Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin

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Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin ist eine Gelehrtengesellschaft von Naturwissenschaftlern, Mathematikern, Medizinern, Technik-, Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Die Leibniz-Sozietät gehört zu den deutschen Akademien der Wissenschaften, die traditionell ihre Sitzorte in den jeweiligen Bundesländern haben. Sie sieht sich in der Traditionslinie der von Gottfried Wilhelm Leibniz im Jahre 1700 initiierten Kurfürstlich Brandenburgischen Societät der Wissenschaften und wurde im Jahre 1993 in Berlin gegründet.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leibniz-Sozietät konstituierte sich am 15. April 1993 als gemeinnütziger eingetragener Verein (e. V.). Sie führt im eigenen Verständnis die Gelehrtensozietät der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften fort. Die Leibniz-Sozietät trägt ihren Namen zur Erinnerung an Gottfried Wilhelm Leibniz als Initiator und erster Präsident der im Jahre 1700 gegründeten Kurfürstlich Brandenburgischen Societät der Wissenschaften, der die Gelehrtengesellschaft in enger Zusammenarbeit mit Daniel Ernst Jablonski als Vizepräsident entwickelt hat (späterer Präsident; Namensgeber einer Medaille der Leibniz-Sozietät). Aus dieser Sozietät ist die Akademie der Wissenschaften in Berlin hervorgegangen, die verschiedene Bezeichnungen geführt hat. Die bekanntesten sind: Académie Royale des Sciences et Belles-Lettres (seit 1746), Preußische Akademie der Wissenschaften (bis 1945), Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1946–1972) und Akademie der Wissenschaften der DDR (1972–1991).[1] Die Leibniz-Sozietät betrachtet sich als Nachfolger der Gelehrtengesellschaft dieser Akademie.

Zwecksetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leibniz-Sozietät ist eine freie Vereinigung von Natur- und Technikwissenschaftlern, Mathematikern, Medizinern sowie Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Mit der Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften ist sie durch die über Jahrhunderte ununterbrochene Zuwahl ihrer Mitglieder und deren wissenschaftliches Wirken verknüpft. Die Sozietät baut auf eigenständigen Forschungen ihrer Mitglieder auf, und sie bietet ein Forum der Diskussion und Publizität. Die Mitglieder und Gäste pflegen insbesondere den interdisziplinären und transdisziplinären Diskurs sowie die Erörterung aktueller Grundprobleme von Wissenschaft und Gesellschaft. Mit ihrem Wirken strebt die Sozietät an, einen angemessenen Beitrag zum geistigen Leben in unserer Zeit zu leisten.

Zweck der Leibniz-Sozietät ist die Pflege und Förderung der Wissenschaften in der Tradition von Gottfried Wilhelm Leibniz und im Interesse der Allgemeinheit. Hierzu führt die Leibniz-Sozietät ihre wissenschaftlichen Veranstaltungen zur Präsentation von wissenschaftlichen Ergebnissen ihrer Mitglieder und Gäste durch, insbesondere zur interdisziplinären Diskussion auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Alle wissenschaftlichen Veranstaltungen der Leibniz-Sozietät sind grundsätzlich öffentlich.[2]

Die gewählten Mitglieder der Leibniz-Sozietät führen auch gemeinsame Forschungsvorhaben mit Freunden und Gästen der Sozietät durch. In diesem Zusammenhang können Graduierungsarbeiten und andere Ergebnisformen betreut, zur wissenschaftlichen Diskussion gestellt und veröffentlicht werden.

Die Leibniz-Sozietät fördert durch ihre gesamte Tätigkeit selbstlos die Allgemeinheit auf geistigem Gebiet. Sie vertritt und verteidigt die Wissenschaft gegenüber allen wissenschaftsfeindlichen Bestrebungen. Die Leibniz-Sozietät berichtet jährlich zum traditionellen „Leibniz-Tag“ öffentlich über ihre Tätigkeit.[3][4] Die Leibniz-Sozietät gibt hierzu auch zwei wissenschaftliche Schriftenreihen sowie eine Online-Zeitschrift und Online-Mitteilungen heraus.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder der Leibniz-Sozietät versammeln sich monatlich zu öffentlichen Sitzungen, auf denen wissenschaftliche Vorträge gehalten und diskutiert werden, und sie veranstalten jedes Jahr zeitnah zum Geburtstag von G. W. Leibniz am 1. Juli den „Leibniz-Tag“, der bereits im Statut der Akademie von 1812 festgelegt worden war und der auch zur öffentlichen Rechenschaftslegung dient.[5]

Die Sitzungen der Sozietät finden als interdisziplinäre und transdisziplinäre Veranstaltungen in den beiden Klassen „Naturwissenschaften und Technikwissenschaften“, die auch Mathematik und Lebenswissenschaften/Medizin einschließt, sowie „Sozial- und Geisteswissenschaften“ und im „Plenum“ statt. Darüber hinaus werden wissenschaftliche Kolloquien, Tagungen und andere wissenschaftliche Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung durchgeführt:

In 10 Arbeitskreisen befassen sich die Mitglieder zusammen mit weiteren Fachkollegen und Nachwuchswissenschaftlern mit zentralen Fragen von Wissenschaft und Gesellschaft. Die Arbeitskreise sind speziell tätig auf den Gebieten: Wissenschafts- und Akademiegeschichte, Pädagogik, Gesellschaftsanalyse und Klassen, Geo-, Montan- und Umwelt-, Weltraum- und Astrowissenschaften[8], Prinzip Einfachheit[9], Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung, Toleranz, Zeit und Evolution, Allgemeine Technologie[10] sowie Emergente Systeme, Information und Gesellschaft.[11] Die erzielten Ergebnisse zusammen mit ihrer öffentlichen Diskussion erbringen auch Anregungen zur zukünftigen Wissenschaftsstrategie sowie zur Politik- und Gesellschaftsgestaltung.

Zur Initiierung und Förderung „interdisziplinär bzw. fachübergreifend angelegter Vorhaben“ arbeitet die Leibniz-Sozietät mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen im Inland – wie dem Leibniz-Institut für Interdisziplinäre Studien LIFIS e.V. – und im Ausland zusammen, zumeist auf der Basis von Kooperationsvereinbarungen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Ergebnisse veröffentlicht die Leibniz-Sozietät seit 1994 in den Sitzungsberichten der Leibniz-Sozietät und seit 1999 zusätzlich in der Reihe Abhandlungen der Leibniz-Sozietät; beide erscheinen beim trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin. Über aktuelle Themen informiert das Mitteilungsblatt Leibniz Intern.

Auf der Website der Leibniz-Sozietät stehen die Sitzungsberichte, alle Nummern von Leibniz Online und von Leibniz Intern als Download zur Verfügung.[12] Die Bände der Abhandlungen sind aufgelistet und teilweise mit Angaben zu den Autoren und Inhalten versehen. Sitzungen, Kolloquien und andere Veranstaltungen werden angekündigt und teilweise durch die Veröffentlichung von Materialien vorbereitet und Volltexte nachbereitet.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 gründeten 122 ehemalige Mitglieder der Akademie der Wissenschaften der DDR den Verein Leibniz-Sozietät e. V. (seit 2007 Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V.). Im Januar 2016 betrug die Zahl der Mitglieder 314, davon waren 62 zuvor Mitglieder der DDR-Akademie. Alle anderen Mitglieder wurden seit 1994 zugewählt.[13] Die Leibniz-Sozietät nimmt Mitglieder aus allen Ländern auf.

Ehrenmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident Gerhard Banse

Präsidenten:

Vizepräsidenten sind Armin Jähne, Bernd Meier sowie Dorothee Röseberg. Sekretare sind Heinz-Jürgen Rothe, Lutz-Günther Fleischer und Kerstin Störl. Schatzmeister ist Ulrich Busch, Leiter der Geschäftsstelle ist der Chemiker Klaus Buttker.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leibniz-Sozietät vergibt folgende Auszeichnungen und Preise:

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leibniz-Sozietät finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, eine Stiftung der Freunde der Leibniz-Sozietät e. V. sowie Fördermittel und Spenden. Sie erhält seit 2004 staatliche Förderung durch die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://leibnizsozietaet.de/ueber-uns/geschichte/ Geschichte der Leibniz-Sozietät
  2. http://leibnizsozietaet.de/ueber-uns/statut/ Statut der Leibniz-Sozietät
  3. Gerhard Banse: Bericht des Präsidenten an den Leibniztag 2013. Die Leibniz-Sozietät im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 118, Jahrgang 2014, S. 9–31. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2014, ISBN 978-3-89626-1.
  4. Herbert Hörz: Der schwierige Weg einer traditionsreichen Wissenschaftsakademie ins 21. Jahrhundert – 20 Jahre Leibniz-Sozietät. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 118, Jahrgang 2014, S. 37–60. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2014, ISBN 978-3-89626-1.
  5. Gerhard Banse: Kontinuität und Wandel in der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. Bericht des Präsidenten an den Leibniztag 2014. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 118, Jahrgang 2014, S. 7–32. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2014, ISBN 978-3-86464-091-9.
  6. Hans-Otto Dill (Hrsg.): Jean-Jacques Rousseau zwischen Aufklärung und Moderne. Akten der Rousseau-Konferenz der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin am 13. Dezember 2012 anlässlich seines 300. Geburtstages am 28. Juni 2012 im Rathaus Berlin-Mitte. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 117, Jahrgang 2013. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2013, ISBN 978-3-89626-987-4.
  7. Frank Fuchs-Kittowski, Werner Kriesel (Hrsg.): Informatik und Gesellschaft. Festschrift zum 80. Geburtstag von Klaus Fuchs-Kittowski. Frankfurt a. M., Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, PL Academic Research 2016, ISBN 978-3-631-66719-4 (Print), E-ISBN 978-3-653-06277-9 (E-Book).
  8. Peter Knoll (Hrsg.): Im Mittelpunkt steht der Mensch – Fortschritte in der Geo-, Montan-, Umwelt-, Weltraum- und Astrowissenschaften. Kolloquium am 11. April 2014 in Berlin zu Ehren von Prof. Dr. Heinz Kautzleben aus Anlass seines 80. Geburtstages. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 120, Jahrgang 2014. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2014, ISBN 978-3-86464-090-2.
  9. Herbert Hörz, Werner Krause, Erdmute Sommerfeld (Hrsg.): Einfachheit als Wirk-, Erkenntnis- und Gestaltungsprinzip. Arbeitskreis „Prinzip Einfachheit“ der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Wissenschaftliche Vorträge 2010–2015. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 125/126, Jahrgang 2016. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2016, ISBN 978-3-86464-094-0.
  10. Gerhard Banse, Ernst-Otto Reher (Hrsg.): Technologiewandel in der Wissensgesellschaft – qualitative und quantitative Veränderungen. 6. Symposium des Arbeitskreises „Allgemeine Technologie“ der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologie am 10. Oktober 2014 in Berlin. Sitzungsberichte Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 122, Jahrgang 2015. Trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2015, ISBN 978-3-86464-092-6.
  11. Klaus Fuchs-Kittowski, Rainer E. Zimmermann (Hrsg.): Kybernetik, Logik, Semiotik. Philosophische Sichtweisen. Tagung aus Anlass des 100. Geburtstages von Georg Klaus. Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 40. Berlin: trafo Wissenschaftsverlag 2015. ISBN 978-3-86464-095-7.
  12. http://www.leibnizsozietaet.de/ Website der Leibniz-Sozietät
  13. http://leibnizsozietaet.de/ueber-uns/mitglieder/ Mitglieder der Leibniz-Sozietät