Henryk Mandelbaum

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Henryk Mandelbaum (links)

Henryk Mandelbaum (* 15. Dezember 1922 in Olkusz, Polen; † 17. Juni 2008 in Bytom) war ein Holocaust-Überlebender, der zum Sonderkommando des KZ Auschwitz-Birkenau gehörte, das in den Krematorien eingesetzt worden war. Von 2000 Häftlingen des Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau überlebten lediglich 110. Als Zeitzeuge berichtete er später von seinen Erlebnissen und erzielte damit eine breite Resonanz.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henryk Mandelbaum, polnischer Jude, wurde im Alter von 21 Jahren inhaftiert. Er war aus dem Ghetto Sosnowiec (Sosnowitz) geflohen, verraten worden und wurde am 22. April 1944 nach Birkenau deportiert.

Mandelbaum wurde im Gegensatz zur Mehrzahl der mit ihm zusammen eingelieferten Juden aus Sosnowiec nicht sofort ermordet, weil er als Arbeiter in den Krematorien eingesetzt werden sollte. Dort wurde er u. a. dazu gezwungen, die Leichen in das Krematorium oder in die Verbrennungsgruben zu tragen, die sterblichen Überreste nach in den Körperöffnungen versteckten Wertsachen zu untersuchen oder Zahngold auszubrechen. Diesem Sonderkommando war auch Alberto Errera zugeteilt, dessen heimlich gemachten Aufnahmen von Leichenverbrennungen wichtige Zeugnisse darstellen. Henryk Mandelbaum war ein Augenzeuge des missglückten Fluchtversuches Erreras und berichtete darüber[1].

Am 7. Oktober 1944 war er an einem Aufstand der dort eingesetzten Häftlinge beteiligt, der niedergeschlagen wurde. 451 der Häftlinge wurden daraufhin erhängt oder erschossen. Es war einer der wenigen Aufstände in einem Konzentrationslager.

Auf dem Todesmarsch im Januar 1945 gelang es Mandelbaum zu fliehen. In Zivilkleidung entkam er und konnte sich auf einem Bauernhof für drei Wochen verstecken. Nach der Befreiung von Auschwitz meldete er sich bei der Wahrheitsfindungskommission als Augenzeuge.

Mandelbaum lebte bis zu seinem Tod 2008 in Polen. Er ließ nie die eintätowierte Nummer 181 970 auf seinem linken Unterarm entfernen, mit der die Häftlinge gekennzeichnet worden waren. Als Zeitzeuge reiste Mandelbaum in die ehemaligen Konzentrationslager und nach Deutschland, um dort über seine Erlebnisse zu berichten: „Man muss das doch alles wissen, man muss doch wissen, wie lange sind die Leute gewesen in die Gaskammer. Man muss wissen, wie lange sie haben gebrennt in die Ofen“, so Mandelbaum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eric Friedler, Barbara Siebert, Andreas Kilian: Zeugen aus der Todeszone: das jüdische Sonderkommando in Auschwitz. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-34158-0.
  • Nur die Sterne waren wie gestern: Henryk Mandelbaum, Häftling im Sonderkommando von Auschwitz 1944/1945; Ausstellungskatalog. Bildungswerk Stanisław Hantz, Kassel 2006, ISBN 3-00-018142-3.
  • Nur die Sterne waren wie gestern: Ausstellung über den ehemaligen Sonderkommando-Häftling Henryk Mandelbaum. Aus: analyse & kritik Nr. 506, 19. Mai 2006, ISSN 0945-1153.
  • Henryk Mandelbaum: Bericht eines Zeitzeugen. In: Bettina Schaefer (Hg.): Lass uns über Auschwitz sprechen. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2009. ISBN 978-3-86099-391-0. S. 45–60.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Igor Bartosik et Adam Willma, Dans les crématoires d'Auschwitz – Entretien avec Henryk Mandelbaum, Auschwitz-Birkenau State Museum, 2012.