Hirschvogel (Patrizier)

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Hirschvogel-Wappen Sm.png

Die Hirschvogel (auch Hirsvogel) waren eine Nürnberger Patrizierfamilie, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1380. Die Hirschvogel waren ab 1450 bis 1539 im „Inneren Rat“ vertreten und gehörten nach dem „Tanzstatut“ zu den „erst zugelassenen“ ratsfähigen Geschlechtern. Die Hirschvogel betrieben seit dem 14. Jahrhundert ein bedeutendes Handelshaus, das nach 1530 in Konkurs ging. 1550 ist die Familie erloschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hirschvogel waren eine Fernhändlerfamilie, die bis zum frühen 16. Jahrhundert den Aufstieg zu einer der wohlhabendsten Nürnberger Familien schaffte. Der Familienname geht vermutlich zurück auf den Hirsevogel, eine im Alpenraum heimische Grünfinkart (daher auch Hirsvogel). Verschiedenen Quellen zufolge sind die ersten Nürnberger Hirschvögel aus dem bayrischen Sulzgau oder aus der Umgebung von Hilpoltstein zugewandert.

Der erste in Nürnberg erwähnte Vertreter der Familie, Conrad Hirschvogel, erwarb 1380 den späteren Stammsitz an der Königstraße 2 (an der Stelle des späteren Viatishauses). Seine Söhne Ulrich und Heinrich bauten das Handelshaus der Hirschvogel auf. Sie weiteten ihren Fernhandel über ganz Mitteleuropa aus, zunächst vor allem nach Frankfurt am Main und Köln, später über Böhmen, Sachsen, Schlesien, Österreich, Ungarn nach Venedig. Ab 1440 folgte die Ausweitung der Handelsbeziehungen auf Brixen, Rom, Loreto, Antwerpen, Lissabon und Sevilla. Das Handelssortiment der Hirschvogel-Gesellschaft umfasste vor allem Spezereien, Baumwolle, Tuche und Edelmetalle.

Venezianische Parfümflasche mit Hirschvogel-Wappen (ca. 1500–1530)

Ab 1450 war die Familie im „Inneren Rat“ der Reichsstadt Nürnberg vertreten und gehörte damit zum Nürnberger Patriziat. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erweiterten sie ihre Geschäftsfelder um den Handel mit Büchern und um Geldgeschäfte. Neben Nürnberg war Venedig Zentrum ihres Unternehmens, wo sie im Fondaco dei Tedeschi vertreten waren. Einige Vertreter der Hirschvogel lebten fast ununterbrochen dort. Für die Nürnberger Lorenzkirche stiftete die Familie ein großes Kirchenfenster auf der rechten Seite des Chors, das nach 1500 von den Stromer übernommen und (bis auf wenige alte Wappenscheiben) erneuert wurde.

1505/06 beteiligten sich Bernhardin I. und Lienhard II. Hirschvogel sowie drei Imhoff, die Höchstetter, Fugger und die Welser in Form einer Expedition an einer der ersten Handelsfahrten oberdeutscher Kaufleute nach Indien. Von dort importierten sie über Sevilla und Lissabon unter anderem Edelsteine.

Um 1530 geriet die Gesellschaft in Schwierigkeiten, Endres Hirschvogel musste nach 1531 seinen Herrensitz in Erlenstegen (den späteren „Voitischen“ und „Ebnerschen Sitz“) an seinen Gläubiger Hans Buchner abtreten.[1] Seine Frau Katharina Hölzel hatte bereits 1518 ein von ihr ererbtes Gut in Erlenstegen verkauft.[2]

Lienhard III. Hirschvogel lebte sehr aufwändig, unter anderem ließ er den Hirsvogelsaal bauen, doch kümmerte er sich wenig um die Geschäfte; nach 1530 ging die Hirschvogel-Gesellschaft unter ihm hochverschuldet in Konkurs. 1536 ließ er sich von der kurz zuvor geheirateten Sabine Welser scheiden, nachdem ihr Vater die vereinbarte Mitgift nicht gezahlt hatte. 1539 wurde er seines Amtes als Ratsherr enthoben. Mit dem letzten Vertreter, seinem Vetter Endres II. Hirschvogel, starb das Geschlecht 1550 völlig verarmt aus.

Das Wappen der Hirschvogel

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Schwarz auf silbernem Stufen-Schildfuß (auch Dreiberg) einen goldener Vogel mit ausgebreiteten Flügeln. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Helmdecken der Vogel auf der Stufe.[3]

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lienhard III. Hirschvogel (1504–1549), Gemälde von Georg Pencz, Letzter Handelherr, Erbauer des Hirsvogelsaals

Der Nürnberger Glasmaler Veit Hirschvogel der Ältere (1461–1526) und seine Söhne Veit der Jüngere und Augustin Hirschvogel (1503–1553), Glasmaler, Töpfer und Kartograph, gehörten nicht zu der Patrizierfamilie; auf Augustins Selbstporträt (Stich) von 1548 ist jedoch das gleiche Hirschvogel-Wappen zu sehen, was möglich erscheinen lässt, dass es sich um eine im Handwerkerstand verbliebene Nebenlinie handelte.

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationen im Hirsvogelsaal Nürnberg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erlenstegen II auf Herrensitze.com (Giersch/Schlunk/von Haller)
  2. Erlenstegen VIII
  3. Gustav Adelbert Seyler, J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 1. Abteilung, 1. Teil; Abgestorbener Bayrischer Adel, 1884, S. 75, Tafel 74

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hirschvogel family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Stammtafel (Lemmel-Archiv, nach dem Buch von Christa Schaper)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]