Hermann Joseph Hiery

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Hermann Joseph Hiery (* 17. April 1957 in Saarlouis) ist ein deutscher Historiker, Ostasien- und Pazifikforscher und Professor für Neueste Geschichte an der Universität Bayreuth.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hiery wuchs in Waldkraiburg in Oberbayern auf und besuchte in Mühldorf das Gymnasium. 1984 promovierte er bei Hans Fenske an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Dr. phil. und arbeitete in einer akademischen Buchhandlung.[2] Von 1985 bis 1987 lehrte er an einer katholischen Universität (Divine Word University) in Madang, Papua-Neuguinea. Seitdem hat er sich besonders mit der deutschen Kolonialzeit in der Südsee beschäftigt. Er habilitierte sich 1993 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit seinem 1995 veröffentlichten Werk über Das deutsche Reich in der Südsee.[3]

Von 1991 bis 1996 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in London. Seit 1996 ist er Ordinarius für Neueste Geschichte an der Universität Bayreuth mit dem Forschungsgebiet „Deutsche Kolonialgeschichte“.

Als Historiker und Pazifikforscher führten ihn zahlreiche, z. T. mehrjährige Lehr- und Forschungsaufenthalte nach Madang (Papua-Neuguinea), Samoa, Fidschi, Australien und Neuseeland. Er ist Autor etlicher Bücher zur deutschen Kolonialgeschichte[4] und Herausgeber des Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte.[5]

Hiery war bis 2015 Vorsitzender der Gesellschaft für Überseegeschichte e.V. (GÜSG),[6][7] ist Mitglied der Academia Europaea, Vertrauensdozent und Mitglied (Kurator) des Auswahlausschusses für Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit[8] und war langjähriges Kuratoriumsmitglied der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung.[9]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seines Studiums war Hiery als Mitbegründer der liberalen Hochschulgruppe aktiv.[2]

Als FDP-Politiker engagierte er sich in einer Bürgerinitiative für die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs auf der Strecke Bayreuth–Weidenberg. Im Jahr 2009 gründete er den FDP-Ortsverband Fichtelgebirge, dessen Vorsitzender er ist. Zum Verband gehören die Gemeinden des Fichtelgebirges sowie Bindlach, Goldkronach, Speichersdorf und Weidenberg. 2014 war er Kandidat der FDP bei der Landratswahl des Landkreises Bayreuth[10] und erreichte einen Stimmenanteil von 5,7 Prozent.[11] Im Januar 2016 kritisierte er die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Als Einziger stimmte er diesbezüglich in einer Kreistagssitzung gegen die Einrichtung eines Runden Tisches im Landkreis und plädierte für einen Rücktritt der Bundeskanzlerin, die er als „beratungsresistent“ bezeichnete.[12]

Hiery kandidiert erneut bei der Landratswahl 2020. Er spricht sich u. a. für die Einsetzung eines Ombudsmanns und die Umstellung der Bahn nach Weidenberg auf Brennstoffzellenbetrieb aus. Auf die Frage nach seinen Visionen für den Landkreis antwortete er: „Wer Visionen hat, sollte zum Psychiater gehen“.[13] In Bezug auf den Klimawandel erklärte er, dass dieser nicht mehr zu verhindern sei. Deshalb müsse man zum Umgang mit seinen Folgen pragmatische Ansätze finden. Für Maßnahmen zum Klimaschutz sei es bereits zu spät.[14]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hiery ist verheiratet und hat vier Kinder.[10] Seit 1996 lebt er mit seiner Frau in einem Dorf bei Weidenberg.[2]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reichstagswahlen im Reichsland. Ein Beitrag zur Landesgeschichte von Elsass-Lothringen und zur Wahlgeschichte des Deutschen Reiches 1871–1918 (zugl. Dissertation, Universität Freiburg (Breisgau), 1984). Droste Verlag, Düsseldorf 1985, ISBN 3-7700-5132-7.
  • Das Deutsche Reich in der Südsee (1900–1921). Eine Annäherung an die Erfahrungen verschiedener Kulturen (zugl. Habilitationsschrift, Universität Freiburg (Breisgau), 1993). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 3-525-36322-2.
  • The neglected war. The German South Pacific and the Influence of World War I. University of Hawai'i Press, Honolulu 1995, ISBN 0-8248-1668-4.
  • Alltagsleben und Kulturaustausch. Deutsche und Chinesen in Tsingtau 1897–1914. Edition Minerva, Wolfratshausen 1999, ISBN 3-932353-31-5 (auch in chinesischer Sprache erschienen).
  • Der Zeitgeist und die Historie. J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2001, ISBN 3-89754-184-X.
  • Die deutsche Südsee 1884–1914. Ein Handbuch, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2001, 2., durchgesehene und verbesserte Aufl. 2002, ISBN 3-506-73912-3.[15]
  • Bilder aus der deutschen Südsee: Fotografien 1884–1921. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 978-3-506-70112-1.
als Mitautor
  • mit John M. MacKenzie: European Impact and Pacific Influence. British and German Colonial Policy in the Pacific Islands and the Indigenous Response. I.B. Tauris, London 1997, ISBN 1-86064-059-1.
  • mit Franz Bosbach: Imperium, Empire, Reich. Ein Konzept politischer Herrschaft im deutsch-britischen Vergleich. K. G. Saur Verlag, München 1999, ISBN 3-598-21416-2.
  • mit Frank Spörrer: Creussen. Geschichte einer oberfränkischen Stadt (1800–2000). Stadt Creußen, Creußen 2003, ISBN 3-926621-26-5.
  • mit Arthur Knoll: The German Colonial Experience. Select Documents on German Rule in Africa, China, and the Pacific 1884–1914. University Press of America Lanham, Boulder, New York, 2010.
als (Mit)-Herausgeber

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Joseph Hiery: Vita, kulturaustausch.de, abgerufen am 11. August 2015.
  2. a b c Hermann Hiery: Weltenbummler und Bücherliebhaber bei nordbayern.de, abgerufen am 11. März 2020.
  3. Informationen zur Habilitation, bsz-bw.de, abgerufen am 11. August 2015.
  4. Hiery: Kurzvita.
  5. Herausgeber des Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte, harrassowitz-verlag.de, abgerufen am 11. August 2015.
  6. Bayreuther Historiker Prof. Hiery weiter Vorsitzender der Gesellschaft für Überseegeschichte, idw-online.de, Meldung vom 13. Juni 2007.
  7. Vorstand der GÜSG (Memento vom 30. März 2016 im Internet Archive), neueste.uni-bayreuth.de, abgerufen am 11. August 2015.
  8. Kuratorium des Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnispreis der Friedrich-Naumann-Stiftung (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive), freiheit.org, abgerufen am 11. August 2015.
  9. Kuratorium der Wolf-Erich-Kellner Stiftung, neueste.uni-bayreuth.de, abgerufen am 11. August 2015.
  10. a b Mit Leidenschaft an der Spitze des Landkreises, nordbayern.de, Meldung vom 8. März 2014.
  11. Hermann Hiery versucht's noch einmal bei kurier.de, abgerufen am 11. März 2020.
  12. Historiker Hermann Hiery: „Das ist wie in der DDR“ bei nordbayern.de, abgerufen am 11. März 2020.
  13. Antwort auf drängende Fragen in: Nordbayerischer Kurier vom 7./8. März 2020, S. 18.
  14. Bayreuther Landratskandidat Hermann Hiery von der FDP: „Für Umweltschutz ist es zu spät“ bei bayreuther-tagblatt.de vom 7. März 2020, abgerufen am 11. März 2020.
  15. Helmut Heinzlmeir: Buchvorstellung Die deutsche Südsee 1884–1914. Ein Handbuch, deutschlandfunk.de, Artikel vom 12. August 2002.