Hotel Handelshof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hotel Handelshof mit Wappen 2014
Hotel Handelshof im Jahre 2005

Das Hotel Handelshof ist ein historisches Hotel in der Innenstadt der Stadt Essen. Das aus Stahlbeton errichtete, sechsgeschossige Gebäude des Hotels steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Es befindet sich am Willy-Brandt-Platz gegenüber dem Hauptbahnhof, am Anfang der Kettwiger Straße, mit der die Fußgängerzone in der Essener Innenstadt beginnt. Darauf hinweisend ist seit 1950 auf dem Dach des Gebäudes der von dem modifizierten Essener Stadtwappen flankierte, beleuchtete Schriftzug Essen – die Einkaufsstadt angebracht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der heutigen Einmündung der Kettwiger Straße in den Willy-Brandt-Platz befand sich im Mittelalter das Kettwiger Tor in der Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissenen Essener Stadtmauer. 1861 wurde hier der Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn als Vorläufer des heutigen Hauptbahnhofs errichtet. Auf dem Grundstück des im 19. Jahrhundert entstandenen Hotels Zum Adler mit dem Adlerkeller wurde 1911/1912 der Handelshof nach Entwurf der Kölner Architekten Carl Moritz und Werner Stahl erbaut. Das Hotel Handelshof wurde 1913 eröffnet. Zu dieser Zeit befanden sich in den rund 350 Räumen des Gebäudes außer dem Hotel auch zwei Restaurants, ein Café, eine Konditorei, ein Kino sowie mehrere Läden und zahlreiche Büroräume.

Das Hotel wurde zu Beginn von den Eltern des 1902 in Essen geborenen Schauspielers Heinz Rühmann, Margarethe und Hermann Rühmann geführt. Ein Schild an der Fassade des Gebäudes erinnert daran. Über die Dauer dieser Leitung gibt es in den Quellen unterschiedliche Angaben; sie war jedenfalls finanziell nicht erfolgreich und endete spätestens 1916, als die Mutter Rühmanns mit ihren Kindern nach der Trennung von ihrem Mann und dessen Suizid nach München zog.

Nach den Rühmanns pachtete Otto Blau das Hotel. Unter seiner Leitung wurde es überregional bekannt. Zu dem Hotel gehobener Preisklasse gehörten ein Café und ein Restaurant, außerdem ein Bierkeller namens Löwenbräu und eine Weinstube. Es verfügte über 220 Zimmer. Es gab Kühe, die speziell für den Handelshof gehalten wurden. Der „rasende Reporter“, Journalist Egon Erwin Kisch, erwähnte 1920 in einem Bericht, den er über seinen Besuch in Essen schrieb, der Handelshof habe „respektable Ausmaße“. 1929 kam es zu einem Brand im Hotel.

Anlässlich eines Besuches des italienischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini unter Hitlers Begleitung in Essen 1937 hängte man ein Transparent mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen in der Waffenschmiede des Reiches“ am Handelshof auf. Im Zuge der Luftangriffe auf das Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, nach 1945 aber ohne wesentliche Veränderungen instand gesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 18. Juli 1947 im Handelshof die Lesehalle Die Brücke eingerichtet. Am 8. September 1952 öffnete das Hotel Handelshof mit 360 Betten erneut. Später wurde das Hotel umgebaut und unter Erhalt der Fassade komplett neu gestaltet. Am 21. April 1981 nahm es wieder den Betrieb auf. Zwischen dem 22. Februar 1983 und dem 7. Dezember 2015 gehörte es zur Schweizer Unternehmensgruppe Mövenpick. Der Name Handelshof wurde beibehalten. 1988 brannte es abermals im Hotel, sodass die Gäste vorübergehend umquartiert werden mussten.

Im Jahr 2009 wurde das Hotel von der Stadt Essen im Zuge des Neubaus des Essener Stadions an die Firma SFO verkauft. Diese befindet sich im Besitz der Familie von Sylvia Ströher, Erbin der Gründerfamilie der Firma Wella.[1]

Am 16. Oktober 2010 stürzte das linke Stadtwappen (3 × 6 Meter groß) aus dem Schriftzug Essen – Die Einkaufsstadt vom Dach herunter, wobei niemand zu Schaden kam.[2]

Inhaberwechsel 2015/2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Dezember 2015 gehörten zum Hotel: Jimmy’s Cocktailbar mit einem Angebot von über hundert Sorten Whisky, ein Mövenpick-Restaurant, in dessen Räumen sich vor der Übernahme durch Mövenpick das gutbürgerliche Restaurant „Kiepenkerl“ befand, sechs teilweise kombinierbare Konferenzräume sowie 198 Zimmer mit gehobener, zeitgemäßer Ausstattung, darunter mehrere geräumige Suiten. Im Gebäude befinden sich außerdem mehrere Einzelhandelsgeschäfte und die Touristikzentrale der Essen Marketing GmbH.

Am 10. Juni 2015 wurde bekannt, dass die Mövenpick-Gruppe allen Mitarbeitern zum Jahresende 2015 gekündigt hat und das Hotel schließt.[1] Mövenpick konnte sich nicht mit dem Eigentümerunternehmen SFO über eine Verlängerung des Pachtvertrages einigen. Das Mövenpick-Hotel schloss am 7. Dezember 2015.[3]

Die Hamburger Novum Hotel Group übernahm den Handelshof und pachtet ihn zunächst für 15 Jahre. Sie wird den Hotelbetrieb nach Renovierung voraussichtlich im Herbst 2016 wieder eröffnen und Novum Winters Hotel Handelshof nennen. Damit bliebe die historische Bezeichnung Handelshof im Namen erhalten.[4][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hotel Handelshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Das Hotel im Handelshof schließt. Auf: DerWesten.de. 11. Juni 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  2. Ursache für Absturz des Stadtwappens noch unklar. Auf: DerWesten.de. 17. Oktober 2010, abgerufen am 28. November 2015.
  3. Neuer Betreiber mietet Handelshof zunächst für 15 Jahre. Auf: DerWesten.de. 2. Dezember 2015, abgerufen am 2. Dezember 2015.
  4. Mövenpick in Essen wird ein Novum. Auf: AHGZ.de. Fachportal für Hotellerie und Gastronomie, 26. November 2015, abgerufen am 15. Juni 2015.
  5. Handelshof: Neue Betreiber wollen frischen Wind bringen. Auf: DerWesten.de. 27. Mai 2016, abgerufen am 15. Juni 2016.

Koordinaten: 51° 27′ 9″ N, 7° 0′ 49,2″ O