Hohenhonnef

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Hohenhonnef, Luftaufnahme (2012)
Hohenhonnef (um 1900)

Hohenhonnef ist eine ehemalige Lungenklinik in Bad Honnef, einer Stadt im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände der ehemaligen Lungenklinik liegt oberhalb der Stadt am Ende der Bergstraße (Hausnummern 110–114) auf etwa 205 m ü. NHN auf einem kleinen Plateau (Terrassenrest[1]) am südlichen Fuß der Augusthöhe (240,8 m ü. NHN) an der Ostseite der niedrigeren Reichenberger Höhe, einer Randanhöhe des Siebengebirges, die naturräumlich jedoch noch den Honnefer Terrassenhügeln als einer Untereinheit des Rheinwesterwälder Vulkanrückens (Niederwesterwald) zugeordnet wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik wurde 1891/92 auf Initiative von Wilhelm August Bredt von der „Heilstätte Hohenhonnef AG“ im Stil der französischen Schlossarchitektur erbaut. Mit dem Entwurf war das Leipziger Architekturbüro Pfeifer & Händel beauftragt. Auf den Bauantrag vom Februar 1891 hin wurde im Mai die Baugenehmigung erteilt. Der erste Bauabschnitt umfasste das Hauptgebäude einschließlich eines Speisesaaltraktes, einen Wirtschaftstrakt, eine Brunnenanlage, einen Kuhstall sowie ein Wasch- und Wäschereigebäude.[2] Im Nachgang entstanden 1896 ein Wohnhaus für die Dienstboten sowie 1896/97 nach einem Entwurf des Architekten Ottomar Stein zwei Villen für den Chefarzt (Bergstraße 115) und den Direktor der Heilanstalt. 1897 betrug die Zahl der jährlichen Gäste etwa 800, die der Angestellten (ohne Ärzte und Hilfskräfte) 79.[3]

Die Lungenklinik stand unter der Leitung des Chefarztes Ernst Meissen, der zuvor Oberlehrer bei Peter Dettweiler war.[4] Sie trug zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt bei, war aber auf Selbstversorgung – einschließlich eigener Postanstalt[5] und Hochreservoir für die Wasserversorgung – ausgerichtet. Sie verfügte über vier Terrassen für Luft- und Sonnenbäder, eine für Freilichtkuren verwendete Hallenanlage, Gartensäle sowie Arztwohnhäuser. Das viergeschossige Hauptgebäude nahm ursprünglich 82 Patientenzimmer sowie mehrere Freizeiträume auf. Außerdem bestand eine evangelische Hauskapelle, während für die katholischen Patienten wöchentlich eine Messe in der nahegelegenen Fuchshardtkapelle gehalten wurde[6]. Zu der Lungenklinik gehörte auch die Großwäscherei Mesenholl im unterhalb gelegenen Schmelztal.[7]

1912 löste sich die Heilstätte Hohenhonnef AG auf, worauf die Klinik an die Landesversicherungsanstalt Rheinland verkauft wurde. Sie brachte dort Tuberkulosekranke unter.[8] Auf einen Beschluss desselben Jahres zurückgehend wurde das Kellergeschoss mit dem Ziel der Einrichtung einer größeren Ambulanz ausgebaut. 1914 erhielt die Klinik auch eine katholische Hauskapelle.[6][9] 1922 erfolgte ein Umbau des Chefarzthauses, 1929 des Beamtenwohnhauses.[2] Als „Sanatorium Rheinland“ entwickelte sich die Einrichtung zu einer modernen Fachklinik und wurde zusätzlich zur Forschungsanstalt.[10] In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde das Hauptgebäude umfassend erweitert. Die ehemalige Lungenklinik ist seit 1979 Standort eines Rehabilitationszentrums für Behinderte mit dem Namen Hohenhonnef GmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft der Cornelius-Helferich-Stiftung. Das historische Hauptgebäude steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz, die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef erfolgte am 25. Oktober 1983.[11] Im Oktober 2014 führte ein Brand zu erheblichen Schäden am Dachstuhl des Altbaus.[12]

In Hohenhonnef starb der armenische Mineraloge Andreas Arzruni (1847–1898). An die Zeit der Nutzung als Lungenklinik erinnern eine Episode aus der Novelle Wen die Götter lieben der Schriftstellerin Clara Viebig und die Erzählung Der Himmel auf Erden des Honnefer Heimatdichters Franzjosef Schneider.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hohenhonnef – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cläre Pelzer: Lage und Relief der Stadt Bad Honnef am Rhein. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 3–14 (hier: S. 11).
  2. a b Landeskonservator Rheinland: Bad Honnef – Stadtentwicklung und Stadtstruktur.
  3. Karl Josef Klöhs: Kaiserwetter am Siebengebirge
  4. Karl Günter Werber: Honnefs „Zauberberg“. In: Heimat- und Geschichtsverein „Herrschaft Löwenburg“ e.V.: 150 Jahre Stadt Bad Honnef.
  5. Albert Weidenbach: Das Verkehrswesen im Raum Honnef in den letzten 100 Jahren. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 140.
  6. a b J[ohann] J[oseph] Brungs: Die Stadt Honnef und ihre Geschichte. Verlag des St. Sebastianus-Schützenvereins, Honnef 1925, S. 262 (Neudruck 1978 durch Löwenburg-Verlag, Bad Honnef).
  7. Das Bad Honnefer Hallenbad ist verkauft, General-Anzeiger, 15. September 2004
  8. J[ohann] J[oseph] Brungs: Die Stadt Honnef und ihre Geschichte. Verlag des St. Sebastianus-Schützenvereins, Honnef 1925, S. 192 (Neudruck 1978 durch Löwenburg-Verlag, Bad Honnef).
  9. Hubert Wüsten: Die katholische Gemeinde Honnef in den letzten hundert Jahren. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 151–165 (hier: S. 161).
  10. Franz-Georg Weckbecker: Kurort und Badestadt. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 113–117 (hier: S. 114).
  11. Denkmalliste der Stadt Bad Honnef, Nummer A 41
  12. Erheblicher Schaden am Altbau, General-Anzeiger, 22. Oktober 2014
  13. Karl Günter Werber: Honnefer Spaziergänge.

Koordinaten: 50° 39′ 0″ N, 7° 14′ 25″ O