Hillesheim (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Grafen von Hillesheim 1712

Die Grafen von Hillesheim, waren ein rheinisch-pfälzisches Adelsgeschlecht, das ursprünglich aus dem Bergischen Land stammte.

Familiengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie zählte zum Ritterstand des Herzogtums Jülich-Berg. Ursprünglich kam sie aus dem Dorf Merscheid (auch Mereschitt, Merscheit oder Meschet) bei Solingen und nannte sich, nachdem sie in den Besitz eines Gutes in dem heute zu Much gehörenden Weiler Hillesheim gekommen war, Merscheid genannt von Hillesheim bzw. nur noch von Hillesheim.

1636 erhielt Wilhelm von Hillesheim die Burg Niederbach in Oberpleis. Als er 1658 starb, wurde er in der dortigen Kirche begraben.[1] Drei seiner Schwestern waren Nonnen, eine weitere hatte den kaiserlichen Feldmarschall Wolf Rudolf Freiherr von Ossa (1574–1647) geheiratet; vier seiner eigenen Töchter waren ebenfalls Ordensfrauen.[2][3] Seit 1641 gehörten ihm Herrschaft und Schloss Ahrenthal, ebenso das Dorf Franken, gegenwärtig ein Stadtteil von Sinzig. 1712 erfolgte die Erhebung seines Enkels Franz Wilhelm Caspar von Hillesheim (1663–1748) in den Reichsgrafenstand; er amtierte von 1723 bis 1743 auch als kurpfälzischer Minister und besaß ein Palais in Mannheim.[4][5]

1722 erwarb die Familie einen Teil der Herrschaft Reipoltskirchen in der Pfalz, 1730 noch einen weiteren Anteil.[6] Seither nannten sich die Mitglieder Grafen von Hillesheim, Freiherren von Reipoltskirchen und Herren von Ahrenthal. 1737 kam die Herrschaft Kalenborn (bei Altenahr) hinzu.[7] Das Territorium Reipoltskirchen regierten sie ab 1777 gemeinsam mit den anderen Teilbesitzern Friedrich Wilhelm zu Isenburg und Büdingen und dessen Gattin Karoline Franziska Dorothea geb. von Parkstein, einer natürlichen Tochter des Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor. Das Ländchen umfasste neben dem Hauptort Reipoltskirchen auch die dortige Wasserburg, sowie die Gemeinden Nußbach, Rathskirchen, Hefersweiler und Berzweiler, Relsberg, Niederkirchen mit Morbach, Rudolphskirchen, Finkenbach-Gersweiler, Reichsthal, Schönborn und Dörnbach.[8]

Ernst Wilhelm Gottfried, der letzte Graf von Hillesheim und Freiherr von Reipoltskirchen, starb 1785 ohne Nachkommen.[9] Er fungierte als kurpfälzischer Geheimer Rat und Kammerherr.[10] Mit ihm erlosch das Adelsgeschlecht von Hillesheim in Deutschland im Mannesstamm. Seine Schwester Charlotte Elisabeth Regina (1727–1807), die auch als Letzte ihres Geschlechtes in Deutschland starb, lebte als ledige Stiftsdame in Vilich.

Anna Elisabeth Augusta von Spee geb. von Hillesheim (1725–1798)

Die Familienbesitztümer fielen daher an die andere Schwester Anna Elisabeth Augusta von Hillesheim (1725–1798) bzw. deren Nachkommen. Sie war mit dem jülich-bergischen Hofkammervizepräsidenten Reichsgraf Ambrosius Franziskus von Spee (1730–1791) verheiratet.[11] Beide waren die Ur-Urgroßeltern des in der neueren deutschen Geschichte bekannt gewordenen Admirals Graf Maximilian von Spee, der 1914 mit seinen beiden Söhnen im Seegefecht bei den Falklandinseln umkam. Über jene Verbindung gelangte der Besitz der Grafen von Hillesheim an Carl-Wilhelm von Spee (1758–1810) und ging von ihm an seine Nachkommen die Grafen von Spee über, welche ihn zum Teil noch heute besitzen (z.B. Schloss Ahrenthal).[12]

Das Adelsgeschlecht bekannte sich zur katholischen Konfession.

Mit dem Aussterben der Grafen von Hillesheim trat in Kurpfalz-Bayern eine Familie auf, die sich ebenfalls von Hillesheim nannte, das alte Wappen okkupierte und eine angebliche Verwandtschaft konstruierte. Zu ihr gehört beispielsweise der Beamte Aloys Friedrich Wilhelm von Hillesheim (1756–1818), dem es 1815 gelang, seinen eigentlich unbegründeten Adelstitel im Königreich Bayern anerkennen zu lassen. Daneben besteht bis heute der kurländsiche Zweig der ursprünglich jülich-bergischen von Hillesheim, von Meerscheidt-Hüllessem.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1781: Im Schild drei schwarze ablange (herabhängende) Äste, rechts viermal, links dreimal wiedergeastet, in Gold. Den Schild deckt die reichsgräfliche Krone, auf dem gekrönten Helme wächst ein schwarzer Ziegenbock mit goldenem Halsbande, auf welchem die Äste wiederholt sind, und aus dessen Maul ein goldenes Sporenrädchen oder Sternchen hervorkommt.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Freiherr von Zedlitz: Neues preussisches Adels-Lexicon, Band 2 (E–H), Leipzig, 1836, Seiten 393 und 394; Scan aus der Quelle

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite zu Burg Niederbach und den Herren von Hillesheim
  2. Jakob Christoph Beck: Neu-vermehrtes Historisch- und Geographisches Allgemeines Lexicon, Band 5, 1744, Seite 57; Scan aus der Quelle
  3. Biografische Webseite zu Wolf Rudolf von Ossa
  4. Genealogische Webseite zu Franz Wilhelm Caspar von Hillesheim
  5. Webseite zum Palais Hillesheim in Mannheim
  6. Webseite mit der Zeittafel zur Geschichte von Reipoltskirchen
  7. Webseite zur Geschichte der Herrschaft Kalenborn
  8. Webseite zur Historie von Reipoltskirchen
  9. Genealogische Webseite zu Ernst Wilhelm Gottfried von Hillesheim
  10. Gottlob Friedrich Krebel: Europäisches genealogisches Handbuch, Leipzig, 1786, Seite 211 Scan aus der Quelle
  11. Genealogische Webseite zu Anna Elisabeth Augusta von Hillesheim
  12. Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, Band 5, Düsseldorf, 1865, S. 471; (Digitalscan)
  13. Leopold Freiherr von Zedlitz: „Neues preussisches Adels-Lexicon, oder genealogische und diplomatische Nachrichten“, 2. Band, Verlag und Druck Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 393