Helena Demuth

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Lenchen Demuth in den 1870er Jahren
Grab im ursprünglichen Zustand vor 1956

Helena „Lenchen“ Demuth (* 31. Dezember 1820 in St. Wendel, Saarland; † 4. November 1890 in London) war die Haushälterin von Jenny und Karl Marx.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helena war die Tochter des Tagelöhners, Ackerers und Bäckers Michael Demuth (1788–1826) und der Maria Katharine Creutz (ca. 1792–1848). Ihre Eltern hatten am 16. Februar 1808 in St. Wendel geheiratet und hatten sieben Kinder, davon war Helena das fünfte.

Helena Demuth kam 1837 als Dienstmädchen in das Haus des Regierungsrats Johann Ludwig von Westphalen in Trier. 1845 schickte dessen Ehefrau Caroline von Westphalen Helena zur Unterstützung ihrer Tochter Jenny Marx nach Brüssel.[1] Ab Mai 1857 arbeitete zusätzlich auch ihre fast fünfzehn Jahre jüngere Halbschwester Anna Maria Creuz, genannt Marianne, im Haushalt der Familie Marx, bis zu ihrem Tod 1862.[2] Helena Demuth folgte der Familie Marx 1848 nach Paris, 1848/49 nach Köln, 1849 wieder nach Paris und dann 1849 ins endgültige Exil nach London. Sie war nicht nur Köchin, sondern auch eine gute Freundin der Kinder, die sie Nimmy nannten. Gelegentlich spielte sie auch Schach mit Karl Marx, der gegen sie verlor, wie Wilhelm Liebknecht erzählte.[3]

1851 gebar Helena Demuth einen Jungen, gab den Namen des Vaters jedoch nicht preis. Der kleine Harry Frederick Demuth (genannt Freddy)[4] (* 23. Juni 1851 in London; † 28. Januar 1929 ebenda) wurde in eine Londoner Pflegefamilie namens Lewis oder Louis gegeben. Entgegen manchen Behauptungen in der Literatur erkannte Friedrich Engels die Vaterschaft von Frederick nicht an,[5] auch nannte Eleanor Marx ihn ihren ‚Halbbruder‘.[6] Da es sich nicht mit den Vorstellungen über Marx in der sozialistischen Bewegung vertrug, dass Marx „fremdgegangen“ sein sollte, wurden alle Dokumente auf Befehl Stalins am 2. Januar 1934[7] als Geheimdokumente der Forschung entzogen.[8]

Nach Marx' Tod im Jahr 1883 zog Helena Demuth zu Engels, dem sie fortan den Haushalt führte. Gemeinsam mit ihm ordnete sie Marx' historischen Nachlass und entdeckte dabei die Manuskripte zum zweiten Band des Kapitals.

Im Oktober 1890 erkrankte Helena Demuth an Krebs und starb am 4. November. In ihrem Testament von 14. November 1890[9] bedachte sie ihren Frederick Lewis Demuth, der 95 £ erbte. Auf Wunsch von Marx' Töchtern Eleanor und Laura Lafargue wurde sie im Familiengrab der Familie Marx auf dem Highgate Cemetery beigesetzt. Engels hielt eine Trauerrede an ihrem Grab.[10] In seinem Brief an den Neffen von Helena Demuth, Adolf Riefer schrieb Engels: „Die Verstorbene hat ein Testament gemacht, worin sie den Sohn einer verstorbenen Freundin den sie von klein auf sozusagen an Kindesstatt angenommen und der sich allmählig zu einem braven & tüchtigen Mechaniker herausgebildet, Frederick Lewis, zu ihrem alleinigen eingesetzt hat. Derselbe hat seit längerer Zeit aus Dankbarkeit und mit ihrer Einwilligung den Namen Demuth angenommen.“[11]

Eintragung in das Confession book Jenny Marx (Tochter)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helena Demuth trug sich am 1. März 1868 folgendermaßen ein.[12]

Frage Antwort
Ihre Lieblingstugend (Your favourite virtue) Entschlossenheit (Decision)
… Eigenschaft beim Mann (… quality in man) Mut (courage)
… bei der Frau (… in woman) Gute Laune (Good temper)
Hauptmerkmal (Chief characteristic) Die Liebe zu den kleinen Marxens (Love to the young Marxens)
Auffassung vom Glück (Idea of happiness) Eine Mahlzeit essen, die ich nicht gekocht habe (To eat a dinner I hav'nt created)
… Unglück (… misery) Von anderen abhängig zu sein (To be dependent on others)
Laster, das ich entschuldige (Vice I excuse) Verschwendung (Prodigality)
… verabscheue (… deteste) Egoismus (Egotism)
Was Sie ablehnen (Your aversion) einen Geizhals (a miser)
Die Person, welche ich am wenigsten mag (The character I most dislike Ferdinand Lassalle (Lasalle)
Lieblingsbeschäftigung (Favourite occupation) Luftschlösser bauen (Building castles in the air)
… Held (… Hero) Mein größter Suppentopf (My biggest saucepan)
… Heldin (… Heroine) Meine Kaffeekanne (My coffeepot)
… Dichter (… Poet) Der, von dem ich am wenigsten kenne (The one I know least of)
… Schriftsteller (… Prose writer) Eugène Sue (Eugène Sue)
… Blume (… Flower) Rose (Rose)
… Farbe (… Colour) Blau (Blue)
… Gericht (… Dish) Schwein (Pork)
… Maxime (… Maxim) Leben und leben lassen!

Helen Demuth

March 1st/68

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzeplastik Lenchen Demuth von Kurt Tassotti (Standort: alte Stadtmauer in St. Wendel)

Nach ihr wurde die Helene-Demuth-Schule in St. Wendel benannt, die inzwischen allerdings nicht mehr existiert. 2012 wurde in St. Wendel zur Erinnerung eine fast lebensgroße Bronze-Statue von Lenchen Demuth (Künstler: Kurt Tassotti) in dem örtlichen Bereich, in dem sich ihr Elternhaus befand, aufgestellt.

Angeblich Helena Demuth, in Wahrheit Mary Ellen Burns 1875 oder 1876

Foto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Büchern wird eine Fotografie gezeigt, die Helena Demuth 1845 darstellen soll. Da aber kein sonstiges Foto der Familie Marx vor 1860 bekannt ist, war diese Zuordnung zweifelhaft. Da der Fotograf dieser Aufnahme Eduard Schultz (1841–1913), Plöckstraße 79 in Heidelberg war, konnte das Foto nicht Helena darstellen. Vielmehr war Engels mit seiner Nichte Mary Ellen Burns 1875 und 1876 in Heidelberg, um diese auf eine Mädchenschule zu bringen. Deshalb stellt diese Aufnahme Mary Ellen Burns dar.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Eulenberg: Helena Demuth. In: Vorwärts, Berlin Beilage vom 15. Januar 1929
  • Karl Kautsky: Lenchen Demuth. In: Vorwärts, Berlin Beilage vom 2. Februar 1929
  • Heinz Monz: Helena Demuth aus St. Wendel. In: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. XIII. Jg., 1969/1970, S. 46–54.
  • Yvonne Kapp: Eleanor Marx. Vol. 1. Family Life (1855–1883). London 1972.
  • Manfred Dammeyer: Guter Geist bei Marx und Engels: Helena Demuth. Lienau & Ruppel, 1978.
  • Gerhard Bungert, Marlene Grund (Hrsg.): Karl Marx, Lenchen Demuth und die Saar. Queißer, Dillingen 1983, ISBN 3-921815-42-8.
  • Ruth Zimmermann: Jenny Marx und ihre Töchter: Frauen im Schatten des Revolutionärs. Herder, Freiburg 1984.
  • Michael Knieriem: Ein unveröffentlichter Brief Friedrich Engels's zum Tode der Helena Demuth. In: Wuppertaler Rundschau. 8. November 1984.
  • Heinrich Gemkow: Helena Demuth – „eine treue Genossin“. In: Marx-Engels-Jahrbuch 11. Dietz Verlag, Berlin 1989, S. 324–348.
  • Heinz Monz: Eine letzte Spur in Saarburgs Partnerstadt Saarebourg. Odyssee eines Briefs über Helena Demuth. In: Jahrbuch des Landkreises Trier-Saarburg. 1989, S. 195–199.
  • Heinrich Gemkow, Rolf Hecker: Unbekannte Dokumente über Marx' Sohn Frederick Demuth. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Berlin 1994, Heft 4, S. 43–59.
  • Yvonne Kapp: New evidence from old sources. In: The personal and the political. The Journal of the Socialist History Society.. Issue 6, London Autumn 1994, S. 17–27. ISBN 0-7453-0810-4
  • Heinz Monz: Demuth, Helena. In: Trierer Biographisches Lexikon. Gesamtbearbeitung: Heinz Monz. Verlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 78–79.
  • Heinrich Gemkow: Helena Demuth (1820–1890). Ein Leben im Schatten anderer. Vom Kindermädchen in Trier zur Hausdame in London. In: Irina Hundt (Hrsg.): Vom Salon zur Barrikade. Frauen in der Heinezeit. J. B. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01842-3, S. 415–424.
  • Manfred Schöncke, Rolf Hecker: Eine Fotografie von Helena Demuth? Zu Engels´Reise nach Heidelberg 1875. In: Marx-Engels Jahrbuch 2004. Hrsg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam. Akademie Verlag, Berlin 2005, S. 205–218. (online)
  • Izumi Omura, Shunichi Kubo, Rolf Hecker, Valerij Fomičev (Hrsg.): Karl Marx is my father. The documentation of Frederick Demuth´s parentage. Karl Marx ist mein Vater. Eine Dokumentation zur Herkunft von Frederick Demuth. Far Eastern Booksellers, Tokyo 2011, ISBN 978-4-87394-004-5. Japanisch, Englisch und Deutsch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jenny Marx: Kurze Umrisse eines bewegten Lebens. In: Mohr und General. Berlin 1964, S. 206.
  2. Karl Marx an Friedrich Engels 24. Dezember 1862: „Nun aber das größte Pech. Marianne (Lenchens Schwester), die Allen schon vor einem Jahr an Herzkrankheit kuriert, fing am Tage der Abreise meiner Frau an, unwohl zu werden. Dienstag abend, 2 Stunden vor der Ankunft meiner Frau, war sie tot. Ich mit Lenchen zusammen während der sieben Tage die Krankenwartung“. (MEW Band 30, S. 303.)
  3. Wilhelm Liebknecht: Ein stürmischer Schachmatch. In: Mohr und General. Berlin 1964, S. 105–110.
  4. Geburtsurkunde siehe: Karl Marx is my father. S. 83.
  5. Frederick Demuth an Jean-Laurent-Frederick Longuet 10. April 1912 (Karl Marx is my father. S. 163)
  6. Eleanor Marx an Laura Lafargue 19. Dezember 1890: „We should none of us like to meet our past, I guess, in flesh and blood.“ (Yvonne Kapp: Eleanor Marx. S. 291)
  7. Karl Marx is my father. S. 212.
  8. Heinrich Gemkow, Rolf Hecker, Rolf: Unbekannte Dokumente über Marx’ Sohn Frederick Demuth. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Berlin 1994, Heft 4, S. 43–59.
  9. Karl Marx is my father. S. 85 f.
  10. The People's Press. London. vol. 1. Nr. 38 vom 22. November 1890
  11. Friedrich Engels an Adolf Riefer 12. November 1890. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Briefwechsel. Bd. 30 Friedrich Engels Briefwechsel Oktober 1889 bis November 1890. Bearb. von Gerd Callesen und Svetlana Gavril'čenko. Unter Mitarbeit von Regina Roth und Renate Merkel-Melis †. Akademie Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-05-006024-8, S. 566.
  12. Familie Marx privat. Akademie Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004118-8, Abb. 39 und S. 310–311.
  13. Manfred Schöncke, Rolf Hecker: Eine Fotografie von Helena Demuth? Zu Engels´ Reise nach Heidelberg 1875.