Bozcaada

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Bozcaada
Wappen fehlt
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Bozcaada (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Çanakkale
Koordinaten: 39° 49′ N, 26° 2′ OKoordinaten: 39° 49′ 19″ N, 26° 1′ 44″ O
Telefonvorwahl: (+90) 286
Postleitzahl: 17 680
Kfz-Kennzeichen: 17
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 2 Mahalle
Bürgermeister: Hakan Can Yılmaz (CHP)
Website:
Landkreis Bozcaada
Einwohner: 3.023[1] (2018)
Fläche: 37 km²
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km²
Kaymakam: İbrahim Gültekİn
Website (Kaymakam):

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Hafenfront
(28. Juli 2008)

Bozcaada (griechisch Τένεδος Ténedos) ist eine Insel in der Nordost-Ägäis bzw. im Thrakischen Meer. Die Insel ist heute ein Landkreis der türkischen Provinz Çanakkale. Sie ist die drittgrößte Insel des Landes und etwa 37 km² groß.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage Bozcaadas

Bozcaada liegt etwa 4 Seemeilen vom Hafen Yükyeri in Geyikli auf dem anatolischen Festland entfernt. Die höchste Erhebung der Insel ist der Hügel Göztepe mit einer Höhe von 192 Meter.

Zum Landkreis Bozcaada gehört neben der Insel Bozcaada auch die kleine Inselgruppe Karayer Adaları mit den Inseln Tavşan, Yılan, Orak und Pırasa, acht bis zehn Kilometer nordöstlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Insel während der letzten Kaltzeit, als der Meeresspiegel bis zu 120 m tiefer lag als heute, mit dem Festland und den Nachbarinseln Gökçeada, Samothrake, Lemnos verbunden war, lässt sich eine Besiedlung durch vorbäuerliche Jäger-und-Sammlergruppen nicht belegen. Gökçeada (früher: Imbros) wurde von Angehörigen einer bäuerlichen Kultur bereits um 6500 v. Chr. erreicht. Zu dieser Zeit lag die Insel bereits 12 km von der Küste entfernt, der Meeresspiegel lag nur noch 12 bis 18 m unter dem heutigen.[3]

Bozcaada wurde spätestens im frühen 3. Jahrtausend v. Chr. erstmals besiedelt, wobei die ausgegrabene Siedlung einen Kilometer westlich des Hafens nur kurzlebig war. Sie ließ sich der Frühen Bronzezeit zuordnen, genauer der Zeit zwischen 2920 und 2350 v. Chr. Das älteste Gebäude ist ein kleines, rechteckiges Bauwerk, während die Kistengräber erst genutzt wurden, als dieses Gebäude bereits seit einiger Zeit aufgegeben war, bzw. eines von ihnen wurde partiell für die Gräber abgerissen. Es kann, wenn es als Wohnhaus genutzt worden ist, kaum mehr als zwei oder drei Menschen beherbergt haben. Die Anlage der besagten vier Gräber zerstörte dieses und ein weiteres Gebäude aus Lehmziegeln. Die Toten wurden mit dem Kopf grob Richtung Westen ausgerichtet. Kistengräber dieser Art kommen zwar auch in Westanatolien vor, jedoch viel häufiger auf den spätneolithischen Kykladen. Die wenigen Grabbeigaben lassen hingegen anatolischen Einfluss erkennen.[4] Dabei spielten die beiden Buchten im Osten der Insel schon sehr früh eine Rolle für die Seefahrt.

Archäologische Grabungen in der Nekropole erwiesen, dass die Keramik aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. sich bis in die Späte Bronzezeit recht einheitlich darstellte (graue Ware); die Insel unterlag bis dahin weiterhin Einfluss durch die Kulturen des anatolischen Festlandes. Folgt man Homer (Ilias 1.38, I.452, XI.625, XIII.33; Odyssee III.159), so war bereits zu dieser Zeit die wichtigste Einrichtung auf der Insel der Schrein des Apollo Smintheus („Ratten-“ oder„Mäusevertilger“). Während seit der Bronzezeit ein erheblicher Einfluss der Dorer und von Kreta mit nahöstlichen Elementen anhand der Keramik belegbar ist, wuchs der Einfluss attischer und korinthischer Ware im 6. Jahrhundert stark an. Bis dahin dominierte die besagte Graue Ware, ähnlich wie auf Lesbos, Lemnos, Samothrake und Thasos sowie entlang der westanatolischen Küste und dem ägäischen Thrakien. Diese Ware wurde traditionell äolischen Zuwanderern zugeschrieben, die, nach Pindar, bereits in der Folge des Trojanischen Krieges auf die Insel gekommen sein sollten. Im von Homer beschriebenen sagenhaften Trojanischen Krieg versteckten sich die griechischen Krieger auf der Insel Tenedos, nachdem sie vor den Toren Trojas das hölzerne Trojanische Pferd aufgestellt und die Troas zum Schein in Richtung Griechenland verlassen hatten. Auf Tenedos warteten sie bis zur Nacht, um heimlich zurückzukehren und Troja zu erobern. Pindar zufolge hatte Peisandros, ein legendärer spartanischer Kolonisator, die Neuankömmlinge nach Tenedos gebracht. Gegen eine solche Zuwanderung sprechen inzwischen neben den archäologischen auch linguistische Argumente.[5]

Von 493 v. Chr. an gehörte die Insel zum Persischen Reich. 334 v. Chr. wurde sie von den Truppen Alexanders des Großen erobert.

Silbermünze aus der Zeit zwischen 100 und 70 v. Chr., links Zeus, rechts Hera

Die Insel fiel im Jahr 146 v. Chr. an das Römische Reich. Für das Oströmische Reich war die Insel insofern von hoher militärischer Bedeutung, als sich dort eine Station der Kriegsflotte befand. Die Insel gehörte der Provinz Insulae, bzw. Nesoi der Diözese Asiane an. In mittelbyzantinischer Zeit gehörte sie zum Thema Aigaion Pelagos.

Spätestens 431 befand sich dort der Sitz eines Bischofs, wahrscheinlich schon 342. Zwischen 478 und 491 zerstörte ein Erdbeben die Insel. Daher wohl wurde unter Justinian I. ein Getreidespeicher für die Flotte errichtet. Dort wurde das von Alexandria kommende, für Konstantinopel bestimmte Getreide zwischengelagert. Spätestens ab dem 10. Jahrhundert wurde das Bistum zum Suffragan von Mytilene.

Karte des Piri Reis mit der Insel Bozjah

Nach der Eroberung von Konstantinopel durch ein Kreuzfahrerheer im Jahr 1204 wurde die Insel wohl dem kaiserlichen Teil zugeschlagen. Doch zunächst wurde die Insel eher zum „Piratennest“ (Johannes Koder). Etwa Mitte des 13. Jahrhunderts kämpfte das Byzantinische Reich mit der Republik Venedig und der Republik Genua um die Herrschaft über die Insel. Ab dem 2. Viertel des 14. Jahrhunderts war Tenedos Sitz eines eigenen Metropoliten. Während des Bürgerkrieges stand die Insel auf Seiten Johannes' V. Palaiologos und wurde von den Genuesen geplündert. Diese verpfändeten 1352 die Insel für 20.000 Dukaten an Venedig. Als dieses 1376 die Insel besetzte löste dies einen vierjährigen Krieg mit Genua aus. Der Frieden von Turin sah nicht nur eine Entmilitarisierung der Insel vor, sondern eine vollständige Entvölkerung. Diese wurde 1385 abgeschlossen. Wahrscheinlich ab 1405 setzte die Neubesiedlung ein. Als Befestigungspläne umgesetzt werden sollten, setzte sich Genua 1431 dagegen zur Wehr.[6]

1454 wurde die Insel von den Truppen Mehmeds II. erobert und Teil des Osmanischen Reichs. 1478/79 begann der Neubau der, trotz mehrerer Umbauten bis heute erhaltenen Festung.

Bozcaada wurde zusammen mit Gökçeada nach dem griechisch-türkischen Krieg 1922/23 im Vertrag von Lausanne der Türkei zugesprochen und demilitarisiert. Im Vertrag von Lausanne vereinbarten Griechenland und die Türkei einen gegenseitigen Bevölkerungsaustausch, eine der Ausnahmen von dieser Zwangsumsiedlung betraf die Griechen Bozcaadas. Die meisten Griechen verließen die Insel daraufhin, kehrten aber innerhalb einiger Jahre zumeist wieder zurück. Doch im Zuge der „ethnischen Säuberungspolitik“ der Türkei in den 1950er Jahren wurde das Gros der griechischen Bevölkerung wieder vertrieben.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Antike bis in die frühe Neuzeit war Tenedos ein bedeutender Hafen am südlichen Eingang der Dardanellen. Darüber hinaus ist mindestens seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. Weinbau auf der Insel bezeugt. Tourismus ist heute wichtigster Wirtschaftszweig der Insel, daneben sind Erzeugung von Windenergie, Fischerei und Anbau von Mohn wichtige Wirtschaftsfaktoren der Insel.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festung Bozcaada
(21. September 2006)

Die Festung im Hafen der Insel, die Genuesern, Venezianern und Byzantinern gedient haben soll, ist unbekannten Ursprungs. In ihrer heutigen Form wurde sie unter Mehmet II. errichtet und 1703–1706, 1714–1726 sowie 1815 in besonderem Maße renoviert. Die 1867 errichtete griechisch-orthodoxe Kirche steht auf dem Fundament einer Kirche, die von Venezianern erbaut worden sein soll.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weinfest, zu dem große Teile der griechischen Diaspora anreisen, findet jährlich am 26. Juli statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nurettin Arslan, Nurten Sevinç, “Die eisenzeitlichen Gräber von Tenedos.” Istanbuler Mitteilungen 53, 2003, S. 223–250.
  • Nurettin Arslan, “Goldbleche aus Tenedos”, in: Istanbuler Mitteilungen 53, 2003, S. 251–263.
  • Hakan Gürüney: From Tenedos to Bozcaada. Tale of a forgotten island. In: Tenedos Local History Research Centre. Nr. 5. Bozcaada 2012, ISBN 978-975-23-1036-0.
  • Turan Takaoğlu, Nurten Sevinç, “The Early Bronze Age on Tenedos/Bozcaada.” Studia Troica 14, 2004, S. 135–140.
  • Turan Takaoğlu, “Ethnoarchaeological survey of modern agrarian sites on Tenedos/Bozcaada”, Ethnoarchaeological Investigations in Rural Anatolia 2, 2004, S. 90–105.
  • Ruthy Gertwagen: Venice, Genoa and the fights over the Island of Tenedos (Late fourteenth and early fifteenth centuries), in: Venice and the Mediterranean, Sonderausgabe hgg. v. Ruthy Gertwagen, Jean-Claude Hocquet, in: Studi Veneziani 57 (2013) 329–381. (academia.edu)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bozcaada – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Türkiye Nüfusu İl ilçe Mahalle Köy Nüfusları, abgerufen am 1. Juni 2019
  2. [1], PDF-Datei des Innenministeriums 1,4 MB
  3. Onur Özbek1, Burçin Erdoğu: Initial occupation of the Gelibolu Peninsula and the Gökçeada (Imbroz) Island in the pre-neolithic and early neolithic, in: Eurasian Prehistory 11 (2013) 97–128 (online, PDF).
  4. Nurten Sevinc, Turan Takaoğlu: The Early Bronze Age on Tenedos/Bozcaada, in: Studia Troica 14 (2004) 135–140 (academia.edu).
  5. Turan Takaoğlu: The Daedalic Style on Tenedos: New Light from Old Digs, in: Journal of Archaeology & Art 156 (2017) (academia.edu).
  6. Johannes Koder: Tenedos, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. VIII, Sp. 541.
  7. Rodanthi Tzanelli: The politics of 'forgetting' as poetics of belonging: between Greek self-narration and reappraisal (Michaniona, 2000/3). In: Nations and Nationalism. Band 13, Nr. 4, 2000, S. 675–694, S. 683 (abstract).