Henryk Arctowski

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Henryk Arctowski (März 1940)
Grab Henryk Arctowskis in Warschau

Henryk Arctowski [ˈxɛnrɨk artsˈtɔfskʲi] (* 15. Juli 1871 in Warschau; † 21. Februar 1958 in Washington, D.C.)[1] war ein polnischer Wissenschaftler, Ozeanograf und Erforscher der Antarktis.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arctowski studierte Geologie und Chemie an der Universität Lüttich und später an der Sorbonne in Paris. 1895 lernte er Adrien de Gerlache de Gomery kennen, der ihn als stellvertretenden wissenschaftlichen Leiter für die Belgica-Expedition (1897–1899) in die Antarktis rekrutierte. Bei dieser Forschungsreise unternahm Arctowski Untersuchungen zur Entstehung von Meereis sowie von Eisbergen und erhob meteorologische Daten über ein volles Jahr. Als Ozeanograf fertigte er anhand von Lotmessungen eine bathymetrische Karte des durchfahrenen Gebietes an. Nach der Expedition bereitete Arctowski seine Daten im königlichen belgischen Observatorium (Observatoire Royal de Belgique) in Ukkel auf.

Neben seiner Forschungsarbeit hielt Arctowski auch eine Reihe von Vorträgen im Ausland. Bei einer dieser Reisen lernte er in London die amerikanische Sängerin Arian Jane Addy kennen, die er später heiratete. Im Sommer 1910 nahm er als wissenschaftlicher Leiter an einer Expedition auf dem Schiff Île-de-France nach Spitzbergen und den Lofoten teil. Nach seiner Rückkehr organisierte er an der Stadtbibliothek von New York die wissenschaftliche Abteilung, die er von 1911 bis 1919 leitete.

1920 kehrte Arctowski nach Polen zurück, wo ihm der Premierminister Ignacy Jan Paderewski den Posten des Bildungsministers anbot. Arctowski lehnte ab und wurde stattdessen Leiter der Geophysik- und Meteorologieabteilung der Universität Lemberg. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hielt sich Arctowski in Washington auf. Da eine Rückkehr nach Polen nicht in Frage kam, übernahm er eine Stelle bei der Smithsonian Institution. Hier widmete er sich der Erforschung der Sonne und griff dabei auf Daten zurück, die er zwischen 1926 und 1930 erhoben hatte. Zudem wurde er zum Präsidenten der Internationalen Kommission für Klimaveränderung gewählt. Ab 1950 gab er seine Position bei der Smithsonian Institution aufgrund einer fortschreitenden Krankheit auf, blieb jedoch privat forschend aktiv.

Nach Arctowski sind eine polnische Forschungsstation in der Antarktis (Arctowski-Station) und eine Reihe geographischer Orte wie die Arctowski-Halbinsel und in der Arctowski-Nunatak in der Antarktis und auf Spitzbergen benannt.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Henryk Arctowski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Stewart: Antarctica – An Encyclopedia. Bd. 1, McFarland & Co., Jefferson und London 2011, ISBN 978-0-7864-3590-6, S. 71 (englisch)