Heinz Witte

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Heinz Witte-Lenoir (* 17. Februar 1880 in Lintel; † 17. Februar 1961 in Hude), „Lenoir“ der schwarze (Mann) war sein Künstlername. Heinz Witte war ein zumeist in Frankreich lebender deutscher Maler.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amedeo Modigliani: Porträt von Heinz Witte-Lenoir, 1907 in Paris, sign. A. Modigliani

Heinz Witte-Lenoir war der Sohn eines Bauern und Schrankenwärters, dem Hermann Heinrich Witte (* 10. April 1834) und dessen Ehefrau Sophie Catharina, geb. Schütte (+ 22. Februar 1835).[3] Nach seinem Schulabschluss begann er 1895 eine Lehre bei der Großherzoglichen Oldenburgischen Eisenbahn. Seit seiner Kindheit hatte er gezeichnet und gemalt. Durch eine zufällige Bekanntschaft mit Professor Benno Schumacher bekam sein Leben eine abrupte Wendung. Er hängte als 18-Jähriger die Eisenbahner-Lehre bei der Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen in Löningen an den Nagel und verbrachte mit dem Oldenburger Kunstprofessor Benno Schumacher zunächst ein halbes Jahr in Italien. Bologna, Venedig und Rom waren die ersten Stationen.

Nach seiner Rückkehr arbeitete er für einige Monate in Oldenburg und erhielt Unterricht bei Gerhard Bakenhus. Als 19-Jähriger ging er dann ohne den üblichen Abschluss einer deutschen Akademie nach Paris. Ohne höhere Schulbildung, mit nur geringen Sprachkenntnissen und ohne sicheren finanziellen Hintergrund aus dem Elternhaus hatte er eine ungewisse Zukunft vor sich.

Im Gepäck wenig Geld für die ersten Wochen, im Herzen die Liebe zur Kunst, im Kopf den unbändigen Willen in Paris der Kunst sich zu informieren und zu studieren, nicht nur an den zwei Akademien, die er besuchte, sondern auch in den Museen, den unzähligen Galerien und fast täglich Vernissagen. In der Nähe der Academie Colarossi, in der „ n° 35 Rue Delmbre“, mietete Witte ein Zimmer. Er besuchte später auch die Academie des Beaux Arts. Fasziniert von den angebotenen Möglichkeiten arbeitete er wie besessen. Witte skizzierte, zeichnete, malte im Atelier, in der Akademie und im Freien, kopierte in Museen. Bei einem Zeichenwettbewerb erhielt er aus der Hand von Steinlen als Juror den ersten Preis. Er arbeitete später bei Steinlen an der Druckerpresse, für Edgar Degas zieht er Monotypien ab, die heute im Louvre hängen.

Sein Fleiß und seine Begabung zeigten bald Früchte. In dieser Stadt, der Wahlheimat hunderter Künstler aus aller Welt, wurden seine Bilder ausgestellt und verkauft. Die Einnahmen und das Preisgeld des Wettbewerbs erlaubten es ihm, Studienreisen zu unternehmen. Denn bei einem Zeichenwettbewerb erhielt er aus der Hand von Théophile-Alexandre Steinlen als Juror den ersten Preis. Der Gewinn von 1.000 Francs war die Grundlage für seine erste Indienreise. London, Mittelmeerländer, Afrika standen auf dem Programm. Im Jahre 1905 war er erstmals nach Indien gereist, durch das Preisgeld folgte nun drei längere Aufenthalte in den Jahren von 1907 bis 1911. In Indien schloss er Freundschaft mit Rabindranath Tagore. Lehrtätigkeit an der von Tagore 1901 gegründeten Visva-Bharati-Universität in Santiniketan folgte.

Befreundet war Heinz Witte-Lenoir mit Amedeo Modigliani (1884–1920) und Heinrich Wilhelm Lehmbruck (1881–1919). Sein Freund Amedeo hatte so manche Nacht in der Wohnung von Heinz Witte-Lenoir in desolatem Zustand seinen Rausch ausgeschlafen, unter Paradiesvögeln und fremden orientalischem Getier, das die Wände bevölkerte. Amedeo war krank. Tuberkulose, Drogen und Alkohol begleiteten sein Leben. Er war begabt, eher schweigsam, in Diskussionen heftig laut werdend. Dante konnte er seitenlang auswendig rezitieren. Stets hatte er die Bibel und die Göttliche Komödie Dantes bei sich. 1913 verließ Modigliani „La Butte“ Montmartre und zog auf den Montparnasse.

Von 1911 bis 1914 lebt er dauernd in Paris. Seine Freunde gaben ihm dort den Namen „Le Noir, der Schwarze“, nachdem sie seine in Indien gemalten dunklen Bilder gesehen hatten. Er begegnete in Paris bereits 1900 Paula Modersohn-Becker, die ihn in seinem Atelier besuchte und auch an der Académie Colarossi studierte. Später waren es u. a. Amedeo Modigliani, Wilhelm Lehmbruck, Eugen Spiro, Elie Nadelmann, Josef Egry, Paul Signac mit denen er enge Kontakte hatte.

Heinz Witte-Lenoir schreibt:

„…so kam es, dass ich außer meiner Tätigkeit in der Colarossi in den Museen oder in den Kunstausstellungen nach Bildern von den Meistern suchte, die diese Stadt darzustellen versucht hatten. Von diesen Malern gab es eine Menge, aber nur ganz wenige hielten Genügen stand. Von den „Alten“ waren es Boningten und Jacquemart, von den „Neueren“ Jongkind und Raffaelli. Bonington’s Großzügigkeit und Jacquemart’s Raffinessen, Jongkind’s schwere Unheimlichkeit, die meinem norddeutschen Moorempfinden entgegenkam und Raffaelli’s subtile Art, das Menschengewoge in den Frühling zu stellen, begeisterten mich immer wieder, ein Gleiches zu versuchen.“

Heinz Witte-Lenoir

In der Zeit des Ersten Weltkriegs und danach, also zwischen den Jahren 1914 bis 1922 verlegte er seine Domizile nach Südfrankreich und an die Mittelmeerküste. Er unternahm im Jahre 1920 eine Reise nach Ägypten, um nach seiner Rückkehr zwischen 1922 bis 1930 an verschiedenen Orten, so Paris, am Mittelmeer aber auch zeitweilig in Berlin zu leben. Ein Großteil seiner Werke wurde bei einem Bombenangriff auf Berlin vernichtet. Ab 1946 lebte er wieder in Hude. „Weltoffen, ein eloquenter Mann, der aus der Fülle seiner Erfahrungen sprechen konnte“ erinnerte sich der Herausgeber seines Werkverzeichnisses, Ulrich Wilke.

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker schreibt über Heinz Witte-Lenoir: „…er war nicht nur der große Maler, der jedermann freundlich, hilfsbereit und mit gutem Rat begegnete. Er war auch ein begnadeter Erzähler mit dem Pinsel und auch mit seinen Worten“. Kontakte suchte Heinz Witte-Lenoir auch zu den Künstlerkollegen in der benachbarten Künstlerkolonie Dötlingen. August Kaufhold hatte in Dötlingen mit dem „Lopshof“ eine Begegnungsstätte für Künstler aufgebaut.[4]

Seine Lebensgefährtin seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts war Caroline („Tully“) Gladbach. Heinz Witte-Lenoir starb am gleichen Februartag, an dem er auch geboren wurde. Beide fanden ihre Ruhestätte in einem Grab an der St.-Elisabeth-Kirche.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Witte-Lenoir-Salome

Bis zu seinem Tod blieb er seinem Stil (gegenständlich, an den Impressionismus angelehnt) treu. Aber seine Malerei war durchdrungen von Kontrasten, als wenn zwei Maler in einem vereint waren. Die hellen Bilder entstanden vor allem in Frankreich der früheren Jahre. Die dunkleren Bilder sind hauptsächlich durch seine Indienreisen geprägt. Durch den Gewinn von 1000 Francs bei einem Zeichenwettbewerb in Paris konnte er sich überhaupt die finanzielle Grundlage für die erste Indienreise beschaffen. Durch viele verschiedene Einflüsse wie häufiger Wohnsitzwechsel, Reisen, Kriegsschäden usw. sind viele Arbeiten zurzeit noch unauffindbar oder sind endgültig verloren. In dem Werkverzeichnis sind noch etwa 750 Werke aus seiner Hand abgebildet. Seine Bilder sind, wie die Arbeiten vieler anderer Künstler seiner Zeit, den Nationalsozialisten nicht genehm. An Ausstellungsbeteiligungen ist während dieser Zeit nicht zu denken. Nach der Zerstörung seiner Wohnung, des Ateliers und einer Vielzahl seiner Arbeiten in Berlin durch Kriegseinwirkungen kehrt er wieder in seine oldenburgische Heimat zurück. In zahlreichen Ausstellungen, darunter in Paris, in der Bremer Kunsthalle in den 20er Jahren, nach dem Krieg in Oldenburg, Aachen, Köln und vielen anderen Orten, wurden seine Werke gezeigt.

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orient und Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biblische Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Weichardt: Heinz Witte-Lenoir – Ein Oldenburger in Paris. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1981. Vechta 1980, S. 297–302
  • Gerhard Wietek: 200 Jahre Malerei im Oldenburger Land. ISBN 3-9801191-0-6
  • Ulrich Wilke: Heinz Witte-Lenoir Werkverzeichnis ISBN 3-939119-38-5
  • Rezensionen von Ulrich Wilke in der Nordwest-Zeitung vom 15. April 2006 und 17. Februar 2007.
  • Ulrich Wilke: "Neuauflage Werkverzeichnis 2010" Verlag :make-a-book. ISBN 978-3-940218-90-2
  • Ausstellungskatalog Heinz Witte Lenoir – Ein Maler auf Reisen Aschendorff, Münster 2010, ISBN 978-3-402-12876-3
  • Heinz Witte-Lenoir: „ … nach Paris und weiter.“ Ein Maler auf Reisen. Katalog zur Ausstellung in der Galerie Luzie Uptmorr, Lohne, dem Industrie-Museum Lohne und dem Museumsdorf Cloppenburg. Hrsg.: Jürgen Weichardt im Auftrag des Freundeskreises Luzie Uptmoor, Lohne, des Industrie-Museums Lohne und des Museumsdorfes Cloppenburg. Aschendorff, Münster 2011, ISBN 978-3-402-12876-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinz Witte-Lenoir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Witte: Heinz Witte-Lenoir Hude-Lintel 1880–1961 Hude.
  2. Ulrich Wilke: Werkverzeichnis Heinz Witte-Lenoir. Verlag make a book, 2004, ISBN 3-9391-1938-5
  3. Walter Janßen-Holldiek: Lintel. Siedlungsentwicklung eines Dorfes der Delmenhorster Geest. Aufgrund von archäologischen Bodenfunden, Grabungen und archivalischen Quellen. S. 732, 678
  4. Gerhard Wietek: 200 Jahre Malerei im Oldenburger Land. Hugo Prull Druck / Landessparkasse zu Oldenburg, 1986, ISBN 3-9801-1910-6