Clara Viebig

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Clara Viebig, Berlin, 1890

Clara Viebig (* 17. Juli 1860 in Trier; † 31. Juli 1952 in West-Berlin) war eine deutsche Erzählerin, Dramatikerin und Feuilletonistin, die insbesondere der literarischen Strömung des Naturalismus zugerechnet wird. Clara Viebigs Werke zählten um die Jahrhundertwende in den bürgerlichen Haushalten zur Standardbibliothek. Ein Teil ihres Werkes, insbesondere autobiographische Schriften, sowie Romane, die in der Eifelregion, an der Mosel und am Rhein spielen, werden noch heute aufgelegt.

Leben[Bearbeiten]

Clara Viebig war die Tochter des Oberregierungsrates und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Ernst Viebig und dessen Ehefrau Clara. Die Familie stammte ursprünglich aus Posen und gelangte durch die Versetzung des Vaters nach Trier. Dort wurde Clara im Haus Simeonstiftstraße 10, heute Kutzbachstraße, geboren. Im Jahr 1861 wohnte die Familie in der heutigen Zuckerbergstraße 24, später verzog sie nach der Olk.[1]

Ihre Geburtsstadt behielt Clara Viebig zeit ihres Lebens in guter Erinnerung: „Ich habe mir just den schönsten Winkel des ganzen schönen Rheinlandes zum Geborenwerden ausgesucht. In Trier, unweit der ‚Poort‘, wie das Römertor im Volksmund heißt, stand meine Wiege; sie schaukelte im Takt der vielen frommen Glocken, die, […] mit mächtigen Stimmen über die Mosel schallten.“[2]

1868 wurde der Vater zum Stellvertreter des Regierungspräsidenten Friedrich von Kühlwetter befördert und musste mit seiner Familie nach Düsseldorf umziehen.[3] Auch dort, in der Geburtsstadt des von ihr verehrten Heinrich Heine, lebte sich Clara schnell ein.

1876 verweilte die junge Clara zu einem Pensionsjahr in Trier, in der Familie eines Landgerichtsrats, den sie in ihren Schriften ‚Matthieu‘ nennt: „Mathieu, Untersuchungsrichter des Kreisgerichts Trier, das den ganzen ländlichen Bezirk des zu Trier gehörenden Eifelteils umfasste, […] auf seinen vielen Dienstfahrten zu Tatbestandsaufnahmen, zu Verhören und Obduktionen nahm er mich mit.“[2] Während sie in den Wirtsstuben auf den Onkel wartete, lernte sie durch die Erzählungen der Wirtinnen Land und Leute kennen. Aus dieser Zeit stammt ihre Liebe zur Eifel, die sie später in ihren Erzählungen und Romanen literarisch umsetzte.

Nach dem Tod des Vaters zog Clara 1883 mit der Mutter nach Berlin um.[4] Dort studierte sie Gesang an der Hochschule für Musik und gab Privatstunden, um sich ein Zubrot zu verdienen.

13 Jahre lang verbrachte Clara Viebig die Ferien bei Verwandten auf deren Gütern in der Provinz Posen. Die dort erhaltenen Eindrücke setzte sie später in zahlreichen Romanen und Erzählungen um.[5]

Clara Viebig um 1900

Viebig bezeichnete die Lektüre der Werke Émile Zolas, speziell Germinal, als ausschlaggebend für ihr eigenes literarisches Schaffen; wegen dieses Vorbildes wurde Viebig auch die „deutsche Zolaide“ genannt.[6] Die Schriftstellerin erinnerte sich: „Dieser ‚Germinal‘ war mir eine Offenbarung. [...] O diese Kraft, diese Größe, diese Glut der Farben, diese Fülle der Gesichte, diese Leidenschaft der Gefühle - so muß man schreiben, so! Ohne Rücksicht, ohne Furcht, ohne scheues Bedenken [...] nur ehrlich, ehrlich!“!“[7]

Stilistisch schulte sie sich an den naturalistisch orientierten Romanen des französischen Schriftstellers Guy de Maupassant (1850–1893): „Von ihm habe ich gelernt, sprachlich wählerisch zu sein.“[8]

Der Bekanntschaft mit Theodor Fontane im Jahr 1895 verdankte Clara Viebig den Kontakt zum Verlag seines Sohnes, Friedrich Fontane, und zu dessen Teilhaber Friedrich Theodor Cohn. Den jüdischen Verleger sollte Viebig später heiraten.

Für ihre ersten Arbeiten verwendete Clara das Pseudonym „C. Viebig“, da sie als weibliche Literatin im Kaiserreich schwer Fuß fassen konnte. Man habe geraten, “statt meines ehrlichen Taufnamens Clara mich mit einem einfachen C. zu begnügen. Er meinte, Publikum und Redakteure hätten nun einmal ein gewisses Misstrauen gegen die weibliche Feder, besonders, wenn die Autorin noch unbekannt sei; es wäre vorteilhafter für mich, wenn man hinter dem C. einen Carl oder Clemens oder Constantin vermutete.«[9] Ihr gelang es, zahlreiche Skizzen, Märchen, Novelletten und Novellen in den Feuilletonbeilagen von Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen. 1896, mit 36 Jahren, konnte Clara Viebig mit dem Fortsetzungsroman Wildfeuer in einer Berliner Zeitung auch als Roman­autorin debütieren.

1896 heiratete sie in Berlin Friedrich Theodor Cohn und veröffentlichte fortan in dessen Verlag F. Fontane & Co. fast alle ihre Werke.[10] Ihr gemeinsamer Sohn Ernst Viebig (1897–1959) wurde Komponist und Dirigent. Die Familie lebte in Berlin-Zehlendorf in großbürgerlichen Verhältnissen und verbrachte wiederholt Kuraufenthalte im Eifelkurort Bad Bertrich, wo sie immer wieder Anregungen zu ihren Eifelwerken fand.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zeigte Viebig sich zunächst patriotisch und schrieb entsprechende Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Ihr anfänglicher Enthusiasmus wandelte sich jedoch schnell in Skepsis, als sich ihr Sohn Ernst zum Heer meldete: „Sie waren eben alle nicht bei Sinnen gewesen, die Söhne nicht, die Lehrer nicht, die Väter nicht – alle nicht. Nur die Mütter sahen, wie es wirklich war; die ahnten, wie es kommen würde. Gekommen war.“[11]

Auf dem Höhepunkt ihres literarischen Schaffens publizierte Viebig fast jährlich einen Roman oder einen Band mit Erzählungen. Zwischen 1898 bis 1933 unternahm Clara Viebig allein oder mit ihrem Ehemann immer wieder Vortragsreisen nach Basel, Den Haag, Luxemburg, New York City, Paris, Sankt Petersburg und Wien. Ihre Werke werden insbesondere ins Französische, Spanische, Englische, Italienische, Niederländische, Norwegische, Schwedische, Finnische, Tschechische, Ukrainische, Slowenische und ins Russische übersetzt, einige in Blindenschrift übertragen.

Ab 1933 wird das Leben der Familie überschattet: Fritz Cohn musste als Jude seine Verlagsanteile an die Deutsche Verlagsanstalt abgeben, und die Publikationsmöglichkeiten für die Schriftstellerin waren nun erheblich eingeschränkt. Nach dem Tod ihres Ehemannes 1936 trat Clara Viebig der Reichsschrifttumskammer bei, so dass sie drei Romane neu veröffentlichen kann.[12]

Während des Zweiten Weltkrieges flüchtete die Schriftstellerin wegen der Luftangriffe auf Berlin ins oberschlesische Mittenwalde, Landkreis Falkenberg O.S., und verbrachte dort die Kriegsjahre zusammen mit ihrer langjährigen Haushälterin Marie Holzbauer mehr schlecht als recht; 1946 kehrte sie krank und verarmt nach Berlin zurück. Ein alter Bekannter aus den Zeiten der Eifelreisen, Ernst Leo Müller, der ehemalige Bürgermeister von Hillesheim, nahm sich fortan, wenn auch nicht immer uneigennützig, der wirtschaftlichen und persönlichen Belange Clara Viebigs an.[13]

Anlässlich des 70. Geburtstages ehrte die Stadt Düsseldorf, der Clara Viebig insbesondere mit ihrem Roman Die Wacht am Rhein aus dem Jahr 1902 ein Denkmal gesetzt hatte, mit der Benennung einer Straße. Im Dresdner Stadtteil Löbtau gibt es ebenfalls seit den 1960er Jahren eine Clara-Viebig-Straße. Auch in ihrer Geburtsstadt Trier wird das Andenken an Clara Viebig mit der Widmung einer Straße wachgehalten.

Clara Viebig starb am 31. Juli 1952 im Alter von 92 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in Düsseldorf auf dem Nordfriedhof, in der Ehrengrab­stätte ihres Vaters.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Das Werk von Clara Viebig umfasst zahlreiche Feuilletonartikel, Romane, Novellen, Theaterstücke, Libretti, einige Literaturrezensionen und eine umfangreiche Sammlung von Briefen.

Clara Viebig ist eine bedeutende Vertreterin des deutschen Naturalismus, entwickelt sich mit einigen Werken aber über diesen hinaus.[14] Gegenstand ihrer Romane, Erzählungen und Dramen ist der Mensch, der häufig in der Abhängigkeit von seiner natürlichen Umgebung und in seiner Entwicklung bestimmt von Vererbung und sozialem Milieu dargestellt wird.[15] Nicht selten sind ihre Figuren aber auch geprägt von tiefer Frömmigkeit.

Ihre bedrückenden Milieuschilderungen, die dem Werk gesellschaftskritische Züge verleihen, werden gerne verglichen mit dem Werk von Heinrich Zille, wobei sie das, was Zille zeichnete, in Worten umsetzte.[16] Menschliche Charaktere sind mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen skizziert. In naturalistischer Manier gibt Clara Viebig wörtliche Rede in der Umgangssprache wieder, die sowohl dialektal gefärbt ist als auch durch die Verwendung unterschiedlicher Soziolekte den Charakter des Sprechenden offenbaren. Insbesondere Werke, deren Handlung in der Eifel spielt, werden der Heimatkunst zugerechnet.[17]

Mit dem Werk von Clara Viebig ist eine in ihrer Zeit neue Art von Literatur verbunden, die nach „herb-nüchterner Objektivität und leidenschaftsloser, wenn auch nicht unparteiischer Genauigkeit in der Darstellung von Menschen und Mächten, Sitten, Verhältnissen und Zuständen, Empfindungen und Gefühlen“ strebt. Viebig scheute sich nicht, „die herrschenden Mächte der Zeit – den Militarismus des Kaiserreichs, die preußische Junkerkaste, die rheinische Bourgeoisie, den katholischen Klerus – anzugreifen.“[18]

Die Erzählungen Viebigs sind an Orten angesiedelt, welche die Dichterin aus eigener Anschauung kannte. Von ihrer Jugendzeit her war sie mit den Menschen und Dörfern der Eifel vertraut; in weiteren Romanen gestaltete sie die Eindrücke aus der Düsseldorfer Zeit, schließlich folgten die Erzählungen aus den östlichen Provinzen und die „Berlin-Romane“. Die Dichterin selbst äußerte sich folgendermaßen zu den literarischen Räumen ihrer Werke, die sie „Brauten“ nannte: „In West und Ost und am Niederrhein wohnen so meine drei Brauten. Einer jeden von ihnen gehört mein Herz, einer jeden danke ich viel Glück. Allen zusammen aber mein Höchstes – meine Kunst […] Die vierte Braut ist Berlin. Aber nein, was sage ich denn?! Keine Braut! Mit Berlin bin ich – verheiratet.“[19]

Erste Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Die ersten dichterischen Versuche Clara Viebigs, die veröffentlicht wurden, sind Märchen in der Tradition von Andersen, Skizzen und Novelletten. Bereits in diesen kleineren Arbeiten sind die Themen und die Stilistik der späteren Werke zu finden, und sie können als Vorstudien zu ihren Romanen gelten.

Nach ihrem „Zola-Erlebnis“ schrieb sie die Novelle Die Schuldige in einem Zuge nieder. Die Handlung spielt in und um Ehrang bei Trier, wo eine junge ledige Mutter den Vater ihres Kindes tötet, als er ihr eröffnet, er wolle ihr das Kind wegnehmen. Die Enttäuschung war groß, als niemand dieses Werk veröffentlichen wollte. 1896 wurde das Werk in der Novellensammlung Kinder der Eifel integriert, und von da an erlebte es vielfache Auflagen.

Der erste Roman Wildfeuer erschien 1896 als Fortsetzungsroman in der Berliner Volkszeitung. Im Posener Land angesiedelt, handelt der Roman vom Selbstbestimmungsrecht zweier junger Frauen, die von ihren Vätern verheiratet werden sollen. Während die eine Tochter sich dieser Bestimmung durch Selbstmord entzieht, geht die andere aus Pflichtgefühl die arrangierte Ehe ein. Auch wenn dieser Roman, Charlotte M. Werner zufolge, noch auf der „Herz-Schmerz-Klaviatur“ spielt, sind zahlreiche Elemente der späteren Romane bereits vorhanden: „Die Kunst, den Spannungsbogen zu entwickeln und zu halten, […] Charaktere glaubhaft darzustellen oder die verschiedenen Ebenen miteinander zu verbinden […,] Naturschilderungen […], die mit den Stimmungen der Personen korrespondieren.“[20]

Erzählungen aus der Eifel[Bearbeiten]

Ihren großen literarischen Durchbruch hatte Viebig 1900 mit ihrem Roman Das Weiberdorf, der in dem fiktiven Eifeldorf Eifelschmitt spielt. Während die Männer sich über das Jahr im Ruhrgebiet als Arbeiter verdingen, müssen die Frauen zu Hause den Betrieb aufrechterhalten und die harte Arbeit auf den Feldern alleine erledigen.

Beim Urlaub der Männer im Dorf hingegen wird eilig und heftig gefeiert, geliebt, geheiratet und es werden Kinder gezeugt: „Aber dann die Heimkehr! Durchjubelte Tage, durchjubelte Nächte […] Der schwenkende Rheinländer hub an, auf dem engen Platz drehten sich an die dreißig Paare auf einmal. Das warf ein Stoßen, Drängen und Puffen. […] Man konnte kaum sehen; durch den Dunst schimmerten die glühenden Gesichter wie rote Flecke.“[21]

Der Vorabdruck in der Frankfurter Zeitung entfachte eine überregionale kontroverse Diskussion, die sich zu einem Skandal auswuchs. Die Bewohner der Eifel fühlten sich durch die herbe Darstellungsart gekränkt, die Kirche wetterte gegen die freizügige Darstellung der Menschen und ihrer Leidenschaften. Dass Das Weiberdorf jedoch auf den katholischen Index Librorum Prohibitorum der verbotenen Bücher gesetzt wurde, ist ein unzutreffendes Gerücht.[22] Viebigs Erzählungen und Romane spielen häufig in der Eifel, die zu jener Zeit als zurückgeblieben galt und auch als „Rheinisches Sibirien“ bezeichnet wurde. Nicht zuletzt durch Clara Viebig erhielt die Eifel den Rang einer Literaturlandschaft.[23]

Romane aus den östlichen Provinzen[Bearbeiten]

Clara Viebig ist zu Unrecht als „Heimatdichterin“ der Eifel bekannt, obwohl ihre Werke auch an zahlreichen weiteren Orten spielen, so insbesondere in dem aufstrebenden Berlin der Kaiserzeit und in der Landschaft der früheren preußischen Provinz Posen. Im Roman Das Schlafende Heer (1904), der im deutschen Osten angesiedelt ist, wird der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Deutschen und Polen mit Untertönen, die in der Zeit des Wilhelminismus nicht unüblich waren, geschildert.[24]

Letztlich stellt der polnische Schäfer Dudek anlässlich des Selbstmordes des Herrn von Deutschau fest: „Jahre sind gekommen und gegangen, wir haben Sommer und Winter gezählet, immer in Trauer, immer in Sehnen, immer in Hoffen – aber jetzt hat Polen genug geschlafen, jetzt steht es auf!“[25]

Viebig selbst sah in dem Roman Das schlafende Heer ein Gegenstück des Ostens zu ihren Eifelgeschichten und dem in Düsseldorf spielenden Roman Die Wacht am Rhein (1902).[26] Während in Düsseldorf sich die Preußen und Rheinländer über Jahrzehnte zur Einträchtigkeit zusammenfinden, ist dieses Vorhaben in Polen zum Scheitern verurteilt.

Berliner Romane und Novellen[Bearbeiten]

Ein weiterer Teil von Clara Viebigs Gesamtschaffen spielt im Berliner Großstadtmilieu und spiegelt den Wandel der Stadt seit Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Jahre der Weimarer Republik mit all ihren städtebaulichen und sozialen Konsequenzen. Industrialisierung und die damit verbundene Landflucht tragen zur Verstädterung und zur Verschärfung sozialer Probleme bei. Immer wiederkehrende Themen sind die Möglichkeiten, die sich insbesondere für Frauen dadurch eröffnen, dass sie nun ein selbstbestimmtes Lebens fernab von alten Traditionen führen können, aber auch die zahlreichen Gefährdungen, die sich besonders für sie in der neuen sozialen Lage ergeben.

So erfahren Mine und Bertha, die beiden Dienstmädchen vom Lande, dass ihnen in der zunächst so verheißungsvollen Großstadt Berlin nichts geschenkt wird. Vielmehr verlangt man von ihnen: „Dienen, dienen, ewig dienen,“ was Bertha zu dem Ausruf veranlasst: „Nein! […] Nicht mehr dienen! Auch einmal herrschen, wie andere herrschen! Sich einmal nicht mehr schinden, sich nicht mehr hin- und herjagen lassen, sich nicht mehr ducken, sich nicht mehr die Nägel abarbeiten: nur um das bißchen tägliche Brot!“[27]

Historische Romane[Bearbeiten]

Ab 1921 suchte Viebig die Stoffe für ihre Romane vermehrt in historischen Sujets, wobei sie es vermochte, ihren Erzählungen „Mythos und zeitgenössische Relevanz in einem zu verleihen.“[28] Dies gilt für den Roman um den Schinderhannes und die Nachwirkungen der Französischen Revolution Unter dem Freiheitsbaum (1922), die Romane Charlotte von Weiß (1929) und Prinzen, Prälaten und Sansculotten (1931) und ihr letztes Werk Der Vielgeliebte und die Vielgehasste (1935), in dem sie das Schicksal von Wilhelmine Enke und Friedrich Wilhelm II. von Preußen gestaltete.

Theaterstücke und Libretti[Bearbeiten]

Eine Reihe ihrer Romane und Novellen hat Clara Viebig zu Theaterstücken umgearbeitet. Hierzu zählt Barbara Holtzer (1897), das nach der Novelle Die Schuldige gestaltet ist, Pittchen (1909), das Motive des Romans Das Weiberdorf aufgreift, und vor allem der vierteilige Dramenzyklus Der Kampf um den Mann (1905), dessen Stücke auf verschiedenen Novellen basieren. Der Erfolg der aufgeführten Stücke war indes mäßig.

Für ihren Sohn Ernst Viebig, der eine vielversprechende Laufbahn als Komponist begonnen hatte, arbeitete Clara Viebig das Schauspiel Quatembernacht von René Morax in das Libretto der Oper Nacht der Seelen um, die 1922 im Stadttheater Aachen uraufgeführt wurde. Es folgte die Umarbeitung von Clara Viebigs Roman Absolvo te in eine Oper mit dem Titel Die Môra. Sie gelangte 1925 im Stadttheater Düsseldorf zur Aufführung.[29]

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg traten Inhalte und Stilistik des Werkes von Clara Viebig zunächst gegenüber den neuen Vertretern und Richtungen der deutschen Literatur, wie denen der Trümmerliteratur, zunächst in den Hintergrund. Bereits in der Zeit der Goldenen Zwanziger Jahre hatte sich der Geschmack, insbesondere der Leserinnen, gewandelt, die sich Publikationen von Autorinnen wie Hedwig Courths-Mahler oder von Schriftstellerinnen der Neuen Sachlichkeit wie Irmgard Keun zuwandten.[30]

Einige Berlin-Romane wurden im neu entstandenen Ostberliner Verlag Das Neue Berlin wieder aufgelegt. Im Westdeutschland der 1950er Jahre veröffentlichte der Georg Fischer Verlag in Wittlich einige Eifelromane und -novellen; in den 1990er Jahren folgten Moewig, der Düsseldorfer Erb-Verlag mit Romanen, deren Handlung in der Eifel und am Rhein spielt, sowie die Verbandsgemeinde Manderscheid mit einer Neuauflage des in ihrer Gemarkung spielenden Weiberdorfes und des Müller-Hannes.

Insbesondere der Eifelverein und einzelne Interessierte halten kontinuierlich das Gedenken an die Schriftstellerin als eine hinreißende Erzählerin wach. Anlässlich von Todestagen veröffentlichten Schriftsteller und Publizisten wie Hajo Knebel, Josef Ruland und Josef Zierden Kurzeinführungen in das Werk der Schriftstellerin, die anhand von Auszügen exemplifiziert werden.

Mit der Erforschung des Lebens und Schaffens der Schriftstellerin beschäftigt sich die am 31. Juli 1992 in Bad Bertrich gegründete Clara-Viebig-Gesellschaft. Sie erstellt zum 50. Todestag der Schriftstellerin eine Wanderausstellung, sammelt Sekundärliteratur und arbeitet an einer Briefdatenbank. Die Gesellschaft ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten.

Im „Weiberdorf“ Eisenschmitt wurde im Jahr 2005 das Clara-Viebig-Zentrum eingerichtet. Eine umfangreiche Sammlung ihrer Werke und Briefe sind in einer Dauerausstellung zu besichtigen.[31]

Werke[Bearbeiten]

Eingescannte biographische Kurzprosa von Clara Viebig/Darstellungen zu ihrem Leben und Werk

Literatur[Bearbeiten]

  • Christel Aretz (Hrsg.): Clara Viebig im Spiegel der Presse. Dokumentation. Mosel-Eifel-Verlag, Bad Bertrich 2000, ISBN 3-932838-06-8.
  • Christel Aretz (Hrsg.): Clara Viebig: Mein Leben. Autobiographische Skizzen, Hontheim 2002.
  • Christel Aretz, Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur. Zell 2010.
  • Victor Wallace Carpenter: A study of Clara Viebig’s „Novellen“. University of Pennsylvania, 1978.
  • Michel Durand: Les romans Berlinois de Clara Viebig (1860–1952). Contribution à l’étude du naturalisme tardif en Allemagne (= Contacts; Série 3, Etudes et documents; 19). Lang, Bern u. a. 1993, ISBN 3-906750-84-1.
  • Waldemar Gubisch: Untersuchungen zur Erzählkunst Clara Viebigs. Dissertation, Universität Münster, 1926.
  • Anke Susanne Hoffmann: Von den Rändern her gelesen – Analysen und Kommentare zur Funktionalität der Dimension „Natur“ im novellistischen Œuvre Clara Viebigs. Dissertation, Universität Trier 2005 (Volltext).
  • Barbara Krauß-Theim: Naturalismus und Heimatkunst bei Clara Viebig. Darwinistisch-evolutionäre Naturvorstellungen und ihre ästhetischen Reaktionsformen. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-631-44812-0.
  • Helmut Kreuzer: „Schinderhannes“ - ein Räuber um 1800 bei Clara Viebig, Carl Zuckmayer und Gerd Fuchs. Zum 200. Jahrestag der Hinrichtung Johannes Bücklers in Mainz am 21. November 1803. In: Reinhard Breymayer (Hrsg.): In dem milden und glücklichen Schwaben und in der Neuen Welt. Beiträge zur Goethezeit. Akademischer Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-88099-428-5, S. 179–197.
  • Urszula Michalska: Clara Viebig. Versuch einer Monographie (= Prace Wydzialu Filologicznego; Seria Filologia germańska; 6). Poznan 1968.
  • Andrea Müller: Mutterfiguren und Mütterlichkeit im Werk Clara Viebigs. Tectum, Marburg 2002, ISBN 3-8288-8346-X.
  • Maria-Regina Neft: Clara Viebigs Eifelwerke (1897–1914). Imagination und Realität bei der Darstellung einer Landschaft und ihrer Bewohner (= Bonner kleine Reihe zur Alltagskultur; 4). Waxmann, Münster 1998, ISBN 3-89325-653-9.
  • Volker Neuhaus, Michel Durand (Hrsg.): Die Provinz des Weiblichen. Zum erzählerischen Werk von Clara Viebig = Terroirs au féminin (= Convergences; 26). Lang, Bern u. a. 2004, ISBN 3-906770-17-6.
  • Gottlieb Scheufler: Clara Viebig. Beute, Erfurt 1927.
  • Georg Schuppener: Süßchenbäcker & Co. Gaunersprachliches in Clara Viebigs „Das Kreuz im Venn“. In: Christian Efing, Corinna Leschber (Hrsg.): Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, S. 41–58.
  • Carola Stern, Ingke Brodersen: Kommen Sie, Cohn! Kiepenheuer und Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03724-2 (Doppelbiografie und Familiengeschichte von Fritz Theodor Cohn und Clara Viebig).
  • Charlotte Marlo Werner: Schreibendes Leben. Die Dichterin Clara Viebig. MEDU-Verlag, Dreieich 2009, ISBN 978-3-938926-77-2.
  • Sascha Wingenroth: Clara Viebig und der Frauenroman des deutschen Naturalismus. Dissertation, Universität Freiburg i. Br., 1936.
  • Josef Zierden: Viebig, Clara. In: Die Eifel in der Literatur. Ein Lexikon der Autoren und Werke. Gerolstein 1994, S. 245–253.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hubert Schiel: Trierisches Jahrbuch. 1956.
  2. a b Clara Viebig: Aus meiner Werkstatt, St. Galler Tagblatt vom 15. Juli 1930.
  3. Das Leben der Schriftstellerin Clara Viebig – eine Übersicht. In: Christel Aretz und Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur – Dokumentation zum 150. Geburtstag. Zell 2010, S. 17–20, hier S. 17.
  4. Barbara Krauß-Theim: Naturalismus und Heimatkunst bei Clara Viebig. Lang, Frankfurt am Main 1992, S. 110.
  5. Barbara Krauß-Theim: Naturalismus und Heimatkunst bei Clara Viebig, S. 110.
  6. Vgl. Anselm Salzer, Eduard von Tunk (Hrsg.): Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur in sechs Bänden, Band IV: Vom jungen Deutschland bis zum Naturalismus. Frechen o. J., S. 307.
  7. Clara Viebig: Vom Weg meiner Jugend. In: Als unsere großen Dichterinnen noch kleine Mädchen waren. Moeser, Leipzig 1912, S. 87–118, hier S. 117.
  8. Ilka Horvin-Barnay: Theater und Kunst. Eine Unterredung mit Clara Viebig. In: Neues Wiener Journal, 19. November 1905, S. 12.
  9. Clara Viebig: Die weibliche Feder. In: Die Woche, 32. Jg. Nr. 48, 29. November 1930, S. 16.
  10. Viktor Zmegac (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur, vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Band III: 1848–1918, Königstein 1980, S. 400.
  11. Clara Viebig: Töchter der Hekuba. Berlin 1917, S. 6. Zu den Kriegsromanen Clara Viebigs vgl. Rolf Löchel: Fluch dem Krieg! Zum 150. Geburtstag der noch immer weithin als schlichte Heimatdichterin verkannten Schriftstellerin Clara Viebig, auf [1]
  12. Das Leben der Schriftstellerin Clara Viebig – eine Übersicht. In: Christel Aretz, Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur – Dokumentation zum 150. Geburtstag. Zell 2010, S. 17–20, hier S. 19.
  13. Vgl. Thea Merkelbach, Wolfgang Heimer, Dieter Heimer: Die letzten Lebensjahre Clara Viebigs. In: Düsseldorfer Jahrbuch, 82. Bd., hrsg. v. Düsseldorfer Geschichtsverein, Düsseldorf 2012, S. 131–181.
  14. Hans Jürgen Geerdts: Deutsche Literaturgeschichte in einem Band. Berlin 1965, S. 499.
  15. Vgl. Artikel „Viebig Clara“. In: Hannelore Gärtner (Hrsg.): BI-Schriftstellerlexikon – Autoren aus aller Welt. Leipzig 1990, S. 634.
  16. Vgl. Bettina Leuchtenberg: In der Eifel bedrohte man mich, in http://www.16vor.de/index.php/2010/07/17/gluckwunsch-clara/
  17. Vgl. hierzu Barbara Krauß-Thein: Naturalismus und Heimatkunst bei Clara Viebig. Darwinistisch-evolutionäre Naturvorstellungen und ihre ästhetischen Reaktionsformen. Frankfurt 1992.
  18. Hajo Knebel: Verfemt und vergessen: Clara Viebig. In: Christel Aretz, Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur – Dokumentation zum 150. Geburtstag. Zell 2010, S. 93–98, hier S. 98.
  19. Clara Viebig: Vorwort in: West und Ost. Reclam, Leipzig 1920, S. 8.
  20. Charlotte Marlo Werner: Schreibendes Leben. Die Dichterin Clara Viebig. Dreieich 2009, S. 50.
  21. Clara Viebig: Das Weiberdorf (1900), 21. Aufl., Fleischel, Berlin 1907, S. 17, 32.
  22. Sophie Lange: Clara Viebig stand nicht auf dem Index, „Die katholische Kirche ist sehr böse auf mich“. In: Eifel-Jahrbuch 2008, S. 108–113, zitiert nach Clara Viebig Gesellschaft: Sekundärliteratur.
  23. Josef Zierden: Viebig, Clara. In: Die Eifel in der Literatur. Ein Lexikon der Autoren und Werke. Gerolstein 1994, S. 245–253, hier S. 245.
  24. Vgl.: Clara Viebig: Das schlafende Heer. In: Walter Jens (Hrsg.): Kindlers neues Literaturlexikon, Bd. 17. München 1992, S. 138–139, hier S. 139.
  25. Clara Viebig: Das schlafende Heer. Fleischel, Berlin 1904, S. 507.
  26. Clara Viebig: Lebens-Abriss. In: Berliner Tageblatt vom 12. Juli 1930, S. 7.
  27. Clara Viebig: Das tägliche Brot (1900), 29. Aufl., Fleischel, Berlin 1919, S. 361.
  28. Helga Abret: Teufelsengel. In: Renate Möhrmann (Hrsg.): rebellisch verzweifelt infam. Das böse Mödchen als ästhetische Figur. Aisthesis, Bielefeld 2012, S. 227.
  29. O.V.: Der Komponist Ernst Viebig. In: Christel Aretz, Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur – Dokumentation zum 150. Geburtstag, Zell 2010, S. 147–148, hier S. 147.
  30. Vgl. Carola Stern: Kommen Sie, Cohn! Friedrich Cohn und Clara Viebig. Köln 2006, S. 107.
  31. Georg Fritzsche: Das Clara-Viebig-Zentrum in Eisenschmitt. In: Christel Aretz, Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur – Dokumentation zum 150. Geburtstag. Zell 2010, S. 170–171, hier S. 171.