Herrntrop

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Herrntrop
Gemeinde Kirchhundem
Koordinaten: 51° 5′ 18″ N, 8° 6′ 11″ O
Höhe: 312 m
Einwohner: 122 (31. Dez. 2014)
Postleitzahl: 57399
Vorwahl: 02723
Blick auf Herrntrop
Blick auf Herrntrop

Herrntrop ist ein Dorf im Norden der Gemeinde Kirchhundem.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrntrop liegt im Süderbergland des Rheinischen Schiefergebirges. Darin gehört es zum sogenannten Bilsteiner Bergland im Gebiet des Olper Landes.[1] Die Ortslage gehört zu den westlichen Ausläufern des Rothaargebirges im von Osten nach Westen verlaufenden Tal der Hundem, einem Fluss, der in Altenhundem in die Lenne mündet. Im Norden von Herrntrop liegt der 463 m hohe Gelsterhagen, im Nordosten der 452 m hohe Kuhhagen. Nach Süden ist die Landschaft offen und steigt verhältnismäßig sanft an zum „Alten Feld“ im Süden. Der Galgenberg im Südwesten ist 380 m hoch.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Herrntrop sind Würdinghausen im Osten, Flape im Südwesten, Kirchhundem im Westen, Altenhundem im Nordwesten, Kickenbach im Norden und Langenei im Nordosten.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schriftliche Ersterwähnung Herrntrops ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Michael Flöer führt eine Urkunde des Klosters Grafschaft von 1228, in der ein Theodericus villicus de Hernincthorp als Zeuge genannt wird, sowohl als Beleg für Herrntrop in der Gemeinde Kirchhundem, als auch für den untergegangenen Ort Herentorp bei Grafschaft (Stadt Schmallenberg) an und lässt letztlich offen, welchen Ort die Urkunde meint.[3] Bereits Manfred Wolf hatte sich bei der Veröffentlichung der Urkunden und Akten des Klosters Grafschaft in diesem Zusammenhang für Herrntrop bei Kirchhundem entschieden, schreibt aber im Register seiner Urkundenedition „bei Attendorn“.[4] Günther Becker erwähnt Herrntrop hingegen nicht als einen der Orte, die vor 1300 in der heutigen Gemeinde Kirchhundem urkundlich erwähnt worden sind.[5]

Frühe Anhaltspunkte über die Größe des Ortes ergeben sich aus einem Schatzungsregister (diente der Erhebung von Steuern) für das Jahr 1543. Demnach gab es in „Herentrop“ sechs Schatzungspflichtige (die höchsten Abgaben entfielen auf Peterß Hanß, Henßken sein Vetter, Cord Schmidt und Christian Schmidt)[6]; diese Zahl könnte mit den damals vorhandenen Höfen bzw. Häusern übereingestimmt haben.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ortschaft im ehemaligen kurkölnischen Herzogtum Westfalen ist die Bevölkerungsstruktur von Herrntrop noch heute überwiegend katholisch geprägt. Von den Einwohnern sind 104 römisch-katholische und 6 evangelische Christen. Zu weiteren 12 Einwohnern liegen Angaben zur Religionszugehörigkeit nicht vor.[7]

Herrntrop gehört seit dem Mittelalter zur katholischen Pfarrei Kirchhundem, die heute ein Teil des Pastoralen Raumes Kirchhundem im Dekanat Olpe ist.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1843/44 bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Juli 1969 war Herrntrop eine Ortschaft in der politischen Gemeinde Kirchhundem im Amt Kirchhundem. Seitdem gehört das Dorf zur heutigen Gemeinde Kirchhundem.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 hatte Herrntrop 197 Einwohner. Bis 1974 war zunächst ein leichter Anstieg der Einwohnerzahl auf 199 zu verzeichnen, sie ging jedoch im nächsten Jahrzehnt zurück: 1978 = 151, 1985 = 144. Bis 1990 war wieder ein Anstieg auf 153 zu verzeichnen, um dann erneut zurückzugehen. Heute leben hier 122 Menschen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detail des denkmalgeschützten Wegkreuzes

Im Ortskern des Dorfes stehen drei Fachwerkhäuser des 18. Jahrhunderts, die – in zwei Fällen teilweise – als Baudenkmäler in die Denkmalliste der Gemeinde Kirchhundem eingetragen sind.[8] In einem der Gebäude, dem ehemaligen Gasthof Kaufmann gt. Elsken, ist ein Trauzimmer des Standesamtes Kirchhundem gewidmet. Als Baudenkmal eingetragen ist auch ein Holzkreuz mit den Marterwerkzeugen Christi im Ostteil des Dorfes.

Eine einbogige Brücke aus Porphyrstein, die nicht unter Denkmalschutz steht, ist ein Relikt der früheren Eisenbahnstrecke zwischen Altenhundem und Birkelbach.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt ist der Zwieback der Bäckerei Droste aus Herrntrop, der nach altem Familienrezept hergestellt wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Hammerwerk am Ostrand des Dorfes kann schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachgewiesen werden.[9] Eine zeichnerische Darstellung des Werkes befindet sich in der so genannten Heidschotter Jagdkarte von 1743 im Archiv des Freiherrn von Fürstenberg, Herdringen.[10] Seit den 1820er-Jahren sank die Rohstahlproduktion des Werkes, 1850 wurde es schließlich stillgelegt und später in ein Sägewerk umgebaut. Im 20. Jahrhundert war hier zeitweise die Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft untergebracht, die später nach Würdinghausen umzog. Auf einem Teil des früheren Hammergeländes befindet sich heute ein Supermarkt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Herrntrop verläuft die L 553 zwischen Kirchhundem und Hatzfeld (Eder).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kinder von Herrntrop besuchen den katholischen Kindergarten und die katholische Grundschule St. Christophorus in Kirchhundem. Weiterführende Schulen gibt es in Kirchhundem und Lennestadt. Eine nahe gelegene Universität gibt es in Siegen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otto Lucas: Das Olper Land. Arbeiten der Geographischen Kommission im Provinzialinstitut für Westfälische Landes- und Volkskunde. Bd. 4. Münster 1941, S. 22.
  2. Landesvermessungsamt NRW: Wanderkarte 1:25000. Lennestadt-Kirchhundem in den Naturparken Rothaargebirge, Ebbegebirge und Homert. Auf Grundlage der Topographischen Karte 1:25000. 2. Auflage 1998.
  3. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Kreises Olpe. Bielefeld 2014, S. 127 f.; Ders.: Die Ortsnamen des Hochsauerlandkreises. Bielefeld 2013, S. 238–240.
  4. Manfred Wolf (Bearb.): Das Archiv des ehemaligen Klosters Grafschaft. Urkunden und Akten. Landeskundliche Schriftenreihe für das Kölnische Sauerland 4. Arnsberg 1972, S. 4 und 313.
  5. Günther Becker und Martin Vormberg: Kirchhundem. Geschichte des Amtes und der Gemeinde Kirchhundem. 1994, S. 23.
  6. Schatzungsregister 1543 für das kurkölnische Sauerland, PDF (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heimatverein-finnentrop.de, S. 29.
  7. Einwohnerstatistik der Gemeinde Kirchhundem.
  8. Denkmalliste der Gemeinde Kirchhundem.
  9. Wilfried Reininghaus und Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 274.
  10. Martin Vormberg: Die Jagdbezirke von Schloss Adolfsburg. Historische Ortsansichten und Landschaftselemente im Südsauerland um 1743/44. Kirchhundem 2013, S. 18.