Hausen (Obertshausen)

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Hausen
Wappen von Hausen bis zur Zusammenlegung mit Obertshausen
Koordinaten: 50° 4′ 33″ N, 8° 51′ 51″ O
Höhe: 111 m ü. NHN
Fläche: 4,82 km²[1]
Einwohner: 12.672 (2007)
Bevölkerungsdichte: 2.629 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1978
Postleitzahl: 63179
Vorwahl: 06104
Stadtteil Hausen, im Vordergrund Lämmerspiel
Stadtteil Hausen, im Vordergrund Lämmerspiel

Hausen ist ein Stadtteil der Stadt Obertshausen im südhessischen Landkreis Offenbach und ist Sitz der Stadtverwaltung.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hausen liegt auf einer Höhe von 112 m über NN, etwa 8,5 km südöstlich von Offenbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Hausen stammt aus dem Jahr 1069: Damals erlaubte König Heinrich IV. dem St. Jakobskloster zu Mainz Land im Dreieichforst neu zu roden. Das Land lag in der Nähe des Dorfes „Hyson“ in pago Moinegowe in comitatu Gerhardi comitis (im Maingau in der Grafschaft des Grafen Gerhard). Die Herren von Hausen, eine Seitenlinie der Hagenhausener, hatten hier Besitz.

Hausen lag im Amt Steinheim, das zunächst den Herren von Eppstein gehörte und ab 1371 als Pfand je zur Hälfte den Grafen von Katzenelnbogen und den Herren von Hanau. 1393 gelangte das Pfand insgesamt an die Herren von Kronberg. Vom Mittelalter bis 1819 gehörte Hausen zur Biebermark.

Das örtliche Kirchenpatrozinium lag bei Josef von Nazaret. Die Gemeinde gehörte zunächst zusammen mit der von Lämmerspiel zu Großsteinheim, ab 1576 zu der verselbständigten Pfarrei von Lämmerspiel. 1842 wurden dann diese beiden Gemeinden jeweils verselbständigt.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Hausen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Hyson (1069)
  • Husen (1223)
  • Husen posterior (1287)
  • Hinderhusen (1302)
  • Husen (1317)
  • Hausen hinder der Sonnen (1337)
  • Husin hinder der Sonnen (1339)
  • Husen hindir der Sonnen (1397)
  • Hausen in der Sunnen (1524)
  • Husen hinder Simen (16. Jahrhundert)
  • Hausen (1616)

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1425 verkaufte Gottfried von Eppstein das Amt Steinheim an das Kurfürstentum Mainz. In den Jahren 1631 bis 1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg (1609–1632) und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg (1612–1636), die mit ihm verbündet waren, damit aus.[2] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Hausen wieder an Kurmainz. Der Dreißigjährige Krieg und die Pest-Epidemie von 1636 dezimierten die Einwohnerschaft stark.

Im Jahr 1664 verkaufte Erzbischof Johann Philipp von Mainz seinem Bruder Philipp Erwein von Schönborn die Dörfer Hausen und Obertshausen für 9.000 Gulden. Die Fürsten von Isenburg-Birstein erhielten 1806 die Landeshoheit über das Schönbornsche Amt Heusenstamm mit Hausen. Mit der Auflösung des Rheinbundes kam das Fürstentum südlich des Mains zu Großherzogtum Hessen. Nach der Aufteilung der Biebermark 1819 wurden Anteile des Markbesitzes Hausen als Gemeindewald zugewiesen. Innerhalb des Großherzogtums gehörte Hausen bis 1821 Patrimonialherrschaft der Grafen von Schönborn und anschließend zu folgenden Verwaltungseinheiten des Großherzogtums:

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbständigen Gemeinden Obertshausen und Hausen per Gesetz zusammengelegt.[3] Die Gemeinde hieß zunächst „Hausen“. Am 1. Januar 1978 folgte die Umbenennung zu „Obertshausen“.[4] Beide Stadtteile sind räumlich durch die Bundesstraße 448 voneinander getrennt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1576: 0010 Haushaltungen
  • 1829: 0377 Einwohner
  • 1939: 2034
  • 1961: 5318
  • 1970: 9201
Hausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
444
1840
  
495
1846
  
532
1852
  
580
1858
  
572
1864
  
583
1871
  
643
1875
  
676
1885
  
807
1895
  
925
1905
  
1.175
1910
  
1.346
1925
  
1.631
1939
  
2.034
1946
  
2.804
1950
  
3.127
1956
  
3.746
1961
  
5.318
1967
  
7.926
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Persönlichkeiten der ehemaligen Gemeinde Hausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Valentin Mahr (* 1908; † 1972), von 1951 bis 1971 erster hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Hausen
  • Pfarrer Peter Valentin Schwahn (* 1889; † 1964), erster Pfarrer und erster Ehrenbürger der Gemeinde Hausen
  • Marie Friederike Vetter (* 1904; † 1995), Unternehmerin
  • Jakob Wolf (* 1899; † 1982), Mitbegründer der ehemaligen Ymos AG

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 30. Juni 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Wappen von Hausen
Blasonierung: „Schild von Gold und Rot geteilt (Hanau bzw. Schönborn). Oben ein grüner Eichenzweig mit drei Eicheln (Bannforst Dreieck), unten eine silberne Tasche (Hausen).“[5]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkirche
  • Hausener Marktplatz
  • Römisch-katholische St.-Josef-Kirche, Seligenstädter Straße
  • Römisch-katholische St.-Pius-Kirche, Gumbertseestraße
  • Evangelische Waldkirche, Schönbornstraße

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains. (= Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde. 29) 1966, S. 113–114, 127.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. Historische Kommission für den Volksstaat Hessen, Darmstadt 1937, S. 304–305.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehemaligen Großherzogtums und Volksstaats Hessen. Mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. (= Darmstädter Archivschriften. Bd. 2.) Darmstadt 1976, S. 110.
  • Georg Schäfer: Kreis Erbach. (= Kunstdenkmäler im Großherzogthum Hessen. A: Provinz Starkenburg. Bd. 1) Darmstadt 1891, S. 70–71.
  • Dagmar Söder: Kreis Offenbach (= Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen.) Braunschweig 1987, S. 236–239.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hausen, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 14. Juli 2014)
  2. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593 f.
  3. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach vom 26. Juni 1974, GVBl. I S. 316
  4. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.kreis-offenbach.deUmbenennung der Gemeinde Hausen 1978 Kreis Offenbach (1. Januar 1978)
  5. Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1955, Amtsblatt Nr. 29, Seite 709

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obertshausen – Sammlung von Bildern