Heinz Kautzleben

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Heinz Kautzleben (li) und Sigmund Jähn bei der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin (2017)

Heinz Kautzleben (* 31. März 1934 in Kelbra) ist ein deutscher Geophysiker und Akademie-Professor, der hauptsächlich in der Geomagnetik und in der Kosmosforschung wirkt.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Kautzleben ist in Kelbra am Kyffhäuser geboren und aufgewachsen. Sein Vater war dort Bäckermeister, wurde 1940 zum Militärdienst eingezogen und ist im Kriege verschollen. Von 1940 bis 1952 besuchte Kautzleben die Volksschule in Kelbra und die Oberschule in Sangerhausen, wo er das Abitur erworben hat. Die Lehrer hatten seine mathematisch-naturwissenschaftlichen Begabungen befördert.

Kautzleben studierte ab 1952 Geophysik an der Universität Leipzig (1953 in Karl-Marx-Universität Leipzig (KMU) umbenannt), wo er Vorlesungen bei bekannten Professoren hörte wie Robert Lauterbach, Direktor des Instituts für Geophysikalische Erkundung, und bei Banseler. Den Studienabschluss erlangte Kautzleben mit einer Diplomarbeit zur hydrodynamischen Theorie des Plasmas und hydromagnetischen Wellen im erdnahen Raum, die er an der KMU in der traditionsreichen Physik ausgeführt hat, in der bekannte Nobelpreisträger wie Werner Heisenberg oder Gustav Hertz tätig waren. Die Leipziger Universität absolvierte er Anfang 1957 als Diplomphysiker mit dem Prädikat „Sehr gut“ in der Vertiefungsrichtung Geophysik. Seine akademischen Lehrer Lauterbach und Banseler förderten die wissenschaftliche Entwicklung von Kautzleben auch weiterhin.

Als Geophysiker bei der Akademie in Potsdam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Diplom 1957 war Kautzleben am Geomagnetischen Institut Potsdam der Deutschen Akademie der Wissenschaften (DAW) tätig, zunächst bis 1965 als Wissenschaftlicher Assistent und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann bis 1967 als Abteilungsleiter. Er promovierte während dieser Tätigkeit im Jahre 1962 an der KMU Leipzig, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät, mit der Dissertation „Die analytische Darstellung des geomagnetischen Hauptfeldes und der Säkularvariation.“ zum Dr. rer. nat.[1] (Doktorvater: Banseler).

Kautzleben habilitierte sich 1966 an der Universität Leipzig mit der Habilitationsschrift „Statistische Analyse des geomagnetischen Hauptfeldes.“ zum Dr. rer. nat. habil.[2] Von 1964 bis 1969 übte er nebenamtliche Lehrtätigkeit an der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) aus.

1968 wurde er amtierender Direktor des Geodätischen Instituts Potsdam der DAW, das auf eine reiche Tradition zurückblicken konnte.[3] 1969 wurde Kautzleben durch den damaligen Akademiepräsidenten Hermann Klare zum Professor für Geophysik an der DAW ernannt. Von 1969 bis 1973 hat er nebenamtliche Lehrtätigkeit an der Universität in Leipzig ausgeübt.

Von 1969 an war er zunächst Stellvertretender Direktor, anschließend wurde er 1973 als Direktor des Zentralinstituts für Physik der Erde (ZIPE) der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) in Potsdam berufen, das er bis 1988 leitete und das Heinz Stiller 1969 hier neu gegründet hatte, der später von 1984 bis 1988 Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der DDR war.[4]

Große Bedeutung hat Kautzleben der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit beigemessen: anfangs in der Internationalen Assoziation für Geomagnetismus und Aeronomie, ab 1971 in der International Association of Geodesy, wo er ab 1975 Mitglied des Exekutivkomitees und 1987 Vizepräsident wurde. Ab 1974 war Kautzleben in den Akademien der sozialistischen Länder zur planetaren Geophysik tätig. Weiterhin war er Mitglied des Koordinierungskomitees Interkosmos (KoKo-Interkosmos) unter dem Vorsitz des Generalsekretärs der AdW Claus Grote, dessen Stellvertreter er 1988 wurde, wobei er gleichzeitig den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirates des KoKo-Interkosmos übernahm. Im Interkosmos-Programm wurde Raumfahrern anderer Nationen die Teilnahme an sowjetischen Raumflügen ermöglicht: hierzu gehörte 1978 der Raumflug von Sigmund Jähn.

In diesem Zentralinstitut ZIPE unter der Leitung von Kautzleben wurde ein Teil der wissenschaftlichen Experimente vorbereitet, die Sigmund Jähn während seines Weltraumfluges im Sommer 1978 ausgeführt hat. Jähn war auch in die Auswertung der wissenschaftlichen Ergebnisse durch das ZIPE einbezogen im Rahmen seiner Promotion, die 1983 an diesem Zentralinstitut erfolgte.[5]

1978 wurde Kautzleben mit dem Nationalpreis für Wissenschaft und Technik ausgezeichnet. 1979 wurde er zum Korrespondierenden Mitglied und 1987 zum Ordentlichen Mitglied der Gelehrtengesellschaft der Akademie der Wissenschaften der DDR gewählt. Seit 1986 ist er Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde 1993 Gründungsmitglied der Gelehrtengesellschaft Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

In der Kosmosforschung bei der Akademie in Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner Funktion als Direktor des ZIPE leitete Kautzleben von 1984 bis 1990 den Forschungsbereich für Geo- und Kosmoswissenschaften der Akademie der Wissenschaften der DDR.[6]

1989 wurde Kautzleben als Nachfolger von Robert Knuth zum Direktor des Instituts für Kosmosforschung der AdW in Berlin berufen, und er leitete dieses Institut bis zur Auflösung der Akademie der Wissenschaften der DDR mit dem Jahresende 1991 im Verlauf des deutschen Wiedervereinigungsprozesses.[7][8]

Politisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der deutschen Wiedervereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 1991 wurde Kautzleben in den Vorruhestand versetzt. Er führte seine wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit im Rahmen der Gelehrtengesellschaft Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin weiterhin fort. Hier ist er seit 2001 Sprecher des Arbeitskreises „Geo-, Montan-, Umwelt-, Weltraum- und Astrowissenschaften“. Dieser Arbeitskreis erarbeitet regelmäßig Veröffentlichungen und führt insbesondere wissenschaftliche Kolloquien durch, so auch anlässlich des 40. Jahrestages des Weltraumfluges von Sigmund Jähn, der vom 26. August bis zum 3. September 1978 stattfand.

Die hauptsächlichen Forschungsgebiete und wissenschaftlichen Interessen von Kautzleben sind:

  • Geophysik, speziell mathematische Geophysik
  • Geowissenschaften
  • Fernerkundung der Erde mit aerokosmischen Mitteln
  • Weltraumwissenschaften
  • Geschichte der Geowissenschaften
  • Geschichte der Berliner Akademie der Wissenschaften und insbesondere ihrer Gelehrtengesellschaft als Vorgeschichte zur Leibniz-Sozietät.

Mitgliedschaften und Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungen und die entsprechenden Publikationen von Kautzleben beziehen sich insbesondere auf Geomagnetismus, mathematische Geophysik, Geodynamik, Satellitengeodäsie sowie Fernerkundung der Erde:

  • Betrachtungen zur hydromagnetischen Theorie des Plasmas - Hydromagnetische Wellen. Akademie-Verlag, Berlin 1958.
  • Heinz Kautzleben, Gerhard Fanselau: Zur Auswertung der Potentialberechnungen in begrenzten Gebieten - Ein Beitrag zur Frage der normalen Verteilung der erdmagnetischen Hauptfeldes und der Säkularvariation im Gebiete der DDR. Akademie-Verlag, Berlin 1960.
  • Die analytische Darstellung des geomagnetischen Hauptfeldes und der Säkularvariation. Akademie-Verlag, Berlin 1963.
  • Geomagnetismus und Aeronomie, Teil: Bd. 1. / Ergänzungs-Bd., Kugelfunktionen. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1965.
  • Hrsg.: Arbeiten zum internationalen Geodynamik-Projekt in der Deutschen Demokratischen Republik (Hauptband). Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik bei der Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1973 (Wissenschaftliche Redaktion: W. Schwahn).
  • Hrsg.: Arbeiten zum internationalen Geodynamik-Projekt in der Deutschen Demokratischen Republik. Teil: Fortschrittsbericht für die Jahre 1973 und 1974. Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik bei der Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1975.
  • Hrsg.: Arbeiten zum internationalen Geodynamik-Projekt in der Deutschen Demokratischen Republik. Teil: Fortschrittsbericht für die Jahre 1975 bis 1977. Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik bei der Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1978.
  • Heinz Kautzleben and E. Buschmann (ed.): Proceedings 2nd International Symposium Geodesy and Physics of the Earth. Potsdam, May 7.-11., 1973. Pt. 1 and Pt. 2. Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Physik der Erde, Potsdam 1974.
  • Hrsg.: Aufgaben und Ergebnisse der Forschungsarbeiten des Zentralinstituts für Physik der Erde. Akademie der Wissenschaften der DDR, Forschungsbereich Kosmische Physik, Zentralinstitut für Physik der Erde. Hrsg. aus Anlass des 25. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Zentralinstitut für Physik der Erde, Potsdam 1974.
  • Heinz Kautzleben (ed. by the scientific committee): Proceedings 3rd International Symposium Geodesy and Physics of the Earth. Weimar, October 25 - 31, 1976. Pt. 2 and Pt.3. Akademie der Wissenschaften der DDR, Forschungsbereich Geo- und Kosmoswissenschaften, Zentralinstitut für Physik der Erde, Potsdam 1977.
  • Erkundung der Erde aus dem Weltraum. Informationen für die Referenten der Urania, Gesellschaft zur Verbreitung Wissenschaftlicher Kenntnisse. Urania-Präsidium, Arbeitsgruppe Raumfahrt, Berlin 1976.
  • Planetare Dynamik der Erde. Akademie-Verlag, Berlin 1982.
  • Probleme der geologischen Erforschung des Territoriums der DDR. Vortrag anlässlich des Leibniz-Tages der Akademie der Wissenschaften der DDR am 2. Juli 1982. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften der DDR / N, Jg. 1983, Nr. 6. Akademie-Verlag, Berlin 1983.
  • Aufgaben und Ergebnisse der Kosmosforschung. Vortrag vor dem Plenum der Akademie der Wissenschaften der DDR am 23. Februar 1989. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften der DDR / N / Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Jg. 1990, Nr. 7. Akademie-Verlag, Berlin 1990, ISBN 978-3-05-500852-8.
  • Bearbeiter mit Ursula Calov: Sichere Versorgung der Menschheit mit Energie und Rohstoffen. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 82. trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2005, ISBN 978-3-89626-575-3.
  • Bearbeiter mit Jürgen Hamel: Albert Einstein in Berlin. Vorträge zum Kolloquium am 17. März 2005 und schriftlich vorgelegte Beiträge. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 78/79. trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2005, ISBN 978-3-89626-519-7.
  • Bearbeiter mit Jürgen Hamel: 50 Jahre Weltraumforschung - Erforschung und Überwachung der Erde und des Weltraumes, gestützt auf die Mittel der Raumfahrt. Vorträge und schriftlich vorgelegte Beiträge zum Kolloquium am 29. September 2007. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 78/79. trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2008, ISBN 978-3-89626-756-6.
  • Claus Grote in der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin bzw. der Akademie der Wissenschaften der DDR. Ein Essay anlässlich seines 85. Geburtstages am 8. August 2012. Leibniz Online, Jahrgang 2013, S. 1–14. Zeitschrift der Leibniz-Sozietät e. V. ISSN 1863-3285 http://leibnizsozietaet.de/wp-content/uploads/2013/01/kautzleben.pdf
  • Heinz Kautzleben, Peter Knoll (Hrsg.): Kolloquium am 15. November 2013 zu Ehren von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Helmut Moritz aus Anlass seines 80. Geburtstages. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 119. trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2014, ISBN 978-3-89626-989-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Kautzleben: Die analytische Darstellung des geomagnetischen Hauptfeldes und der Säkularvariation. Universität Leipzig, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät, Dissertation 1962.
  2. Heinz Kautzleben: Statistische Analyse des geomagnetischen Hauptfeldes. Universität Leipzig, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät, Habilitationsschrift 1966.
  3. Heinz Kautzleben: Über das Geodätische Institut Potsdam. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 8. Februar 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/leibnizsozietaet.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Werner Hartkopf: Die Akademie der Wissenschaften der DDR. Ein Beitrag zu ihrer Geschichte – Biographischer Index. Akademie-Verlag, Berlin 1983.
  5. Heinz Kautzleben: Zum 80. Geburtstag von Dr. rer. nat. Sigmund Jähn, Ehrenmitglied der Leibniz-Sozietät, am 13.02.2017. [1]
  6. Ulrich Hofmann: Zur Planung und Organisation der Forschung an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Band 6, S. 63–75. trafo Verlag, Berlin 2001. In: Die Berliner Akademie nach 1945, Zeitzeugen berichten. Herausgegeben von Wolfdietrich Hartung und Werner Scheler.
  7. Jahrbuch 1990/1991 der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Koordinierungs- und Abwicklungsstelle für die Institute und Einrichtungen der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR. Akademie-Verlag, Berlin 1994.
  8. Werner Scheler: Von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin zur Akademie der Wissenschaften der DDR. Abriss zur Genese und Transformation der Akademie. Dietz Verlag, Berlin 2000.