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Hermann Wallich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Hermann Wallich, ca. 1870
Hermann Wallich, 1913, Radierung von Hermann Struck

Hermann Wallich (* 28. Dezember 1833 in Bonn; † 30. April 1928 in Berlin) war ein deutscher Bankier.

Wallich stammte aus einer im Rheinland ansässigen, jüdisch-orthodoxen Kaufmannsfamilie. Sein Vater Joseph betrieb einen Häutehandel. Nach dem Abschluss einer Banklehre in Köln arbeitete Wallich ab 1854 fünfzehn Jahre lang für verschiedene französische Bankhäuser, zuletzt als Leiter der Shanghai-Niederlassung des Comptoir d’Escompte.

1870 wurde Wallich auf Empfehlung Ludwig Bambergers in den Vorstand der soeben gegründeten Deutschen Bank berufen. In den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Deutsche Bank unter der Leitung Wallichs und Georg Siemens’ (später auch Max Steinthals und Rudolph Kochs) zu einer der bedeutendsten Großbanken Deutschlands. Wallich war dabei insbesondere für den Ausbau des Depositen- und Auslandsgeschäfts zuständig, während Siemens vor allem die Industriefinanzierung betrieb.

Siemens’ Biograph Karl Helfferich schilderte die Bedeutung Wallichs für die Deutsche Bank wie folgt:

„In ihm erhielt die Deutsche Bank von Anfang an eine ihrer allerwertvollsten Kräfte. ... Seine absolute Beherrschung des überseeischen Geschäfts, seine große kaufmännische Erfahrung, sein durchdringender Verstand und sein stets ruhig abwägendes Urteil - all diese Eigenschaften haben mitgeholfen, die Deutsche Bank zu dem zu machen, was sie heute ist. Wallich war die gegebene Ergänzung für Siemens, dessen Kraft in erster Linie bei der Konzeption großzügiger Geschäfte ... lag.[1]

1894 wechselte Wallich vom Vorstand in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank, dessen Mitglied er bis zu seinem Tode blieb. Von 1887 bis zum Ersten Weltkrieg war er Konsul der Republik Argentinien in Berlin und leitete bis 1912 den Aufsichtsrat der Deutschen Ueberseeischen Bank.[2][3][4]

1875 heiratete Hermann Wallich Anna Jacoby (1834–1925). Das Paar bekam die Tochter Ilse (* 1880), die den Juristen und späteren Präsidenten des Deutschen und Preußischen Städtetages, Oskar Mulert (1881–1951), heiratete, und den Sohn Paul Wallich (1882–1938), der ebenfalls Bankier wurde. Wie unter assimilierten Juden dieser Generation häufig, ließen die Wallichs ihre Kinder lutherisch taufen, um ihre Chancen zu verbessern, ohne selbst zu konvertieren. 1877 trat Wallich der Gesellschaft der Freunde bei. 1878 erbte er von seinem Schwiegervater Moritz Jacoby die Villa Schöningen in Potsdam, ein 1843 vom Architekten Ludwig Persius erbautes klassizistisches Wohnhaus, das heute Teil des Berlin-Potsdamer UNESCO-Welterbes ist. In Berlin ließ er sich 1886 bis 1887 vom Architekturbüro Ende & Böckmann das Haus Wallich an der Bellevuestraße 18a erbauen, das er bis 1904 bewohnte. Frau Konsul Anna Wallich war Anfang der 1920er Jahre offizielle Besitzerin[5] des Rittergutes Jerchel mit Vorwerk Louisenhof, im Landkreis Jerichow II gelegen. Ihre Initialen sind bis heute am dortigen Gutshaus zu entdecken.[6]

Wallichs Enkel verließen während der Zeit des Nationalsozialismus Deutschland, darunter Henry C. Wallich (1914–1988), der später Professor für Ökonomie an der Universität Yale wurde und ein Standardwerk über das deutsche Wirtschaftswunder der 1950er Jahre verfasste ("The Mainsprings of the German Revival").

Einzelnachweise

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  1. Karl Helfferich: Georg von Siemens. Ein Lebensbild aus Deutschlands grosser Zeit. Band 1, Springer Verlag, Berlin 1921, S. 228 f.
  2. Central-Blatt für das Deutsche Reich, herausgegeben im Reichsamt des Inneren, 15. Jg., Nr. 23 (10. Juni 1887), S. 155.
  3. Geschäftsbericht des Vorstands der Deutschen Ueberseeischen Bank für das Geschäftsjahr 1911, S. 2.
  4. Geschäftsbericht des Vorstands der Deutschen Ueberseeischen Bank für das Geschäftsjahr 1914, S. 2.
  5. Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 34–35.
  6. Jerchel, In: Klaus Schulte: Die Herrenhäuser des Havelland. Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart. 1. Auflage, Hrsg. Almut Andreae, Udo Geiseler, Lukas Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-59-2, S. 159 ff.