Heiligenkirchen

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Heiligenkirchen
Stadt Detmold
Koordinaten: 51° 54′ 35″ N, 8° 52′ 19″ O
Höhe: 158 m
Fläche: 9,99 km²
Einwohner: 3617 (1. Aug. 2006)
Bevölkerungsdichte: 362 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 32760
Vorwahl: 05231
Karte
Lage von Heiligenkirchen im Stadtgebiet
Heiligenkirchen von oben
Blick in den Schling
Die romanische Kirche um 1863, gemalt von Emil Zeiß

Heiligenkirchen ist ein Ortsteil von Detmold im Kreis Lippe, Nordrhein-Westfalen, etwa drei Kilometer südlich vom Stadtzentrum entfernt. Die benachbarten Detmolder Ortsteile sind im Uhrzeigersinn Hiddesen, Detmold-Süd, Hornoldendorf und Berlebeck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heiligenkirchen wird urkundlich erstmals 1015 vom Paderborner Bischof Meinwerk mit den Formen Halogokircan, Halogokircun erwähnt. Der Sage nach wurde die ursprüngliche Kirche, eine Kapelle, auf Veranlassung Karls des Großen als Stiftung nach einer gewonnenen Schlacht im Jahr 783 erbaut. Die heutige evangelisch-reformierte romanische Dorfkirche wurde im 11. oder 12. Jahrhundert errichtet, im Krieg 1404–1407 zerstört und mit gotischen Stilelementen wiederaufgebaut, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. In den 1960er-Jahren erfolgte eine umfangreiche archäologische Untersuchung und Sanierung mit einer neuen Inneneinrichtung, unter anderem Orgel und Gestühl, sowie Kanzel, Altar und Taufbecken aus Sandstein (gestaltet von Karl Ehlers). Dem lippischen Regenten Bernhard II. gehörte im 12. Jahrhundert ein Erbhof in der Siedlung und im ältesten lippischen Schatzregister ist nachzulesen, dass es im Kirchspiel Hilgenkerken vier Meierhöfe und fünfzehn weitere Kolonaten gab.

Durch die Lage am Weg zwischen Detmold und Paderborn über die Gauseköte wurde Heiligenkirchen in Kriegszeiten häufig von durchziehenden Truppen heimgesucht, so in der Eversteinschen Fehde (1403–1407), in der Soester Fehde (1444–1449) und im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Im Jahr 1571 wies Simon VII. seine Untertanen an, in allen Flecken und Dörfern Schulen einzurichten. Die Bürger Heiligenkirchens widersetzten sich der landesherrlichen Anordnung und richteten die erste Schule erst 1664 ein. 1865 wurde auf dem Teuthof eine Sozialanstalt für Mädchen eingerichtet, das Sophienheim, das alsbald überfüllt war und erweitert werden musste. Bis zum 18. Jahrhundert betrug die Bevölkerungszahl zwischen 150 und 200 Einwohner, erst danach stieg sie deutlich an.

Im 20. Jahrhundert fuhr jahrzehntelang die Straßenbahn von Detmold nach Berlebeck durch die Gemeinde. 1935 wurde der Schling eingemeindet. Im Zuge der nordrhein-westfälischen Kommunalreform wurde Heiligenkirchen am 1. Januar 1970 in die Stadt Detmold eingemeindet.[1] Heute ist Heiligenkirchen besonders wegen des Vogelparks bekannt. Heiligenkirchen ist staatlich anerkannter Luftkurort. Das Hermannsdenkmal und das Westfälische Freilichtmuseum sind von Heiligenkirchen aus zu Fuß erreichbar. Das älteste erhaltene Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1573 und steht auf dem Teuthof.[2]

In Heiligenkirchen wohnen auf einer Fläche von 9,8 km² insgesamt 3617 Bürger (August 2006). Ortsbürgermeister ist derzeit Rainer Friedrich (SPD), die Vertreter im Stadtrat sind Harald Matz und Rainer Friedrich (beide SPD).[3]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirchlicher Kindergarten
  • Öffentliche Grundschule
  • Ev. ref. Kirche (s. o.)
  • Katholische Kirche Zu allen Heiligen (die man sich mit dem Nachbarort Berlebeck teilt)
  • Freibad (ebenfalls gemeinsam mit Berlebeck betrieben)
  • Apotheke
  • Sparkasse
  • Postagentur
  • Tankstelle
  • einige Geschäfte
  • Hotel, mehrere Gaststätten
  • Sportverein
  • Tennisclub
  • Heimat- und Verkehrsverein, der das Dorfgemeinschaftshaus „CulturCafe“ betreibt.

Söhne und Töchter von Heiligenkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Althaus (1839–1919), Lehrer und Politiker (DFP)
  • Peter Lampe (1954–), Theologe und Historiker, Professor in Heidelberg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heiligenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 105.
  2. Christian Kuhnke: Lippe Lexikon. Boken Verlag, Detmold 2000, ISBN 3-935454-00-7
  3. Daten und Fakten auf der offiziellen Website der Stadt Detmold (Memento des Originals vom 18. November 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadtdetmold.de