Creußen

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Creußen; für den gleichnamigen Fluss siehe Creußen (Fluss).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Creußen
Creußen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Creußen hervorgehoben
49.84444444444411.625277777778442Koordinaten: 49° 51′ N, 11° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bayreuth
Verwaltungs­gemeinschaft: Creußen
Höhe: 442 m ü. NHN
Fläche: 66,48 km²
Einwohner: 4833 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95473
Vorwahl: 09270
Kfz-Kennzeichen: BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 72 127
Stadtgliederung: 38 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bahnhofstraße 11
95473 Creußen
Webpräsenz: www.stadt-creussen.de
Bürgermeister: Martin Dannhäuser (Freie Wähler)
Lage der Stadt Creußen im Landkreis Bayreuth
Landkreis Nürnberger Land Bayreuth Bayreuth Landkreis Hof Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Kulmbach Landkreis Lichtenfels Landkreis Bamberg Landkreis Forchheim Landkreis Tirschenreuth Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Amberg-Sulzbach Prüll Warmensteinacher Forst-Nord Waidacher Forst Waidacher Forst Veldensteiner Forst Neubauer Forst-Nord Waischenfeld Lindenhardter Forst-Südost Lindenhardter Forst-Nordwest Langweiler Wald Bayreuth Heinersreuther Forst Goldkronacher Forst Glashüttener Forst Forst Neustädtlein am Forst Gemeindefreies Gebiet Fichtelberg Emtmannsberg Haag (Oberfranken) Seybothenreuth Creußen Warmensteinach Weidenberg Schnabelwaid Prebitz Plech Mistelgau Mistelbach (Oberfranken) Hummeltal Hummeltal Heinersreuth Goldkronach Glashütten (Oberfranken) Gesees Gefrees Eckersdorf Bischofsgrün Bischofsgrün Bindlach Betzenstein Bad Berneck im Fichtelgebirge Speichersdorf Kirchenpingarten Waischenfeld Plankenfels Pegnitz (Stadt) Mehlmeisel Hollfeld Fichtelberg (Oberfranken) Aufseß Ahorntal Bischofsgrüner Forst Pottenstein (Oberfranken)Karte
Über dieses Bild

Creußen ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Creußen. Sie liegt in der Fränkischen Schweiz etwa 13 Kilometer südlich von Bayreuth an der Bundesstraße 2 nahe der Autobahn A 9.

Geografie[Bearbeiten]

Topografie[Bearbeiten]

Creußen liegt in der Mittelgebirgslandschaft Fränkische Schweiz, am Fuße des Fichtelgebirges und am Oberpfälzer Wald. Die Stadt liegt auf einer Höhe zwischen 426 und 630 Meter. Der Schlossberg im Osten von Creußen ist 566 Meter über NN hoch. Auf ihm wird mit Windrädern Strom erzeugt.

Der Preunersfelder Rangen ist mit 630 Meter die höchste Erhebung im Creußener Höhenzug. Er erstreckt sich weiter in den Süden. In Thurndorf, etwa 9,5 Kilometer von Creußen entfernt, liegt die höchste Stelle des Schnabelwaider Kitschenrains mit 647,5 Meter, der Kalvarienberg mit Waldkapelle.

Creußen liegt im Obermain-Oberpfälzischen Hügelland. Der Rote Main bildet den Kontrast zu den Hügeln und Terrassen des Creußener Höhenzuges. Westlich von Creußen liegt der Lindenhardter Forst. Das Creußener Land, das den östlichsten Teil der Fränkischen Schweiz bildet, eignet sich im Winter auch zum Skilanglauf. Es ist nach dem Fichtelgebirge und dem Frankenwald das sicherste Schneegebiet in Oberfranken.

Die bedeutendsten Berge rund um Creußen sind der Kalvarienberg (647 m), der Graubühl (569 m), die Dreiköpfige Tanne (519 m), der Schlossberg (566 m), der Kapf (597 m), der Preunersfelder Rangen (630 m), der Creussener Berg (475 m), der Tannenberg (597 m), der Funkenberg (580 m), der Kleine Kulm (626 m) und die Hohenmirsberger Platte (614 m).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Creußen ist in 38 Stadtteile eingeteilt:[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Emtmannsberg, Speichersdorf, Prebitz, Schnabelwaid, Pegnitz, Hummeltal, Haag und Bayreuth.

Creußen

Geotope[Bearbeiten]

  • Aufschluss im Posidonienschiefer westlich von Creußen (Geotop-Nummer 472A009).

Geschichte[Bearbeiten]

Karte des Radenzgaus (Ratenzgowe) mit Creußen (Crosni)
Stadtmauer mit Hinterem Tor und Malefizturm

Die Besiedlung im damaligen Radenzgau[3] erfolgte um das Jahr 1000. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Creußen als „urbs crusni“ im Jahr 1003 bei den Streitigkeiten zwischen dem späteren Kaiser Heinrich II. und dem Schweinfurter Markgrafen Hezilo. Der Kaiser, unter anderem unterstützt vom Würzburger Bischof Heinrich, belagerte die Burg Creußen (castrum crusni), in der sich der Markgraf mit seiner Familie verschanzt hatte. Ob die Burg[4] damals zerstört wurde, geht aus den Quellen nicht hervor. Der Markgraf konnte zwar heimlich durch den Belagerungsring entweichen (der Volksmund berichtet, dass er durch einen Geheimgang entkam), wurde jedoch in der Nähe von Tiefenthal gefasst.

Die Herrschaft der Burggrafen von Nürnberg begann im Jahr 1251, als der Zoller Friedrich II. von Nürnberg vom staufischen König Konrad den Ort erhielt.[5] 1358 wurde Creußen von Kaiser Karl IV. zur Stadt erhoben. Ab 1500 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis. In den Hussitenkriegen und im Dreißigjährigen Krieg wurde sie verwüstet.

1792 fiel die Stadt an Preußen, dem der Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander sein Herrschaftsgebiet verkauft hatte. Nach einem kurzen Intermezzo unter französischer Herrschaft (1807–1810) wurde das ehemalige Fürstentum Bayreuth, und mit ihm die Stadt Creußen, an Bayern verkauft. 1893 wurden große Teile durch einen Brand zerstört (Vorderes Tor, Marktplatz, Habergasse).

Wichtigster Wirtschaftszweig des ländlich geprägten Orts war bis in die 1930er Jahre das Handwerk. Bekannt ist die Stadt für die dort gefertigten Krüge. Bei der letzten freien Reichstagswahl am 6. November 1932 erreichte die NSDAP in Creußen bereits 55 Prozent der Stimmen (33,1 Prozent im Reichsdurchschnitt).[6]

Das 1912 gegründete Metallwerk des späteren Bürgermeisters und NSDAP-Ortsgruppenleiters Carl Tabel entwickelte sich während des Dritten Reichs zum Rüstungsbetrieb. Erste Rüstungsaufträge wurden im Mai 1938 erledigt, 1939 arbeiteten 166 Arbeiter in der Fabrik. Ab 1942 wurden neben Gewehren und Flakgeschützen auch Teile für Kampfpanzer gefertigt. Im Februar 1945 waren im Werk 1360 Personen beschäftigt, darunter 1160 Zwangsarbeiter. Deren Barackenlager am Thietmarplatz war mit einem doppelten, 2,20 Meter hohen Stacheldrahtzaun gegen Fluchtversuche gesichert und durch einen Tunnel mit der Fabrik verbunden. Ein weiteres Lager („Ost-Arbeiter-Lager“ Rosental) entstand auf der Vogelhöhe, dessen Steinbaracken sind noch vorhanden. Die Zwangsarbeiter stammten aus acht Ländern, sogar 14-jährige Mädchen und Jungen waren darunter.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Bühl eingegliedert.[8] Am 1. Januar 1977 kam Neuhof hinzu. Gottsfeld, Haidhof, Seidwitz und der Markt Lindenhardt sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Wolfsbach folgten am 1. Mai 1978.[9]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2008 und 2014 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:

Partei / Wählergruppe 2008 2014
CSU 6 5
SPD 3 3
Grüne und Unabhängige 1 2
Creußener Liste 3 2
Überparteiliche Wählergruppe Creußen - Freie Wähler 2 3
Lindenhardter Umlandliste (LUL) 1 1
Gesamt 16 16

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 11. November 2012 gewann Martin Dannhäußer (Überparteiliche Wählergruppe - Freie Wähler) gegen den Amtsinhaber Harald Mild (CSU) mit 50,9 % der Stimmen. Im Jahr 2006 war Mild noch mit 90,81 % der Stimmen in seinem Amt bestätigt worden, als er keinen Gegenkandidaten hatte.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Eremitage
  • Die Pfarrkirche St. Jakobus am Heziloplatz erhielt nach der Zerstörung in den Hussitenkriegen und dem Wiederaufbau 1477 im Jahre 1700 ihre heutige Form und den größten Teil der barocken Innenausstattung. Der Kirchturm steht auf den Fundamenten des Bergfrieds der früheren Burg.
  • Gegenüber befindet sich die ehemalige Lateinschule, die in ihrer Blütezeit weit über Creußen hinaus großes Ansehen genoss.
  • Am Marktplatz steht das Pfarrhaus und davor das ehemalige Kommunbrauhaus, heute evangelisches Gemeindehaus.
  • Die Stadtmauer wurde 1358 bis 1361 errichtet mit
    • dem Hinteren Tor, in dem sich das Krügemuseum befindet,
    • dem Hunger- oder Malefizturm, der als Gefängnis erbaut wurde und dem
    • Markusturm, 1477 erbaut.
  • Die Habergasse war ursprünglich die Hauptstraße der Stadt und als Straßenmarkt angelegt. Dort wurden die Pferde der Handelsleute mit Hafer versorgt.
  • Das Rathaus wurde 1360 erbaut und nach den Zerstörungen im Hussitenkrieg 1477 neu errichtet. Brot- und Fleischbänke an der Längsseite dienten als Verkaufsstände.
  • Das Eremitenhäuschen gilt als die einzige erhaltene bürgerliche Eremitage Deutschlands. Es wurde 1760 von dem Theologen Johann Theodor Künneth erbaut.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Creußen

Kurfürstenhumpen, Creußen 1696, Steinzeug mit Zinndeckel. Victoria and Albert Museum London

Museum[Bearbeiten]

Im Krügemuseum sind bedeutende Stücke des Creußener Steinzeugs ausgestellt. Dieses Steinzeug ist aus einem Ton gefertigt, dessen Zusammensetzung heute nicht mehr bekannt ist. Das Krügemuseum ist seit 1950 in der Torwächterstube im nördlichen Stadttor (Hinteres Tor) untergebracht. 2004 wurde es nach dem Ausbau des angrenzenden Scharfrichterhauses erweitert.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Papst Gregor IV. richtete das Fest zu Ehren seines Vorgängers Papst Gregor I., dem Schutzpatron der Jugend und der Schulen, im Jahre 830 als Schulfest ein. In Creußen wird dieses Fest seit dem 17. Jahrhundert gefeiert. Es findet alle zwei Jahre am letzten Wochenende vor den Schulferien auf dem Marktplatz statt und dauert vier Tage.
  • Internationaler Töpfermarkt
Der Markt erinnert an die Tradition des Keramikhandwerks in Creußen und findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juli statt.

Verkehr[Bearbeiten]

Triebzug im Bahnhof Creußen (Oberfr)

Der Bahnhof Creußen (Oberfr) steht an der Bahnstrecke Schnabelwaid–Bayreuth. Dort fahren Züge der Relation Bayreuth - Nürnberg im Stundentakt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Creußen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. bayerische-landesbibliothek-online.de
  3.  Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten. 1. Auflage. Gondrom, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-0809-8, S. 13.
  4. Dr. Hans Vollet, Kathrin Heckel: Die Ruinenzeichnungen des Plassenburgkartographen Johann Christoph Stierlein. 1987.
  5. Karl Müssel, op. cit., S. 32
  6.  Peter Engelbrecht: Der Krieg ist aus. Frühjahr 1945 in Oberfranken. Späthling, Weißenstadt 2015, ISBN 978-3-942668-23-1, S. 63.
  7. Peter Engelbrecht, op. cit. S. 63 ff.
  8.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 549.
  9.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 675.