Helena Kantakuzene

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Helena Kantakuzene Palaiologina (mittelgriechisch Ελένη Καντακουζηνή Παλαιολογίνα; * 1333 oder 1334; † August 1397[1] in Konstantinopel) war byzantinische Kaiserin und Gemahlin von Johannes V. Palaiologos.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helena war vermutlich die jüngste der drei Töchter von Johannes VI. Kantakuzenos und Irene Asanina.[2] Ihre Brüder waren der Mitkaiser Matthaios, der Despot Manuel und der früh verstorbene Andronikos. Ihre Schwestern Maria und Theodora waren verheiratet mit Nikephoros II. Dukas von Epirus bzw. dem osmanischen Sultan Orhan I.

Nach seinem Sieg im Byzantinischen Bürgerkrieg zwang Johannes Kantakuzenos seine Gegner zu einer Übereinkunft, durch die er Mitkaiser neben Johannes V. und alleiniger Regent während dessen Minderjährigkeit wurde. Als Teil dieses Arrangements wurde die etwa 13-jährige Helena am 28. oder 29. Mai 1347 mit dem knapp zwei Jahre älteren Johannes V. verheiratet.[3] Das Paar hatte vier Söhne, darunter die späteren Kaiser Andronikos IV. und Manuel II., und mindestens zwei Töchter.

Im Hesychasmus-Streit stand Helena Kantakuzene im Gegensatz zu ihrem Vater auf der Seite der Palamiten.[4] Als 1352 erneut ein Machtkampf zwischen Johannes V. und Johannes VI. ausbrach, begleitete sie ihren Gatten ins thrakische Didymoticho. Nach der schweren Niederlage in der Schlacht von Demotika im Oktober 1352 setzte sich das Kaiserpaar auf die venezianische Insel Tenedos ab. Von Thessaloniki aus erzwang Johannes V. im Oktober 1354 die Rückeroberung Konstantinopels und die Abdankung seines Schwiegervaters.[5]

In einem weiteren innerdynastischen Konflikt stürzte Helenas ältester Sohn Andronikos IV. am 12. August 1376 seinen Vater Johannes V. vom Thron. Die Kaiserin versuchte, die beiden Parteien miteinander zu versöhnen, konnte aber nicht verhindern, dass ihr Gatte und ihre Söhne Manuel und Theodor ins Gefängnis geworfen wurden. Als Johannes V. im Juni 1379 die Flucht gelang, wurde Helena hierfür verantwortlich gemacht. Mit Unterstützung des osmanischen Sultans Murad I. und der Venezianer gewann er am 1. Juli 1379 den Thron zurück. Andronikos IV. verschanzte sich im genuesischen Stadtviertel Pera, wobei er Helena, ihre Schwestern Maria und Theodora und ihren Vater Johannes VI. als Geiseln mit sich nahm. In den folgenden Jahren wurde die Halbinsel von Galata unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen von Johannes V. sowie dessen Verbündeten belagert. Erst als Andronikos' IV. Recht auf die Thronfolge im Mai 1381 wieder formal anerkannt wurde, kamen Helena und die übrigen Gefangenen frei.[6]

Nach dem Tode Johannes' V. am 16. Februar 1391 übernahm Helena Kantakuzene bis zur Regierungsübernahme Manuels II. die Staatsgeschäfte. Wohl im Juli 1392 zog sie sich als Nonne in das Kloster Kyra Martha zurück, wobei sie den monastischen Namen Hypomone annahm. Sie starb im August 1397.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John W. Barker: Manuel II Paleologus (1391–1425). A Study in Late Byzantine Statesmanship. Rutgers University Press, New Brunswick NJ 1969, ISBN 0-8135-0582-8, S. 476–478, 585.
  • Franz Dölger: Regesten der Kaiserurkunden des Oströmischen Reiches von 565–1453. Teil 5: Regesten von 1341–1453 (= Corpus der griechischen Urkunden des Mittelalters und der neueren Zeit. Reihe A: Regesten. Abt. 1, Tl. 5). C. H. Beck, München 1965, Nr. 2993.
  • John Van Antwerp Fine: The Late Medieval Balkans: A critical Survey from the late Twelfth Century to the Ottoman Conquest. University of Michigan Press, Ann Arbor MI 1994, ISBN 0-472-08260-4.
  • Frances Kianka: The Letters of Demetrios Kydones to Empress Helena Kantakouzene Palaiologina. In: Anthony Cutler, Simon Franklin (Hrsg.): Homo Byzantinus. Papers in Honor of Alexander Kazhdan (= Dumbarton Oaks Papers. Bd. 46). Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington D.C. 1992, ISBN 0-88402-198-X, S. 155–164, JSTOR 1291648.
  • Florin Leonte: A Late Byzantine Patroness: Helena Kantakouzene Palaiologina. In: Lioba Theis, Margaret Mullett, Michael Grünbart (Hrsg.): Female Founders in Byzantium and Beyond (= Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Bd. 60/61, ISSN 0083-9981). Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-78840-9, S. 345–353.
  • Anthony Luttrell: John V's Daughters: A Palaiologan Puzzle. In: Dumbarton Oaks Papers. Bd. 40, 1986, S. 103–112.
  • Elpidio Mioni: Una inedita cronaca bizantina (dal Marc. gr. 595). In: Rivista di Studi Bizantini e Slavi 1 (= Miscellanea Agostino Pertusi. Bd. 1), 1981, ISSN 1124-3945, S. 71–88.
  • Donald M. Nicol: The Byzantine family of Kantakouzenos (Cantacuzenus) ca. 1100–1460. A genealogical and prosopographical study (= Dumbarton Oaks Studies. Bd. 11). Dumbarton Oaks Center for Byzantine Studies, Washington D.C. 1968, S. 135–138 Nr. 30.
  • Kenneth Meyer Setton: The Papacy and the Levant, 1204–1571. Bd. 1: The Thirteenth and Fourteenth Centuries. American Philosophical Society, Philadelphia PA 1976, ISBN 0-87169-114-0, S. 301.
  • Erich Trapp, Hans-Veit Beyer, Sokrates Kaplaneres: Prosopographisches Lexikon der Palaiologenzeit. 9. Faszikel: [Ογουζάλπης] – Πέτκος (= Veröffentlichungen der Kommission für Byzantinistik. Bd. 1/9). Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1989, ISBN 3-7001-1641-1, S. 68–69 Nr. 21365.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Mioni, Cronaca, S. 75. Zit. n. PLP 9, S. 69.
  2. Vgl. Nicol, Kantakouzenos, S. 135.
  3. Vgl. Nicol, Kantakouzenos, S. 136.
  4. Vgl. PLP 9, S. 68.
  5. Vgl. Fine, Late Medieval Balkans, S. 325 f.
  6. Vgl. Nicol, Kantakouzenos, S. 137.
VorgängerinnenAmtNachfolgerinnen
Anna von Savoyen, Irene AsaninaKaiserin von Byzanz
1347/1354–1376
Keratsa von Bulgarien
Keratsa von BulgarienKaiserin von Byzanz
1379–1391/1392
Helena Dragaš