Hermann von Boetticher

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Hermann von Boetticher (* 13. August 1887 in Eldingen; † 1941 vermutlich in Schloss Sonnenstein, Sachsen) war deutscher Schriftsteller und Dramaturg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hermann von Boetticher war das zweite von sechs Kindern des Eldinger Pastors Johannes von Boetticher (1859–1905) aus der alten Nordhausener Familie Boetticher und der Katharina von Boetticher, geb. von Zeschwitz. Er ging am 14. Mai 1914 an Bord des Passagierschiffes "Vaterland", die ihre Jungfernfahrt absolvierte, um in die USA zu reisen und erreichte New York am 21. Mai. Doch schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges 3 Monate später versuchte er zurückzukehren und betrat am 24. August in New York das Passagierschiffes "Nieuw Amsterdam" mit Ziel Amsterdam, das aber am 2. September vom französischen Hilfskreuzer „La Savoie“ am Ärmelkanal-Eingang aufgebracht und nach Brest überführt wurde. Als Staatsangehöriger der Mittelmächte im kriegstauglichen Alter wird er zunächst im Fort von Crozon festgesetzt und 1916 zum Arbeitsdienst nach Île Longue in die Bretagne verbracht.[1] Hier begann er mit der Erstellung seines eigentlichen Erstlingswerkes „Jephta. Tragödie.“, welches er aber erst 1919 beenden sollte. 1917 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz verlegt und in Genf, Zürich und letztlich in Bern interniert. Nach Ende des Krieges 1918 wurde er Spielleiter und Dramaturg am Berner Stadttheater.

Nach Deutschland kehrte er 1919 zurück und wurde für kurze Zeit Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus. Im selben Jahr veröffentlichte er mehrere Werke u. a. seine „Sonette des Zurückgekehrten“, die mit 9 Lithographien von Max Thalmann ausgestattet in 500 Exemplaren gedruckt wurden. Eine Sonderauflage von 100 Stück dieser Ausgabe wurde auf Zander-Bütten veröffentlicht und bei Prof. Otto Dorfner in Weimar in Ganzleder gebunden. Am 21. Januar 1920 wurde der erste Teil seines schon 1917 erschienenen Hauptwerkes Friedrich der Große, Der Kronprinz am Staatstheater in Berlin uraufgeführt, der zweite Teil folgte unter dem Titel Der König am 9. Juli 1922 als Uraufführung im Stadttheater Bochum. Ab 1920 lebte er ohne festen Wohnsitz in Berlin, München, Genf und Paris, vorwiegend aber in Florenz. 1924 veröffentlichte er mit der Novelle Das Bild sein letztes Werk.

Im Jahre 1925 wurde er erstmals wegen Schizophrenie in eine psychiatrische Heilanstalt eingewiesen.[2] Am 17. Januar 1934 inszenierte Gustaf Gründgens im Preußischen Staatstheater in Berlin erstmals Boettichers Hauptwerk "Der König" ("Friedrich der Große, II. Teil) und brachte es auf insgesamt 26 Aufführungen in der Spielzeit bis zum Sommer 1934.[3] Ob Boetticher seinen Erfolg noch wahrnahm, ist nicht bekannt, denn er erkrankte in den 1930er Jahren an einer erblichen Nervenkrankheit, an der schon sein Vater gestorben war. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in einer Heil- und Pflegeanstalt in Hildesheim. 1941 erhielt seine Mutter seine Asche mit dem Vermerk zugestellt, er sei in der Nervenheilanstalt Sonnenstein in Sachsen an "Hirnschlag" verstorben. Der Verdacht liegt daher nahe, dass er Opfer der Krankenmorde im Rahmen der Nationalsozialistischen Rassenhygiene (Aktion T4, Eugenik) geworden war und in Sonnenstein bei Pirna vergast wurde.[4]

Rezension[Bearbeiten]

Der renommierte Theaterkritiker Julius Bab war über Boetticher voll des Lobes. Er schrieb 1920: "In diesem jungen Menschen ist soviel gespannte Kraft, ein so glückliches Gleichmaß von sinnlicher Empfänglichkeit und maßgebendem Geist – so viele Bereitschaft für jedes Große, daß wir nichts brauchen als ein wenig Gunst des Glücks, um in Hermann von Boetticher endlich einmal einen deutschen Dichter großen, reinen Stils begrüßen zu können"[5].

Werke[Bearbeiten]

  • Friedrich der Große. Ein Schauspiel in zwei Teilen, Fischer, Berlin 1917.
  • Jephta. Tragödie, Fischer, Berlin 1918.
  • Die Liebe Gottes. Ein ernstes Spiel, Fischer, Berlin 1919.
  • Sonette des Zurückgekehrten, Bruno Wollbrück Verlag, Weimar 1919.
  • Erlebnisse aus Freiheit und Gefangenschaft, Fischer, Berlin 1919
  • Das Bild. Novelle, Fischer, Berlin 1924.
  • Thomasio, ohne Angabe von Verlag und Jahr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kayser, Rudolf (Rez.), Hermann Boetticher: Erlebnisse aus Freiheit und Gegenwart, in: "Die neue Bücherschau" – F. 1 (1919), S. 14.
  • Kayser, Rudolf: Über Hermann von Boetticher, in : "Feuer : Monatsschr. für Kunst u. künstler. Kultur" - 1919/20 S. 441 – 443.
  • Maas, Lena, Ein neues Buch : Hermann von Boetticher, Sonette des Zurückgekehrten, in : "Weimarer Blätter: Zeitschr. d. Deutschen Nationaltheaters in Weimar" – 1 (1919), S. 701 – 702.
  • Benzmann, Hans (Rez.), Hermann von Boetticher, Jephta, in : "Das Deutsche Drama : Vierteljahresschrift für Bühne u. Schrifttum" - 3 (1920), S. 203 – 205.
  • Bab, Julius, Hermann von Boetticher, in : "Weimarer Blätter : Zeitschr. d. Deutschen Nationaltheaters in Weimar" – 2 (1920), S. 57 – 63.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christophe Kunze, Hermann von Boetticher, interné civil au camp de l’Île Longue, et sa tragédie "Jephta" in Avel Gornog, Nr. 18, Crozon, Juli 2010, S. 54
  2. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 65.
  3. Günther Rühle, Theater in Deutschland 1887-1945: Seine Ereignisse - seine Menschen, Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, Zeittafel 1934, 17.1.
  4. Ernst Klee, Kulturlexikon, S. 65.
  5. Julius Bab, Hermann von Boetticher, in : "Weimarer Blätter : Zeitschr. d. Deutschen Nationaltheaters in Weimar" – 2 (1920), S.63