entwickelte sich im Nationalsozialismus zum Zentrum für den Aufstieg der sogenannten Bewegung Hitlers.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wahlmünchner Thomas Mann hatte erkannt, wie sehr sich sein Wohnort gegenüber der Vorkriegszeit zu einer rechten Hochburg entwickelt hatte. In einer Rede, die er im November 1926 auf einer Veranstaltung der DDP hielt, sagte er:[1]

Wir haben uns des renitenten Pessimismus geschämt, der von München aus der politischen Einsicht Berlins, der politischen Sehnsucht einer ganzen Welt entgegengesetzt wurde; wir haben mit Kummer sein gesundes und heiteres Blut vergiftet gesehen durch antisemitischen Nationalismus und Gott weiß welch finstere Torheiten. Wir mußten es erleben, daß München in Deutschland und darüber hinaus als Hort der Reaktion, als Sitz aller Verstocktheit und Widerspenstigkeit gegen den Willen der Zeit verschrien war, mußten hören, daß man es eine dumme, die eigentlich dumme Stadt nannte.

Im Frühjahr 1934 bezeichnete Adolf Hitler in einer Rede München als „die Hauptstadt der Kunst und unserer Bewegung“,[2] ein Begriff, der die bayerische Landeshauptstadt als NS-Ehrentitel während der NS-Herrschaft seit 1935 prägte.

Hitler lebte seit 1919 in München, wo die NSDAP gegründet wurde. Mit seinem Stoßtrupp Adolf Hitler, als Keimzelle der SS, unternahm er hier seinen als Hitlerputsch bekannt gewordenen, gescheiterten Umsturzversuch. Im darauf folgenden Münchner Strafprozess wurde er nur zu äußerst milder Festungshaft in Landsberg verurteilt, wo er sein 1925 erschienenes Buch Mein Kampf verfassen konnte.

Braunes Haus im Innern

Im Jahr 1933 startete bei München, mit der Errichtung des KZ Dachau, der systematisch organisierte nationalsozialistische Terror. Am von Hitler auch „königlicher Platz“ genannten Königsplatz entstand 1934 in Nachbarschaft zur NSDAP-Parteizentrale Braunes Haus ein repräsentatives NSDAP-Parteiviertel mit u. a. Verwaltungsbauten nebst Ehrentempeln für die Blutzeugen der Bewegung.[3] Das Braune Haus wurde im Krieg zerstört, an seiner Stelle wurde am 30. April 2015 ein NS-Dokumentationszentrum eröffnet.

zur weiteren NS-Geschichte der Stadt München.

Zum Münchener Ehrentitel passte das am 18. Juli 1937 mit der Großen Deutschen Kunstausstellung eröffnete Haus der Kunst. Parallel dazu fand die zum abschreckenden Beispiel stilisierte Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ in den Hofgartenarkaden statt. München war auch eine der fünf sogenannten Führerstädte (München, Hamburg, Nürnberg, Linz und Berlin), für die Hitler gigantomanische Umbaupläne anfertigen ließ. Auch weitere Städte im NS-Machtbereich bekamen nationalsozialistische Ehrentitel.

NS-Dokumentationszentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 30. April 2015, 70 Jahre nach der Befreiung Münchens und mehr als 90 Jahre nach der Gründung der NSDAP in der Hauptstadt der Bewegung besteht am Ort des Braunen Hauses eine Gedenkstätte: das NS-Dokumentationszentrum.

Adolf Hitler vor Feldherrnhalle 11.11.1939 nach Attentat in München

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Münchner Stadtmuseum: München – „Hauptstadt der Bewegung“. Ed. Minerva, Wolfratshausen 2002, ISBN 3-932353-63-3.
  • Maik Kopleck: PastFinder München 1933–1945. Stadtführer zu den Spuren der Vergangenheit. 2., aktual. Auflage. Christoph Links Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-86153-354-5.
  • Architekturmuseum München; Winfried Nerdinger (Hrsg.): Ort und Erinnerung. Nationalsozialismus in München. Salzburg/ München 2006, ISBN 3-7025-0528-8.
  • Mathias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925–1933: Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Oldenbourg Verlag, 2002, ISBN 3-486-56670-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens, Die Zeit der Weltkriege 1914-1945, S. 329f, 3. Auflage 2016, C.H.Beck, München 2011, ISBN 978 3 406 59236 2
  2. In Zeitungen vom 2. August 1935 wurde dann gemeldet, Hitler habe der Stadt diesen Titel verliehen.Die Chronik Bayerns. 3. Auflage. Chronik Verlag, 1994, S. 488.
  3. Nach Kriegsende wurde dieser Bau gesprengt, siehe auch: Architektur im Nationalsozialismus#München